Als Regina Hanemann am Sonntagabend das Historische Museum absperrte, kamen noch Gäste, die gleich weitermachen wollten mit einer Museumsnacht. "Ich konnte sie auf den 25. September vertrösten, da ist ja Museumsnacht auf dem Domberg im Rahmen des Jubiläums 1000 Jahre St. Michael", lacht die höchst zufriedene Museumschefin Hanemann. Denn der Internationale Museumstag brachte zuvor nie erreichte Besucherzahlen in allen einschlägigen Häusern: Tausende Bamberger stürmten ihre Museen - auf dem Domberg, aber auch die Sammlung Ludwig im Alten Rathaus oder das Naturkundemuseum in der Fleischstraße.

"Die Zähler der Museen liefen dieses Jahr teilweise fast doppelt so weit wie 2014, vor allem Familien mit Kindern und Bamberger Publikum ließen sich die kostenlosen Angebote nicht entgehen", bilanziert Dombergkoordinatorin Birgit Kastner den Run auf verborgene und bekannte Schätze. Besonders die Kinderführungen seien "stark gefragt" gewesen. Wie überhaupt die angebotenen Führungen bestens genutzt worden seien. "Die Leute kamen gezielt und hatten sich ihr Programm zusammengestellt", ergänzt Regina Hanemann.

Auch Holger Kempkens, Leiter des Diözesanmuseums ist "hocherfreut" über die Tatsache, dass "wir schon am Vormittag überrannt wurden". Höchstpersönlich hatte er diverse Führungen übernommen, stets umringt von Interessierten, die etwa die einzigartigen Kaisermäntel oder den Papstornat bewunderten. Da passte das Wort vom "Paradies, mit dem Museen viel zu tun haben: Sie können Welten zeigen, die irgendwie außerhalb dieser Welt sind, weil sie Einblicke in lange vergangene Welten geben".

Regina Hanemann hatte diese Sicht geschildert, als sie um 11 Uhr im Alten Rathaus die Sonderausstellung "Paradiesvogel -Vogeltraum. Porzellan und Fayence aus der Sammlung Ludwig. Messerschnitte von Hans Lankes" vor großem Publikum eröffnete. Museum habe eben nicht nur mit Vergangenheit zu tun, sondern auch mit Zukunft. Denn das Museum sei nicht "eine nutzlose Ansammlung von alten Dingen", sondern gebe durch das wiederholte Nachdenken über die vorhandenen oder zukünftigen Objekte "Denkanstöße in neue Richtungen". Zumal gerade die Bamberger Museen "ein lebendiger, vielfältiger Anziehungspunkt im Kulturleben unserer Stadt sind", wie Bürgermeister Christian Lange (CSU) während der Vernissage betonte.

Dass auch schon die jüngsten Stadtbewohner für dieses Kulturleben zu begeistern sind, stellte dieser Museumstag eindrücklich unter Beweis. Alle Häuser hatten sich mit kind- und jugendgemäßen Aktionen aufgestellt und kamen kaum nach, Bastelwünsche zu erfüllen oder Entdeckerbögen auszuteilen. "Es ist schön, wenn für Kinder extra etwas angeboten wird, sonst ist es für sie im Museum eher langweilig", meinte die Bambergerin Vera Mamerow, die Töchterchen Nora (4) in der "Vergolder-Werkstatt" im Diözesanmuseum unterstützte. Museumspädagogin Katharina Loika hatte zudem ein Auge auf die vielen Kinder, die kleine Gipskronen von Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde für den abschließenden Goldlack präparierten.

Auch Jutta Wolfruhm saß mit Tochter Leoni (6) an diesem Mal- und Basteltisch: "Der Museumstag ist eine schöne Gelegenheit, als Neubürgerin reinzuschnuppern", sagte sie dankbar. Die frischgebackene Bambergerin hat damit vielen Alteingesessenen etwas voraus, die ansonsten um die Museen einen großen Bogen machen: "Der Museumstag ist besonders für die Einheimischen wichtig, weil sie merken, welche großartigen Häuser wir haben", erklärt Regina Hanemann und seufzt ein wenig. Muss es denn nur ein freier Eintritt sein, der ins Museum lockt?