Vor 15 Jahren starb Sela Bail. Elke Jonas erinnert sich an die Künstlerin: "Sie war ruhiger als ihr Mann, zurückhaltender. Aber vielleicht die bessere Malerin." Die Werke des Künstlerehepaars Bail hängen noch bis Ende August nebeneinander in der Villa Dessauer. Sie sind Teil der Ausstellung "Urgestein". Nicht ohne Stolz verrät Elke Jonas: "Eine kleine Sela-Bail-Leihgabe hätte ich auch beisteuern können."

Bis zu Bails Tod trafen sich die beiden Frauen regelmäßig zum Kaffeetrinken. Der Kontakt war über Ehemann Carsten Jonas zustande gekommen. Jonas war bis 1991 Baureferent der Stadt Bamberg. Er kennt daher die meisten der Künstler, die in der Urgestein-Ausstellung hängen, wenigstens namentlich. Bail sei damals persönlich in seinem Büro aufgetaucht.


Denkenswerter Auftritt

"Er hat sich sehr engagiert über etwas beschwert", erinnert sich Jonas und überlegt. "Aber ich weiß nicht mehr, was es war. Und dann habe ich ihn in seinem Atelier besucht. Da stand in der Einfahrt dieser wunderschöne, alte, dunkelgrüne Jaguar ..."

Das Ehepaar Jonas hat die Ausstellung am Sonntagnachmittag fast für sich. Die Bilder von insgesamt 24 Künstlern, die im 20. Jahrhundert in Bamberg gelebt und gearbeitet haben, haben offenbar noch keine allzu große Anziehungskraft entwickelt. Das ist schade.

Die Ausstellung bietet ein differenziertes Bild der Kunst, die in Bamberg entstand. Sie soll ein Widersehen mit alten Bekannten sein und beweist vor allem, wie sehr sich diese Künstler voneinander unterscheiden: Die hingetuschten Landschaften Alfred Hellers neben den minimalistischen Abstraktionen von Alfred Heinz Kettmann neben einer fiesen Spukgestalt von Reinhard Kleese.

Die Bilder locken wie das Ehepaar Jonas anscheinend vor allem Menschen an, die einen persönlichen Bezug zu den Künstlern hatten. Elisabeth Aho kannte Hans Liska. Sie ist in Scheßlitz geboren, wo Liska 1983 starb. Anton Rauh, dessen Bilder hier fehlen, lebte mit ihrer Mutter in einem Haus. "Deswegen finde ich das ganze so spannend." Nach einem halben Durchgang ist ihr vor allem eine Kohlezeichnung von Josef Albert Benkert, Schüler Rauhs, in Erinnerung geblieben.

Benkerts Bilder gehören zu den ersten starken Eindrücken der Ausstellung. Sein düsterer Expressionismus erzählt wie so viele Bilder in der Villa Dessauer auch von der Schwärze eines Jahrhunderts, von Krieg, Vertreibung, Wiederaufbau. Es handelt sich um eine von der Zerstörung geprägte Künstlergeneration - auf die eine oder andere Weise. Hans Liska arbeitete während des Zweiten Weltkriegs als Mitglied der Propagandakompanie und zeichnete das Geschehen an der Front. Alexej Borutscheff, geboren in der Ukraine, kam als Kriegsgefangener nach Deutschland, blieb in Bamberg und gab den amerikanischen Streitkräften Zeichenunterricht in der Villa Concordia. Auch Erich Cleff d. J. arbeitet in den Nachkriegsjahren in der von ihm gegründeten Malschule für Amerikaner. Im ersten Raum nach dem Treppenaufgang empfängt den Besucher der strenge Blick von Nathan R. Preston. Cleff hat den Militärgouverneur in Öl porträtiert. An der Wand gegenüber: Ein Blumenstrauß.



Anregende Farben

"Mir gefällt daran, wie farbenfroh er ist. Wie die Farben leuchten", erklärt Egard Tiebert. Der Hesse macht Urlaub in den Haßbergen. "Wenn ich in eine andere Stadt fahre, sehe ich mir gern so etwas an. Ich erfreue mich an der Ästhetik und lasse mich anregen."

Das Ehepaar Jonas steht derweil wieder vor einem Bild von Sela Bail: "Verschichtete Formen." Das Rot könnte zwar noch etwas kräftiger sein, dafür sind die beiden von der Komposition fasziniert. "Ich werde morgen mal den Bürgermeister anrufen", sagt Jonas, "und fragen, ob man das kaufen kann."

Und wie das kam, dass Hanns Bail damals plötzlich in seinem Büro stand, fällt ihm auch wieder ein: "Es ging um die Plastik vor dem Krankenhaus. Da gab es wohl einen Wettbewerb und irgendwelche Schiebereien. Aber was da genau los war, weiß ich heute auch nicht mehr."

Zu sehen sind die Werke in der Villa Dessauer, Hainstraße 4a in Bamberg, dienstags bis donnerstags 10 bis16 Uhr sowie freitags bis sonntags und an Feiertagen von 12 bis 18 Uhr.

Geschichte und Geschichten sammeln
Einen ergänzenden Sammlungsaspekt für die Museen der Stadt Bamberg, künftig auch Geschichten über und zu den Künstlern zu erzählen, umriss Museumsdirektorin Regina Hanemann und gab sogleich eine kleine Anekdote zum Künstler Alexeij Borutscheff zum Besten, die ihr wiederum ein Freund erzählt habe.
"Borutscheff wohnte sehr lange, ich meine, bis an sein Lebensende, im Haus der Familie des Freundes. Im Alter litt er unter dem grauen Star und ließ dies lange nicht operieren. Als er doch endlich von der Dame des Hauses überzeugt wurde und wieder gut sehen konnte, war er über die verbesserte Sicht auf seine eigenen Werke bass erstaunt und dann erschüttert und verärgert, weil er sie nicht mehr als seine Werke wiedererkannte. Er behauptete, dass diese Bilder von jemand anderem - zum Beispiel meinem Freund und seinen Brüdern - gemalt und ihm untergeschoben worden seien und zerstörte einen Großteil dieser vermeintlichen Fremdwerke selbst."

Ihr Bekenntnis, "dass wir im Museum solche Geschichten leider bisher gar nicht gesammelt haben, "nur" die Kunstwerke", verband Hanemann sogleich mit dem allgemeinen Aufruf und der Bitte: "Teilen Sie uns per Post oder E-Mail die Geschichten zu Künstlern mit, die Sie erlebt haben. Dies gilt ebenso für Künstlerinnen und Künstler, die Sie hier vermissen."."