Blätternder Putz. Schimmel an den Wänden. Dreieinhalb Jahre nach dem Auszug des letzten Gastes in der Jugendherberge Wolfsschlucht macht das Gebäude am Fluss einen verwahrlosten, einen jämmerlichen Eindruck. Doch am Dienstag im Finanzsenat strahlten die Stadträte um die Wette. Der Grund: Bis Ende 2018 soll die marode "Wolfsschlucht" wieder zum Leben erweckt werden.

Eine zweifellos gute Nachricht: Kein neues Hotel, keine Privatisierung, kein Abriss sind hier geplant. Auch in Zukunft werden junge Leute in der Wolfsschlucht wohnen.

"Erlebnispädagogisches Kompetenzzentrum" nennt sich das, was das Don-Bosco-Jugendwerk im Bamberger Hain umsetzen will. Hinter dem sperrigen Fachbegriff verbirgt sich ein Haus, in dem bis zu elf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, aber auch ebenso viele deutsche Jugendliche aus zerrütteten Familien unter einem Dach betreut werden.


Glückliche Wendung

Der Grund für die Freude im Finanzsenat hat auch mit Zahlen zu tun, die Finanzreferent Bertram Felix im Rathaus präsentierte: 481 000 Euro! So viel oder besser so wenig beträgt der Eigenanteil der Stadt für Sanierung und Neuausstattung des Hauses. Gemessen an den Gesamtkosten von vier Millionen ist das nicht viel. Knapp ein Zehntel.

Zu verdanken hat die Stadt die glückliche Wendung in einem lange Zeit hoffnungslos scheinenden Fall vor allem dem Einsatz und der Hartnäckigkeit von Norbert Tscherner. Der Bürger-Block-Stadtrat kämpfte zu einem Zeitpunkt für eine gemeinnützige Zukunft der ehemaligen Herberge, als viele sie schon verloren gegeben hatten. Knapp 7800 Unterschriften sammelten er und seine Mitstreiter für den Erhalt als Jugendstätte, während die Wolfsschlucht bereits als Flüchtlingsunterkunft diente. Gedankenspiele, die sich ebenso schnell wieder zerschlugen, wie sie kamen, gab es viele: So wollte OB Andreas Starke (SPD) zeitweise ein Kulturzentrum errichten, doch es waren auch ein Hotel , Gästehaus und der Verkauf im Gespräch; ja sogar über den Abbruch wurde hinter vorgehaltener Hand diskutiert.

Nicht umsetzen ließen sich auch die Pläne, in der Nordlage am Fluss eine neue Jugendherberge oder ein Schullandheim zu etablieren. Letztere Idee war der Liebling der Freien Wähler und spätestens dann zum Scheitern verurteilt, als die Kostenberechnung für den Umbau vorlagen. Sechs Millionen hätten Sanierung und statische Ertüchtigung für rund 80 Betten kosten sollen - ohne Hangsicherung. Zum Politikum wurde die Tatsache, dass allein die Kostenberechnung mehrerer Varianten 400 000 Euro verschlang - für den Kämmerer Bertram Felix damals "gut angelegtes Geld", weil sich nur so ein Millionengrab habe vermeiden lassen.


Ein Fördertopf des Bundes

Jetzt also der Umbau in ein deutlich kleineres Haus mit zwei Wohngruppen für vier Millionen Euro. Lob erntete von den Stadträten Felix für seine Fähigkeit, öffentliche Fördertöpfe anzuzapfen. In diesem Fall ist es ein Bundesprogramm für die "Sanierung kommunaler Einrichtungen", das Bamberg den Millionensegen beschert. "Das ganze Projekt funktioniert nur mit diesem Geld", brachte Stadtrat Wolfgang Grader (GAL) die Lage auf den Punkt.

Ein wenig Wasser in den Wein goss nur Dieter Weinsheimer. "Die relative isolierte Lage des Hauses ist nur bedingt geeignet für das erlebnispädagogische Konzept" - eine Aussage, die nicht unwidersprochen blieb.