"Deutsch!" Wie aus der Pistole geschossen kommt Alessia Magees Antwort auf die Frage nach ihrer Muttersprache. "Ich bin in Deutschland geboren", betont die Zehnjährige. Ihre Mutter Yvonne lächelt. Ab dem Alter von vier Jahren war das Mädchen öfter besuchsweise in den Staaten. Im Alter zwischen fünf und acht Jahren lebte Alessia ständig in den USA. Vor eineinhalb Jahren brachte die Army die Magees wieder nach Deutschland. "Deutsch ist meine Muttersprache", wiederholt Alessia die Antwort. Um gleich darauf ihrem kleinen Bruder Isaiah auf Englisch zu erklären, dass er nicht ihren Lutscher nehmen soll, weil er selbst einen hat. Sie habe eine deutsche Mutter, deswegen sei Deutsch ihre Muttersprache, knüpft die Zehnjährige erneut an ihre Antwort an.

Alessias Mutter Yvonne war von Anfang an daran gelegen, mit ihrer Tochter Deutsch zu sprechen. Das hatte sie ihrer eigenen Mutter versprechen müssen. Denn sie wollte sich schließlich die peinliche Situation ersparen, ihre Enkelin beim Anruf nach Übersee möglicherweise nicht zu verstehen.


Gespräch mit den Großeltern war nicht möglich



Eben diese Situation kannten im Umkehrfall die amerikanischen Großeltern Alessias, Charles und Tina: Sie konnten mit der Vierjährigen zunächst nicht kommunizieren, zumindest nicht über die Sprache, also Englisch, wie Alessias Schilderungen zeigen. Doch "das wurde schlagartig besser, als Alessia in Amerika den Kindergarten besuchte", berichtet ihre Mutter weiter. Später wollten die amerikanischen Kinder immer wissen, wie dieses und jenes auf Deutsch heißt. In "Amerika"... Alessia betont den Namen ihres zweiten Heimatlandes immer ebenso, wie sie "Deutschland" ganz besonders, irgendwie ehrfurchtsvoll ausspricht. Mit den Jahren "drüben" wurde Alessias Englisch immer besser. Wobei Mutter Yvonne zuhause weiter Deutsch mit ihr sprach. "Weil ich nicht wollte, dass sie das verlernt." Die 38-Jährige hat in ihrer Verwandtschaft mitbekommen wie sich das sonst auswirkt, und fand es gar nicht gut. Yvonne Magee berichtet: "Ich hab' oft auf Deutsch gefragt und Alessia hat auf Englisch geantwortet."

Am Flughafen übrigens, da habe Alessia immer "umgeschaltet" weiß ihre Mutter: Sobald das Kind auf deutschem Boden war, sprach sie Deutsch, in Amerika funktionierte es mit Englisch genauso. Wenn sie so nachdenkt, dann findet Alessia Magee Englisch "leichter, natürlicher". Ihre Träume? "Englisch." Aber Deutsch gefällt ihr besser. Schimpfworte bemüht sie dagegen ausschließlich in Englisch. Auch wenn ihr die Mutter die "schlimmen Worte", wie sie sagt, beredet, also verbietet. "Dang" zum Beispiel, ist auf Nachfrage zu erfahren, rangiert unter dieser Rubrik. "Ah, ,verflixt' heißt das auf Deutsch", nimmt das Kind nun zur Kenntnis.


Deutsche und englische Literatur



Was liest die Schülerin? "Englische Bücher, "denn manche deutsche Worte verstehe ich nicht". Dafür schmökert das pferdebegeisterte Mädchen in deutschen Magazinen, allen voran das Pferdeheft "Wendy". Mit den Pferden, die sie reitet spricht sie sowohl als auch - mit Gino Englisch, mit Lieblingspferd Selma Deutsch. Auf Deutsch stelle sie zu Hause übrigens die Fragen, bei denen sie von einem "no" ihres Dads Aaron ausgehe... gibt das Kind Einblick in ihren strategischen Einsatz der Sprachen. Am liebsten wäre es Mutter Yvonne, dass ihr Kind beide Sprachen gleich gut beherrscht. Aber meistens liege die Sprache des Landes vorne, in dem die Familie mit der Army stationiert ist.

Als was fühlt sich das Kind mit zwei Staatsbürgerschaften eigentlich? "Ich sage immer, ich bin Deutsche", was überall respektiert werde, erklärt der Teenager selbstbewusst. Dabei kennt Alessia die Vorteile ihrer beiden Heimatländer sehr wohl: "In Amerika ist alles einfacher. An Deutschland gefallen mir die Eisdielen."

Derzeit hat Alessia mehr englische Freunde. Das kommt wohl daher, weil sie die amerikanische Schule besucht und die Familie ein Haus auf dem Kasernengelände bewohnt. Die Folge: "Im Moment spricht sie besser Englisch als Deutsch", erklärt Alessias Mutter. "Sechzehn", sei für sie übrigens ein richtig schwieriges deutsches Wort. "Und richtiges Hochdeutsch", merkt Alessia an. Schließlich stamme die Mama aus dem hessischen Rüsselsheim. "Rischtisch", unterstreicht Yvonne Magee.


Vorteil fürs Berufsleben



Die möchte, dass ihre Tochter einmal aufs College geht. So findet sie deren zweisprachiges Aufwachsen als Vorteil: "Weil sie dann ja immer und überall mindestens eine Fremdsprache beherrscht." Das sei in der Berufswelt heute fast schon Voraussetzung. Und Deutsch habe gerade in Amerika einen hohen Stellenwert.

Alessia nickt. Das hat der Teeanger schon mitbekommen. So soll auch der 22-monatige Isaiha, der in den Staaten geboren ist, von Anfang an deutsch lernen, erklärt Yvonne Magee. Damit er es spielerisch lernt, besucht er einen deutschen Kindergarten, sieht deutsche ebenso wie englische Kinderfilme. Und Alessia sitzt gleichermaßen an deutschen und englischen Computerspielen.