Im Stadtrat fiel die Debatte ersatzlos aus. Widerspruchslos winkten die Fraktionen den Punkt mit den beiden Brücken durch. Zu unausweichlich sind die Sanierungszwänge am Berliner Ring. Die Bamberger Autofahrer und Pendler werden die Auswirkungen des Beschlusses allerdings länger spüren: Die Stadtautobahn wird im nördlichen Teil 2017 abschnittsweise vier Monate nur einspurig befahrbar sein. Behinderungen und Staus sind unausweichlich, denn mit einer Frequenz von über 30 000 Fahrzeugen am Tag ist der Berliner Ring die Hauptschlagader der Stadt.

Verkehrsdichte, die zersetzende Kraft von Streusalz und die drastisch gestiegene Zahl schwerer Laster sind die Gründe, weshalb die aus den 70er Jahren stammenden Spannbetonbrücken landauf landab in die Jahre gekommen sind. Das ist auch am Berliner Ring nicht anders. Bei den turnusmäßigen Brückenprüfungen stellte sich heraus, dass der Zustand der beiden 1972/1973 gebauten Übergänge über die Kronacher Straße und die etwas südlich gelegene Gundelsheimer Straße kein Abwarten mehr zulässt.


Spurrillen und Betonfraß

Die sogenannten Brückennoten 2,8 und 2,9 beschreiben nur unvollständig, was Ingenieurbüros im Auftrag des Entsorgungs- und Baubetriebs der Stadt festgestellt haben: Spurrillen, stark verformte Fahrbahnübergänge, fortgeschrittene Betonalterung und daraus resultierend: mangelnde Dichtigkeit. Fazit: Die beiden Brücken sind zwar noch nicht in ihrer Standsicherheit bedroht, aber auch nicht mehr verkehrssicher. Zudem: Würde die Stadt die Zeichen des Verfalls nicht ernst nehmen, wären die Spannbetonbauwerke wohl schon in wenigen Jahren kaum noch zu retten - mit millionenschweren Folgen.


Stadt muss zahlen

Was bedeutet das für die Bürger Bambergs? Zum einen belastet die Instandhaltung der Infrastruktur die Haushaltskasse in einer Zeit mit vielen zusätzlichen Aufgaben und sinkenden Gewerbesteuereinnahmen erheblich. Die Stadt rechnet mit Kosten von 900 000 Euro für beide Brücken. Schmerzlich: Für das Projekt winken keinerlei Fördermittel. Und: Besonders im Stadtteil Bug wird man es mit Argusaugen beobachten. Hier warten die Bürger schon seit Jahren vergeblich auf den Neubau der halbseitig gesperrten Franz-Fischer-Brücke.

Was Sperrungen auf dem Berliner Ring bedeuten, hat der Austausch der Lichtzeichenanlagen an den großen Kreuzungen des Rings in den vergangenen Jahren vor Augen geführt. Zu den Hauptverkehrszeiten waren Staus nicht zu vermeiden. Dies dürfte von April bis Juli 2017 nicht anders sein, besonders, weil häufig benutzte Abfahrten betroffen sind. So biegen täglich mehrere tausend Boschler auf die Kronacher Straße ab. "Das wird kritisch, das wissen wir, aber die Maßnahme ist alternativlos", sagt Claus Reinhardt vom Baureferat der Stadt.


Bausperre im Sommer

Hört man die Stadtverwaltung, sollte das Projekt ursprünglich in den weniger frequentierten Sommermonaten umgesetzt werden. Doch dazu kommt es nun doch nicht. Grund: Die Regierung von Oberfranken habe eine Bausperre für den Ring verfügt, weil dieser im Sommer als Umleitungsstrecke für die A 70 und A 73 dienen soll.

Auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit wird im Zuge der Sanierung gesenkt. Aus Sicherheitsgründen und "um einen kontinuierlichen Verkehrsfluss zu ermöglichen", gilt auf dem nördlichen Berliner Ring künftig durchgängig Tempo 50. Bisher sind auf Höhe Kronacher Straße noch 70 Stundenkilometer erlaubt.