Der Bedarf an Altenpflegekräften in Bamberg wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Wie eine aktuelle Auswertung der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg zeigt, ist bereits jeder fünfte Beschäftigte in der Altenpflege in Stadt und Landkreis Bamberg 55 Jahre und älter. "In den letzten drei Jahren hat dieser Anteil sichtbar zugenommen", erklärt Matthias Klar, Sprecher der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg. Diese Entwicklung beschränkt sich allerdings nicht auf den Raum Bamberg - das gleiche Bild zeigt sich in Oberfranken und Bayern. Auch hier sind 20 Prozent der Beschäftigten in der Altenpflege älter als 55 Jahre. Zum Vergleich: Der Anteil dieser Altersgruppe über alle Branchen liegt in Stadt und Landkreis Bamberg bei 17,5 Prozent.


Weniger als ein Bewerber

Dabei ist die aktuelle Situation im Bereich Pflege bereits jetzt angespannt: Derzeit komme auf jede freie Stelle rein rechnerisch weniger als ein Bewerber, so Klar. Die aktuell gemeldeten Zahlen zeigten, dass die Arbeitgeber kaum eine Auswahl hätten. Denn die offenen Stellen in Stadt und Landkreis Bamberg liegen gerade mal bei 48, dürften sich aber in Wahrheit bei rund 80 bewegen. "Wenn die Arbeitgeber wenig Aussichten auf Bewerber sehen, dann verzichten sie darauf, freie Stellen zu melden", erklärt Sprecher Klar.

Demgegenüber sind derzeit 43 Arbeitskräfte arbeitslos gemeldet. Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern gestaltet sich demnach schwierig.


Anteil der Älteren nimmt zu

Bei der Stadt Bamberg rechnet man bei der Bedarfsplanung bis 2030 mit einer Zunahme an Pflegebedürftigen von 2096 (Erhebung von 2009) auf 2424. "Während mit einer insgesamt sinkenden Gesamtbevölkerung zu rechnen ist, nimmt gleichzeitig der Anteil der Älteren zu", heißt es im Seniorenpolitischen Gesamtkonzept.
Ebenso ist im Landkreis mit einem erhöhten Bedarf zu rechnen: Die Gruppe der Pflegebedürftigen, die 65 Jahre und älter sind, steigt laut Pflegebedarfsplanung des Modus Institut (Seniorenpolitisches Gesamtkonzept für den Landkreis) bis 2033 kontinuierlich an auf 5123 Personen. Dies entspreche einer Zunahme um gut 64 Prozent gegenüber dem Ausgangswert von 2013.

Ambulant und stationär fehlen somit künftig deutlich mehr Arbeitskräfte im Raum Bamberg. Wie ist diesem Trend entgegenzuwirken? Stefanie Hahn, Seniorenbeauftragte der Stadt, verbindet mit einer geplanten Vereinheitlichung der Ausbildung für die Pflege die Hoffnung, dass der Altenpflegeberuf an Attraktivität gewinnt.

Klaus-Stefan Krieger, Sprecher des Caritasverbands für die Erzdiözese Bamberg, glaubt ebenso, dass eine einheitliche Pflegeausbildung dazu beitragen könnte, die Bezahlung in der Altenpflege, derjenigen in der Krankenpflege anzupassen. Außerdem könnten mit der Reform des Pflegeberufsgesetzes ein Wechsel von einem Bereich in den anderen erleichtert werden. "Wir befürworten deshalb die politische Absicht, die Pflegeausbildung zu vereinfachen", so Krieger. Ein entsprechendes Pflegeberufsreformgesetz ist geplant, derzeit aber noch nicht beschlossen.

Die Diskussion um eine Entschärfung des Problems in Bamberg geht derweil weiter: Wie Seniorenbeauftragte Hahn sagt, soll sich im März erstmals die Arbeitsgruppe "Initiative für Pflegeberufe" bestehend aus Experten von Landkreis und Stadt treffen, um mögliche weitere Maßnahmen zu diskutieren.


Möglichkeit der Weiterbildung Geringqualifizierter

Programm Die Bundesagentur für Arbeit will mit dem Programm "Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Arbeitnehmer in Unternehmen" (WeGebAU) vor allem kleineren und mittleren Unternehmen unter die Arme greifen. Dabei können laut Auskunft der Agentur Betriebe ihre eigenen Mitarbeiter zur Fachkraft fortbilden - beispielsweise im Bereich Altenpflege.

Kostenübernahme Neu ist seit Anfang 2017: Arbeitnehmer in Betrieben mit bis zu neun Beschäftigten können durch volle Übernahme der Weiterbildungskosten gefördert werden, unabhängig vom Lebensalter und unabhängig davon, ob die Schulungszeit in der Arbeitszeit liegt.

Ziel Von der Weiterbildung sollen Arbeitgeber und -nehmer profitieren: Unternehmen können laut Arbeitsagentur ihre Angestellten fördern, Perspektiven für ihr Personal schaffen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Die Arbeitnehmer dagegen könnten durch eine Weiterbildung ihre Chancen auf Beschäftigung verbessern, die Wahrscheinlichkeit steigern, ein höheres Einkommen zu erhalten, und sich besser vor Arbeitslosigkeit schützen.