Georg Hünerkopf steht im Regen. Mit ihm harren ein paar hundert Nordmanntannen aus. Die soll er an den Mann bringen. Zwei Wochen vor Weihnachten. Und das bei dieser Witterung. Kein Problem, sagt der 57-Jährige. Er meint das Mistwetter. "Das ist doch gut für die Bäume." Weil sie da schön frisch bleiben. Als ziemlich frisch dürften die Temperaturen an diesem graufeuchten Montagmorgen durchgehen.

Trist? Hünerkopf schüttelt den Kopf und lächelt ein sonniges Lächeln. Eigentlich müsste ihm saukalt und noch viel langweiliger sein. Denn bislang sind er und die Bäume allein. Noch kein einziger Baum verkauft. "Ich habe hier immer zu tun", sagt der Rentner, der hier eher hobbymäßig aktiv ist. Der Mann aus dem Burgwindheimer Gemeindeteil Oberweiler im Steigerwald engagiert sich in Bamberg für ein Unternehmen aus dem Steigerwald mit Bäumen aus dem Steigerwald. Nordmanntannen. "Die Leute wollen heute nur die." Fichte und Kiefer sind als Christbäume out. Nur noch ganz vereinzelt werden sie nachgefragt und auf Bestellung innerhalb von zwei Tagen geliefert.

Es prasselt von oben. Georg Hünerkopf scheint's nicht zu bemerken. Er ist auf Modeltour, wie er es nennt. "Jeden Baum behandle ich wie ein Model." Einer intensiven Begutachtung folgt die optimale Präsentation. Er kennt die Charakteristika und stellt sie vor, während er den Baum aus der Vorrichtung nimmt und vor dem Kunden dreht. Hünerkopf ist durchnässt, aber das lässt ihn kalt, während er vor Begeisterung glühend die Stärken beleuchtet.


Stärke gefragt

Dabei scheint Stärke bei den Weihnachtsbäumen gefragt: "Sie müssen von der Auslage her kräftiger sein", erklärt der Fachmann. Denn die Leute möchten wieder echte Wachskerzen aufstecken, schildert Hünerkopf einen Trend, den er zu bemerken glaubt. Seit vergangenem Jahr steht er immer wieder einmal stundenweise im eingezäunten Verkaufsareal - "weil mir der Kontakt mit den Menschen Freude macht".

Hünerkopf ist ebenso findiger Tüftler wie erklärter Perfektionist. Sein Credo: "Ich will für jeden den perfekten Baum finden." Deswegen studiert er das Angebot sorgfältigst. Bereits diejenigen Exemplare, die noch in der Verpackung stecken. So werden sie aus dem Steigerwald angeliefert, dann nach und nach ausgepackt und in Steckvorrichtungen auf Kreuzen - für jeweils vier Exemplare - präsentiert.

Hünerkopf sortiert sie bereits da nach seinem eigenen System. So weiß er sofort, wohin er Kundschaft führen muss, nachdem die ihre Vorstellungen geäußert hat. Und die Vorstellungen? "Sind so unterschiedlich wie die Menschen." Also Individualisten allesamt. "Man muss zu einander passen." Schließlich verbringe der Baum eine ganz besondere Zeit mit einer Familie. Trotz aller Verschiedenheit, eine gewisse Orientierung muss es geben und da gilt, ganz klar, die Größe.

Deswegen müssen alle Weihnachtsbäume neben die Messlatte. Die hat der Chef nach Hünerkopfs Vorschlägen anfertigen lassen. Die Latte wird neben jeden Baum gestellt. "Dann kann jeder Kunde selbst sehen, wie groß der Baum ist." Oder gegebenenfalls auch wie klein das eigene Wohnzimmer. Die Zahl auf der Messlatte braucht der Kunde, "um sich seinen Preis zu machen", wie Hünerkopf es nennt. Das heißt, die Preistabelle an der Tür der kleinen Schutzhütte zeigt zu jedem Höhenmaß den fälligen Euro-Betrag. Kleine Schönheitsfehler mindern die Summe.

Am Ende gibt der Steigerwälder dann noch Tipps mit auf den Weg, wie sich der Baum besonders frisch hält. Was kommt in sein Wohnzimmer? "Eine Fichte aus dem eigenen Wald, eine mit Schönheitsfehler." Denn gerade solche Bäume haben ihre Geschichte, findet er.

Viele Geschichten über Bäume kann auch Otmar Renner aus der Gemeinde Priesendorf erzählen, dem Mekka der Christbaumkulturen im Landkreis Bamberg. Etwa 15 gibt es im Landkreis, schätzt er. Und überall dominiert die Nordmanntanne. 80 Prozent machen sie in seinem Verkauf aus. Der Rest sind Blaufichten (15 Prozent), Schwarzkiefer (2 Prozent) und Rotfichte (3 Prozent). Ab zehn Euro gibt's ein Bäumchen.
Der "Massenbaum", so Renner, misst zwischen 1,75 und 2,20 Meter. Ab 15. Dezember wird auch Renners Sortiment in Bamberg zu finden sein. Mal sehen, ob Georg Hünerkopf dann immer noch dem Schmuddelwetter so begeistert trotzen kann.