Wenn man von einer musikbegeisterten Familie sprechen kann, dann von den Pfisters aus Roßdorf am Forst: fünf Mädchen, die alle ein Blasinstrument gelernt haben und mit dem Musikverein Zeegenbachtal groß geworden sind. Bei der Mittleren, Monika, waren Musikbegeisterung und Können so groß, dass sie als Profi-Waldhornistin an der Oper in Dortmund tätig ist. Zwei Pfister-Mädels fanden ihre große Liebe in anderen Musikern, und auch die nächste Generation verstärkt die Zeegenbachtaler bereits aktiv. Aktiv sind alle "Pfister-Sisters" und ihr Nachwuchs selbstredend auch am 15. Juni, wenn das Bundesbezirkssmusikfest (mit Wertungsspielen und buntem Rahmenprogramm) zu Ehren der nun 40 Jahre jungen Zeegenbachtaler in Strullendorf abgehalten wird. Die eine oder andere Pfister-Sister wird sich mit ihrem Instrument sicherlich auch in den großen Festzug einreihen.

Ein Tuba-Spieler fehlt noch


49 Jahre jung ist Karin Bayer, die älteste des Pfister-Quintetts. Die Zwillinge Michaela und Susanne (Strohmeier) sind mit 41 Jahren die Jüngsten der Ursprungstruppe. Bereits aktiv spielen Karins Kinder Florian (18) und Julia (16) und seit kurzem Susannes Töchterchen Marlen (7). Deren Bruder Felix (3) ist noch zu jung, um ans Instrument zu dürfen, zeigt sich dennoch sehr interessiert. Mutter und Tanten hoffen im Sinne des Vereins auf einen Tuba-Spieler, aber Schwesterchen Marlen weiß, dass der Bruder auf was anderes scharf ist. "Der will Klarinette lernen", piepst sie im Brustton der Überzeugung in die Runde.

Wie kamen die Schwestern zu den Zeegenbachtalern? Die Eltern waren selbst recht musikalisch und von dem noch jungen Verein angetan. Beim ersten Auftritt zu Bambergs 1000-Jahr-Feier musizierten gerade mal zwölf Kinder.

Pfisters wissen um die Anfänge. Es war die Zeit, als der junge Pädagogikstudent Karl Berberich auf Initiative der Familie Vogler in Zeegendorf neun Kindern Instrumentalunterricht gab. Auch Pfisters fanden, dass jede ihrer Töchter ein Instrument erlernen sollte. Dafür kam Berberich einmal die Woche nach Zeegendorf, ins Wohnzimmer der Familie. Berberich zog von Haus zu Haus, allerdings jedoch mehr in Zeegendorf. Damals mussten Instrumente noch selbst finanziert werden, erklären die Geschwister, um das Engagement ihrer Eltern zu verdeutlichen.

"Motor" Karl Berberich


"In Roßdorf waren wir die Exoten", erinnert sich Heidi Pfister. "Wir mussten uns immer für die Musik entscheiden", fügt ihre Schwester Susanne an, "und ich würde es immer wieder tun". Heute bietet der Verein freilich ganz andere Voraussetzungen. Einer, der dafür maßgeblich die Weichen stellte, so lassen die Pfister-Sisters immer wieder anklingen, ist Karl Berberich. Er spielt für den Musikverein Zeegenbachtal eine zentrale Rolle - als Motor, Musikpädagoge und natürlich als Musiker mit seinem Anspruch jenseits des wirtschaftlichen Erfolgs, so Heidi Pfister.

Der Verein ruht im Jubiläumsjahr musikalisch auf fünf Säulen: Zum einen ist da die Trachtenkapelle, die sich eher volkstümlicher Blasmusik widmet, dann gibt es das Symphonische Blasorchester, das sich dem modernen, konzertanten Liedgut verschrieben hat. An diesem orientieren sich Bläserklasse, Schülerorchester und Jugendorchester. Eng kooperiert der Verein mit Schule und Musikschule. Wert legt der Verein seit jeher auf Qualität und Weiterbildung. Das belegen die kontinuierlichen Erfolge bei Wertungsspielen des Nordbayerischen Musikbundes. Die Pfister-Großfamilie war an etlichen beteiligt und kann eine stattliche Zahl an Musikabzeichen verweisen. Nicht zuletzt hat die mittlere Schwester wohl dank der soliden Basis im Musikverein Zeegenbachtal den Sprung in die Profikarriere geschafft.

Die Pfister-Mädels spielten fleißig ihre Instrumente, wurden älter, blieben jedoch stets der Blasmusik, ihrem Verein und Karl Berberich treu. Der verstehe es, die Jugend zu begeistern, ist man sich in der Pfister-Familie generationen-übergreifend einig. "Weil auch zeitgemäße und moderne Stücke gespielt werden und Berberich ein Talent hat, für jeden das passende Instrument zu finden", bringt Susanne Strohmeier es auf den Punkt.
Der Verein ist für die Pfister-Schwestern weit mehr als Proben und Auftritte. Der Verein ist ihnen zur Heimat geworden. Ganz besonders wohl auch, seit man ein eigenes Heim hat.

Geprobt wurde anfangs in Zeegendorf, dann in Mistendorf und schließlich in der Amlingstadter Schulturnhalle. Ein logistischer Kraftakt für die Eltern der fünf Mädchen. Weil in Amlingstadt der Lagerraum (für Instrumente und Noten) nach der Schulsanierung nicht mehr zur Verfügung stand, musste ein neuer her.

Heidi Pfister, die in der Zwischenzeit Architektur studiert hatte und die nach ihrer Schwester Susanne das Amt der Zweiten Vorsitzenden ausübte, konzipierte einen Anbau an der Schule. Wie die anderen Mitglieder legte selbstverständlich auch Familie Pfister tatkräftig mit Hand an. Auf 2500 Stunden Eigenleistung ist der ganze Verein stolz. "Einen großen Probenraum konnten wir uns als kleiner Verein nicht leisten", sagt die Architektin. "Aber jetzt haben wird einen festen Treffpunkt, einen Ort der Begegnung", ergänzt ihre Schwester Susanne. Seit zehn Jahren besteht das Heim.

Hier ist Begegnung möglich, hier wird auch geplant, zum Beispiel für das große Jubiläumsfest, wie entsprechende Plakate zeigen. Natürlich bringen sich die Pfisters hier ein, wie im bunten Vereinsleben generell. Florian beispielsweise ist Notenwart. Heidi wiederum fungiert seit längerer Zeit im Jugendbereich als Unterrichts-Koordinatorin und sie hat die Vereins-Chronik verfasst, wie ihre Freundin Monika Losgar (ihres Zeichens Dirigentin des Jugendblasorchesters), hervorhebt.

Großes Fest am Wochenende


Überhaupt sind im Verein und über diesen so viele Verbindungen und Freundschaften entstanden. Befreundet ist man mit etlichen anderen Gruppierungen, wie wohl das große Jubiläumsfest zeigen wird. Der Blasmusikverein Zeegenbachtal hat im 40. Jahr seines Bestehens 440 Mitglieder, 156 davon sind in fünf verschiedenen Gruppierungen und Orchestern des Vereins aktiv, wissen die Pfisters selbstverständlich. Genauso selbstverständlich wie sie zu ihren Instrumenten greifen: "Musik ist unsere Welt", fasst Michaela Pfister für alle Musikvereins-Pfisters zusammen.