Keiner hat's geahnt: Das Schlenkerla ist nicht erst ab dem ersten Stockwerk ein historisches Fachwerkgebäude ersten Ranges. Nein: Die hölzernen, mit Ziegelsteinen ausgemauerten Gefache reichen bis auf das Straßenniveau.

Brauereibesitzer Matthias Trum hatte im Juli 2013 nur ein wenig feuchten Putz an der unteren Fassade entfernen und erneuern lassen wollen. Als die Bauarbeiter den Putz abgeklopft hatten, kam Überraschendes zu Tage: Das Fachwerk reicht bis zum Straßenniveau - und es stellte sich heraus, dass der unten liegende Querbalken stark angegriffen war.

Haupteingang verlegt

Wie Trum erläutert, kann man an den Ausmauerungen und fehlenden Holzstücken erkennen, dass an dieser Stelle mehrfach Ausbesserungen erfolgt sind. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass sich der Eingang früher an anderer Stelle befunden haben muss: dort, wo heute das rechte Fenster ist. An Stelle des jetzigen Eingangs befanden sich wahrscheinlich zwei weitere Fenster, so dass das Erdgeschoss symmetrisch war: ein Hauptgang in der Mitte mit gleich großen Räumen rechts und links davon. Diese Symmetrie wurde später offenbar aufgehoben, um das Lokal zu vergrößern.

Stockwerke eingezogen

Zurück in die Gegenwart: Um die Stabilität der Fassade und der oberen Fenster zu erhalten, konnten der Austausch des maroden Balkens und die Ausmauerung nur in Teilschritten erfolgen. Dazu musste die gesamte Front mit einer Winde angehoben werden, damit unten der alte Balken Stück für Stück durch einen neuen Eichenträger ersetzt werden konnte.

Trum hat sich von den Fachleuten unterrichten lassen, dass die Methode des Anhebens keineswegs ungewöhnlich ist. Auch früher haben Zimmerleute komplette Häuser hochgezogen, um nachträglich Stockwerke einzufügen - Fachwerk-Konstruktionen machen vieles möglich. Im Schlenkerla scheint das auch so gemacht worden zu sein, denn die Deckenbalken im ersten und zweiten Stock laufen in unterschiedliche Richtungen.
Jetzt soll die Baugeschichte erforscht werden. Voruntersuchung lassen laut Trum vermuten, dass das ursprünglich kleinere einstöckige Fachwerkhaus im 17. Jahrhundert ein weiteres Stockwerk und einen Rückanbau erhalten hat. Aus der gleichen Zeit stammt vermutlich das Schmuckfachwerk. Wie bei vielen Bamberger Fachwerkhäusern war die Front lange Zeit verputzt, wie man auf alten Fotos sehen kann. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Fachwerke wieder freigelegt.