Die Absage kam ebenso kurzfristig wie überraschend. Das für Sonntag, 19. August, geplante Fest des Haßbergvereins am Veitenstein bei Lußberg mit Öffnung der Höhle wird wegen der nach wie vor akuten Waldbrandgefahr nicht stattfinden. Die Regierung von Unterfranken hat für das Wochenende wegen der anhaltenden Trockenheit Luftbeobachtung angeordnet und die Bevölkerung aufgerufen, in Waldgebieten äußerste Vorsicht walten zu lassen und keinesfalls mit offenem Feuer zu hantieren oder zu rauchen.

Auch für den Veitenstein hat der zuständige Revierförster Manfred Wicklein aus Reckendorf größte Bedenken. Der Förster meint, der leichte Regen in der Nacht zum Donnerstag habe die Situation nicht verändert, da das Wasser nicht in den trockenen Boden eingedrungen sei. Wegen der brenzlichen Lage entschloss sich Roland Wolf, der Vorsitzende des Haßbergvereins, das Veitenstein-Fest abzusagen. Einen neuen Termin stellt er nicht in Aussicht.

Viele Sagen ranken sich um die Felsen und ihre Höhlen nördlich von Bamberg. Geheimnisvolle Bewohner, die "Querkel", wie die kleinen Gesellen hierzulande genannt werden (vom althochdeutschen "Getwerg" für Zwerge), sollen einst ihr Unwesen an Staffelberg und Veitenstein getrieben und Spuren für die Nachwelt hinterlassen haben. Ähnlich wie um den Staffelberg, den 539 Meter hohen Hausberg von Bad Staffelstein in Oberfranken, ranken sich um die ländliche Region zwischen Ebelsbach und Kirchlauter in Unterfranken sagenhafte Geschichten. Den Querkeln vom Veitenstein, einem Felsen an der Grenze zwischen den Landkreisen Bamberg und Haßberge, wurde jetzt ein Denkmal gesetzt.

Eine Sage erzählt, dass die Querkel des Staffelsteins zum Maintal gewandert sein sollen. Vielleicht sind sie in Ebelsbach am Main gelandet und von dort aus hügelan bis nach Lußberg, einem heutigen Ortsteil von Breitbrunn, gekommen. Hier befindet sich eine der höchsten Erhebungen der Haßberge, der Lußberg. Am westlichen Ende des 461 Meter hohen Bergrückens ragt ein markanter Steinfelsen heraus, der Veitenstein. Seine Besonderheit ist eine Höhle, das so genannte "Querkelesloch". Hier erzählen sich die Menschen Geschichten von den geheimnisumwobenen Männlein, die einst ihr Unwesen getrieben haben sollen. Was lag also näher, als die Sage über die Veiten-steinhöhle zur Grundlage einer in Stein gehauenen Chronik zu wählen?

Italienische Bergleute als Zwerge


Aus einer Ausschreibung zur Gestaltung des Denkmals ging die Bildhauerin Steff Bauer aus Schweinfurt als Gewinnerin hervor. In der Höhle des Veitensteins wurden alte Inschriften und Zeichen entdeckt und in ihr sollen einst die Zwerge gelebt haben. Sie hätten Bewohnern von Lußberg die Arbeit abgenommen und diese heimlich nachts verrichtet, heißt es. "Die Legende von den Zwergen der Veitensteinhöhle geht wahrscheinlich darauf zurück, dass im 17. und 18. Jahrhundert italienische Bergleute hier gearbeitet haben", erläutert die Steinbildhauerin, die sich selbst die Höhle angeschaut und Inspirationen geholt hat. Nach Edelmetallen sollen die Männer, die kleiner als die ansässigen Menschen waren, gesucht haben. Auf einem Neubrunner Sandsteinfindling, der die Form des Veitensteins widerspiegelt, hat Bauer die kleinen Gesellen der Vergangenheit nun quasi zum Leben erweckt. Der Klöß-Klauer, die vertauschten Kinder, der Hund aus Rudendorf, der kleine Arbeiter, der Hut-Querkel - alle sind sie am Stein versammelt.

Ein riesiger "Klotz" war der Rohblock mit zwölf Tonnen Gewicht und den Ausmaßen von 2,40 x 1,50 x 1,60 Metern, als die Künstlerin mit der Arbeit begann. Der Rohling war zu groß für die Bearbeitung im Schweinfurter Atelier, weshalb sie auf dem Gelände ihres ehemaligen Ausbildungsbetriebes Koch & Lenhardt in Goßmannsdorf ihre Arbeit am helllichten Tag verrichtete - anders als einst die Querkel und sichtbar für jedermann. Dorfbewohner haben beobachtet, wie Stück für Stück Bewegung in den Stein kam. Dabei traten an einer Stelle, an der die Künstlerin eigentlich den Querkel in Gestalt eines kleinen Bergwerkarbeiters aus dem Stein herausarbeiten wollte, grüne mineralische Einschlüsse zutage. "Diese machen den Charakter eines Steins aus", erläutert Bauer. Aber sie seien nicht geeignet, längs über ein Gesicht zu laufen, denn sie "würden von der Mimik im Gesicht ablenken". Die Maserung gäbe jedoch das perfekte Hundefell ab, dachte sich die Künstlerin und änderte kurzfristig ihr Konzept. Nun schnappt hier ein Hund nach der Wurst, die ein Querkel ihm vor die Nase hält. Und Bauer ist dankbar für künstlerische Freiheiten, die ihr gestattet hätten "das Beste aus dem Stein herauszuholen".

Ehrenplatz in der Dorfmitte


Beim Transport zum endgültigen Standort des künstlerisch nachgebildeten Veitensteins half das Bamberger Natursteinwerk, das auch den Findling aus seinem Steinbruch Neubrunn geliefert hatte. Mit einem großen Autokran wurde der bearbeitete Stein aufgeladen und abtransportiert. Das Abladen vor Ort gestaltete sich als Riesenspektakel, das sich viele Bewohner des kleinen Dorfes am Flüsschen Lauter nicht entgehen ließen. Neben dem Denkmal haben sie in Eigenleistung einen Platz in der Mitte ihres Ortes geschaffen. In der Straße "Im Lautergrund", gleich neben dem renaturierten Bachlauf, der ihnen früher wiederholt Unglück durch Überschwemmungen brachte, lädt eine Sitzgruppe aus Naturstein zum Erinnern ein. Sie bietet auch Wanderern Platz für Brotzeiten. Daneben weist eine Informationstafel auf die Sehenswürdigkeit "Veitenstein-Höhle" hin, die von dort aus in knapp 30 Minuten Fußweg zu erreichen ist.