Es ist eine Hassliebe, die die Briten mit Europa verbindet. Und umgekehrt. Während sich die Europäer darüber wundern, dass Briten grundsätzlich für alles gefühlte Stunden ohne zu maulen geduldig anstehen (und auf die Frage weshalb sie denn in der Reihe stehen würden, freundlich, aber bestimmt antworten: "Weil wir Briten sind!"), wundern sich Briten über Europa.

Weshalb lassen sich Nationalstaaten ihre Kompetenzen von einem Moloch im fernen Brüssel beschneiden, der sich um so wichtige Dinge wie den Krümmungsgrad der Gurken kümmert? Weshalb fließen Milliarden nach Europa, wenn man das Geld doch viel besser im eigenen Land brauchen könnte? Klar, dass überzeugte Brexit-Befürworter bei der Abstimmung in gut zwei Wochen für einen Austritt aus der EU sein werden und sich insgeheim eine Wiederbelebung des britischen Empires wünschen.

Sie übersehen dabei aber, dass die EU nicht nur Geld fordert, sondern Geld auch zurückfließt, zum Beispiel in britische Filme. Und überhaupt: Was wäre Europa ohne Musik und Literatur von der Insel? Von Tee, Gebäck, Whisky und Gin ganz zu schweigen? Und wer weiß, vielleicht fördert die EU so die Britannisierung des Kontinents. Haben Brexit-Geger darüber schon mal nachgedacht?