Am Gang des Menschen seine Emotionen erkennen: 1986 hatte Thorsten Havener seinen ersten öffentlichen Auftritt als Zauberkünstler. 1995 gewann er die französischen Zauberei-Meisterschaften in der Kategorie magie générale. Seit Anfang 2000 wandte er sich jedoch immer mehr von der Zauberei ab und beschäftigte sich mit Gedankenlesen, Wahrnehmung, Suggestion und Hypnose. Seitdem ist er in der Lage, anhand der Körpersprache des Menschen zu lesen wie in einem Buch. Wie gut er das beherrscht, zeigt der Künstler am 22. April in Bamberg. Vorher jedoch stand er der Lokalredaktion Rede und Antwort.

Herr Havener, als was würden sie sich selbst bezeichnen? Als Gedankenleser oder eher als Mentalist?
Thorsten Havener: Diese Bezeichnung ist immer wieder eine schwierige Frage. Es gibt eigentlich keine richtig Schublade, in die man mich und das, was ich mache, reinstecken kann. Natürlich ist ein bisschen Gedankenlesen dabei, Mentalismus spielt aber auch eine Rolle. Es kommen jedoch noch ganz viele andere Themen dazu wie Körpersprache oder Psychologie. Wenn man das unbedingt in eine Schublade will, dann würde ich mich selbst in die Schublade "Unterhaltung" stecken. Denn es geht mir in erster Linie darum, gute Laune zu verbreiten und die Menschen, die meine Show besuchen, gut zu unterhalten, sie zu verblüffen und ihnen vielleicht auch den einen oder anderen Trick über Körpersprache mit auf den Weg zu geben.

Lassen Sie mich aber dennoch noch einmal nachfassen. Ist es wirklich möglich die Gedanken von anderen zu lesen?
Hier stellt sich zunächst die Frage: Was ist genau Gedankenlesen? Wenn Sie damit meinen, ich schaue in eine Glaskugel und kann danach dessen Gedankenlesen, dann ist das natürlich Quatsch und Humbug. Davon halte ich nichts und distanziere ich mich auch. Denn das kann ich natürlich nicht. Ich kann allerdings sehr gut an der Körpersprache erkennen, wo jemand einen Gegenstand versteckt hat. Oder ich kann sehr wohl herausfinden, ob mich jemand anschwindelt oder nicht. Das sind Dinge, die sind sehr wohl beschreibbar und die kann man auch lernen. Ich selbst habe mich sehr lange damit auseinander gesetzt.

Wie sind Sie eigentlich zu dieser ungewöhnlichen Berufung gekommen?
Das fing bei mir im Alter von 13 Jahren an. Als Jugendlicher begann ich mich für Zauberkunst zu interessieren und stellte dabei fest, dass ich ein Talent habe, vor Leuten zu stehen und sie zu unterhalten. Ich verblüffe gerne Menschen. Ich liebe besonders diesen Moment, wenn Menschen mir zuschauen und gerade überhaupt nicht verstehen, wie ich diesen oder jener Zaubertrick gemacht habe. Und eines Tages habe ich immer mehr Zauberauftritte gemacht. Ich zauberte als Schüler und Student beispielsweise an Tischen in Restaurants. Wenn man allerdings von diesen Auftritten leben möchte, dann ist es sehr wichtig, auch die Körpersprache seiner Gäste gut lesen zu können. Man muss wissen, wen man als erstes anspricht und wen man als erstes auf seine Seite bringen muss. Dabei habe ich schließlich irgendwann einmal gemerkt, dass ich dies richtig gut beherrsche. Und somit habe ich angefangen, das Thema "Körpersprache" in meine Show hineinzubringen. Daraus hat sich dann eine eigene Show entwickelt, die ich jetzt zeige: nämlich der "Körpersprachecode".

Was genau können Sie anhand der Körpersprache an einem Menschen ablesen?
Letzten Endes eigentlich immer die Emotion, in der sich jemand gerade befindet. Ich sehe, ob jemand gut oder schlecht gelaunt ist. Das können sie beispielsweise an seinem Gang erkennen. Überhaupt spielen unsere Fußspitzen eine große Rolle. Wenn die Fußspitzen in die Richtung ihres Gesprächspartners zeigen, dann ist dieser in Gedanken bei ihnen. Wenn diese jedoch von ihnen wegzeigen, dann sagt mir dessen Körpersprache: zum Wegrennen bin ich zu höflich, aber in Gedanken renne ich schon mal davon.

Könnte ich Sie dennoch mit falschen Gesten auf den falschen Weg locken?
Wenn Sie richtig gut sind, sicherlich. Aber sobald Sie anfangen, über ihre Körpersprache nachzudenken und überlegen, wie halte ich meine Hände oder wie stelle ich meine Füße hin, habe ich Sie eigentlich schon ertappt...

Sie könnten mir aber auch meine Nummern von meinem Personalausweis verraten, obwohl sie ihn vorher noch nie gesehen haben?
(Lacht) Ja, diese Nummer war tatsächlich Bestandteil meines ehemaligen Programmes. Im aktuellen Programm wird man sie aber nicht sehen. Dafür gibt es viele andere Nummern. Mehr aber möchte ich noch nicht verraten...nur so viel: Das Publikum wird staunen und verblüfft sein.

Sie haben selbst Kinder. Die haben es sicherlich nicht leicht bei Ihnen. Zumindest, wenn sie anfangen zu lügen, oder? Sicherlich entlarven Sie sie sofort, wenn diese nicht die Wahrheit sagen?
(Lacht) Ich denke, meine Kinder haben es sicherlich nicht leicht. Denn meistens weiß ich schon ganz genau, wenn sie lügen. Aber ich muss es ihnen ja nicht immer gleich sagen, dass ich es weiß....

Somit stellt sich die Frage, ob diese Gabe des "Gedankenlesen" ein Segen oder Fluch ist?
Eine Gabe ist es ganz sicher nicht. Denn ich habe dafür ganz viel trainiert, um den Körpercode zu knacken. Und zudem denke ich, dass ich auch ganz gut abschalten kann.

Aber mal ganz ehrlich: liegen Sie manchmal auch komplett daneben? Soll heißen: Haben Sie eine Nummern schon völlig versemmelt?
Natürlich. Schließlich bin ich auch nur ein Mensch. Daher kann es schon mal passieren, dass ab und zu mal etwas anders läuft, als es eigentlich sollte. Glücklicherweise bekommt das oft mein Publikum gar nicht mit, weil ich einfach schnell einen anderen Weg einschlage. Zudem, weiß es ja auch nicht, dass dies so gar nicht geplant war. Manchmal jedoch geht auch bei mir eine Nummer schief so wie jüngst in Österreich. Ich habe einen Mann auf die Bühne gebeten und der sollte eine Person aus dem Publikum mit ein paar Stichworten beschreiben. Dieses Blatt Papier wurde zusammengefaltet und ich sollte anhand seiner Körpersprache rausfinden, wen er beschrieben hatte und derjenigen Person das Papier überbringen. Ich bin daraufhin schnurstracks zu einen einer jungen Frau geilt und habe das Blatt überreicht. Als sie das gefaltete Papier öffnete, fing sie an zu lachen. Denn darauf war keine Frau beschrieben, sondern ein Mann mit Bart und Glatze. Das Publikum war mir aber nicht böse. Ganz im Gegenteil: Es sieht dann, dass auch ich nur ein Mensch bin ohne übermenschliche Kräfte. Zudem haben die Österreicher dadurch einen Abend erlebt, den sie so schnell nicht vergessen werden.

Und auf was dürfen wir uns nun am 22. April in Bamberg freuen?
Auf ein zweieinhalbstündiges Programm und auf einen Abend mit viel gute Laune und zahlreichen Überraschungen. Am Ende werden sich viele fragen, wie hat er das nur gemacht, aber ich denke, jeder wird auf seine Kosten kommen. Zudem freue auch ich mich ganz besonders auf die Stadt. Denn ich war schon einmal in Bamberg und hatte sowohl die Stadt als auch die Menschen dort in bester Erinnerung.

Das Interview führte unser Mitarbeiter Harald Rieger