Gerade noch hatte die Königin fröhlich kichernd mit ihrem Hofstaat gefeiert. Doch plötzlich stand er vor ihr: der tiefschwarz gekleidete Tod mit gespenstisch weiß geschminktem Gesicht. Er legte sanft der herrschaftlichen Dame seine Hand auf ihre Schulter. Und führte sie fort in sein Totenreich.

Ein memento mori der besonderen Art auf dem Domberg, zu der die AGIL-Theatergruppe eingeladen hatte. Eine mahnende Erinnerung an diesem trüben Novembertag, dass der Tod jeden, ungeachtet seines Standes, plötzlich aus dem Leben reißen kann. Schauspielerin Laurin Singer verkörperte den Sensenmann mit einer Eindringlichkeit, die die Zuschauer aus Nah und Fern - viele Touristen hatten sich in die Schar gemischt - erschauern ließ. Zumal das trübsinnig stimmende Geschehen von dumpfen, monotonen Trommelschlägen begleitet wurde.


Den Tod vor Augen geführt

Laurin Singer hatte auch die Regie dieses Wandeltheaterstückes inne, das sich an den berühmten "Basler Totentanz" anlehnte. Dieses Gemälde aus dem 15. Jahrhundert an der Friedhofsmauer bei der Predigerkirche in Basel führte dem Betrachter eindrücklich vor Augen, wovor der Mensch die Augen so gerne verschließt: der Tod. Laurin Singer und ihre 16 Schauspielkollegen in historischen Kostümen ließen also die Szenen des Basler Totentanzes lebendig werden und nahmen die Zuschauer zugleich mit in den Reigen zwischen Leben und Tod. Damit führten sie die Gäste nicht nur in frühere Glaubens- und Gedankenwelten, sondern öffneten auch Türen zur persönlichen Auseinandersetzung mit dem Sterben, dem Tod - und dem Leben.

Denn nachdem der Tod seine menschliche Beute zwischen Dom und Alter Hofhaltung eingesammelt hatte - Papst, Kaiser, Königin, Bauer, Bettlerin, Säuferin, Räuber - versammelte er alle vor der Adamspforte des Doms. Also vor Adam und Eva, mit dem die Ursünde und damit der Tod überhaupt auf die Erde kamen. Der Tod alias Laurin Singer sprach versöhnende Worte. Für den Christen endet das Leben nicht mit dem Tod. Auferstehung lautet die Botschaft.

"Es ist angedacht, dieses Wandeltheaterstück dauerhaft für den Monat November in unser Programm aufzunehmen", sagte AGIL-Chef Jost Lohmann nach der Aufführung. In diesem Jahr habe die Sonderausstellung im Diözesanmuseum "Der letzte Weg - Tod und Bestattung in Mittelalter und Neuzeit" den Anstoß gegeben. So bildete auch eine Kurzführung durch die Präsentation mit Museumsleiter Holger Kempkens den Auftakt für den "tanzenden Tod auf dem Domberg".