Die Zuschauer waren hingerissen: Tosender Applaus, Standing Ovations für den Chor und das Orchester der römischen Diözese des Papstes. Rhythmisches Klatschen brachte zuletzt noch das erhoffte Ergebnis: die Zugabe. Kapellmeister Monsignore Marco Frisina erhob den Taktstock - und noch einmal ertönte sein größter Welthit "Jesus Christ, you are my life". Der studierte Musiker und Priester hatte diesen Song auf Wunsch des damaligen Papstes Johannes Paul II. für den Weltjugendtag 2000 in Rom komponiert und getextet. "Ich freue mich, dass dieses Lied auch in Ihrem Gotteslob ist!" rief der Monsignore den Konzertbesuchern zu.

Einziges Konzert in Deutschland

Dem Künstlermanager Joseph Thomann aus Burgebrach war es als Veranstalter gelungen, die römischen Gäste nach Bamberg zu holen. Hier gaben sie nun ihr einziges Konzert in Deutschland im Jahr 2015. Ohnehin verlassen sie für Auftritte nur selten Rom, sondern begleiten die Messen im Vatikan und in der Kirche des Papstes.

Erzbischof Ludwig Schick, Weihbischof Herwig Gössl, viele Priester und Ordensfrauen ließen sich diesen musikalischen Hochgenuss nicht entgehen. "Die Musik hat eine hohe Qualität", lobte etwa Regina Pröls, die Generaloberin der St. Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen, die dank geschenkter Eintrittskarten mit zwei Mitschwestern an dem Ereignis teilhaben konnte. "Das ist Kultur pur - ein Traum!" schwärmte eine Bambergerin in der Pause des fast dreistündigen Konzertes. Eine andere bestätigte: "Das ist musikalisch sehr in Ordnung!" Aber "das Gequatsche passt nicht rein, der macht die Stimmung kaputt". Wer auch befragt wurde, kam zum gleichen Ergebnis: "Die Musik berührt, der Moderator nervt", lassen sich die Bewertungen zusammenfassen.

Spirituelles Zentrum

Tatsächlich boten Chor und Orchester, besonders auch die stimmgewaltigen Solosänger und -sängerinnen wohltemperierte Musik, die zu Herzen ging. Oratorien, die Monsignore Frisina für die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. geschrieben hatte, aber auch das "Ave Maria" von Bach/Gounod. Es waren Weisen wie das "Magnificat", "Misericordia" oder "Paradiso", die geradezu in Gebetsstimmung versetzten. Der Joseph-Keilberth-Saal als spirituelles Zentrum eines lauen Sommerabends in Bamberg: Es fehlten eigentlich nur noch Weihrauch, Kerzen und Glockengeläut.

Bekannte Anekdoten

Doch die geistliche Sammlung wurde immer wieder jäh unterbrochen, wenn der als Vatikan-Experte angepriesene Journalist und Buchautor Andreas Englisch auf die Bühne stürmte. Seine Aufgabe sollte die Moderation sein. Aber anstatt etwas über den nunmehr 30-jährigen Chor und das Orchester, über die Musikstücke, die Solisten oder über das kompositorische Schaffen von Monsignore Marco Frisina zu erzählen, beglückte er die große Schar Zuhörer mit sattsam bekannten Anekdoten aus dem Leben von Papst Franziskus. Oder aus seiner eigenen Vita. Immerhin erfuhr der geneigte Lauscher, dass Andreas Englisch in seinen römischen Jahren eine wundersame Wandlung vom kirchenfernen Sportjournalisten zum gläubigen Papstkenner vollzogen hat. Deo gratias!

Die beste Aktion des Moderators bestand zugegebenermaßen darin, kurz vor Schluss den Erzbischof auf die Bühne geholt zu haben. Ludwig Schick wandte sich direkt an die etwa hundert Musiker, dankte ihnen in fließendem Italienisch für diesen wunderbaren Abend. Der begeisterte Applaus des Publikums war ihm sicher, als er Monsignore Frisina und seine Crew erneut nach Bamberg einlud. Mille, mille grazie!