Gedämpftes Licht, Kühle, Stille, funkelnder Bildschmuck: "Für mich ist das alles so ergreifend, diese Atmosphäre in dem schönen Raum und die gut erhaltenen Bücher", sagt Rita Hellmuth. Die Kirchehrenbacherin hat gezielt die Ausstellung "Schatz für die Ewigkeit" in der Staatsbibliothek Bamberg aufgesucht. Die Buchkunstwerke von Weltrang, Stiftungen Kaiser Heinrichs II. für seinen Dom, umgibt eine geheimnisvolle Aura, die die Besucher in ihren Bann zieht. "Ich habe lange nichts Vergleichbares gesehen, einfach wunderbar!", sagt Rita Hellmuth. Obwohl sie eine Dauerkarte für die Landesgartenschau hat, besucht sie heute nicht die Erba-Insel. Kunst und Kultur sind angesagt. So wandert sie weiter ins Diözesanmuseum, wo die Sonderausstellung zum Jubiläum 1000 Jahre Bamberger Dom auf sie wartet.

Der Direktor der Staatsbibliothek, Werner Taegert, spricht von einer "überwältigenden Resonanz" auf die Bücherschau. Zwar würden "alte Bücher nicht die Massen anziehen". Doch sie erlaubten eine "intime Begegnung" mit einer Auslese biblischer und liturgischer Handschriften aus dem ersten Viertel des 11. Jahrhunderts.
Die Einträge im Gästebuch sprechen für sich: "Staunen und dabei demütig werden, ein wertvolles Zeugnis von Glauben und Kunst", hat jemand geschrieben. Oder ein anderer: "Privilegiert, so etwas sehen zu dürfen."
Auch ein promovierter Historiker aus Bremen - er nennt sich Leszek Krumpidowski - hat extra wegen der Ausstellungen auf dem Domberg einen Abstecher von Würzburg nach Bamberg gemacht: "Die beiden Präsentationen verknüpft man doch", meint der Experte für mittelalterliche Geschichte.

Über 16.000 Besucher


Der Bamberger Touristik-Chef Andreas Christel bestätigt den Eindruck: "Das Thema Ausstellungen zieht immer, besonders heuer gibt es einen erheblichen Zuspruch in diesem Segment." Das zeige allein schon die "deutlich gestiegene Nachfrage nach der Bamberg-Card", die für den "Schnäppchen-Preis von 12 Euro" den Eintritt in sieben Museen in Stadt und Landkreis beinhalte.

Die Stadtgalerie Villa Dessauer ist zwar nicht inbegriffen. Dennoch lockt die derzeitige Präsentation "12 Kunsträume - von Picasso zu Beuys" Besucher wie selten zuvor. Über 16.000 Kunstbeflissene waren es bis Mai, die die 200 Werke weltbekannter Künstler wie Miró, Dalí, Vasarely, Chagall, Warhol, Hundertwasser oder Christo aus der Sammlung des Bamberger Kunsthändlers Richard Mayer bewunderten. Gerade an diesem Wochenende erlebte die Villa Dessauer einen Ansturm, da sich nicht überall herumgesprochen hatte, dass diese hochkarätige Kunstschau bis zum 8. Juli verlängert wurde.

Die Landesgartenschau links liegen lässt auch Philipp Eysel aus Blankenburg im Harz. Die Michaelskirche, Klein Venedig, das Alte Rathaus und natürlich der Domberg stehen auf seinem Bamberg-Programm. Mit großen Augen steht Eysel vor der Heinrichskrone, einem Highlight der Ausstellung im Diözesanmuseum. "Die Krone sieht toll aus, da kann ich mir gut das Original vorstellen und die Leistung, die hinter der Replik steckt", erklärt der Jurist.

Dem Ehepaar Rolf und Martina Wachowiak aus Wilhelmshaven haben es vor allem die Exponate angetan, die sich mit der Kathedrale direkt beschäftigen: "Ich bekomme richtige Gänsehaut: 1000 Jahre Dom und wir sind nur ein Staubkorn in der Geschichte", flüstert Martina Wachowiak. Das Ehepaar verbringt einige Urlaubstage in Gößweinstein: "Wir wollten aber nicht nur Natur und wandern, sondern auch etwas Kulturelles sehen", begründen sie ihren Ausflug nach Bamberg.

Seit Eröffnung der Sonderausstellung "Dem Himmel entgegen" am 4. Mai haben rund 8000 Besucher ins Diözesanmuseum hineingeschaut. Einträge in mehreren Sprachen im Gästebuch belegen, wie beeindruckt das internationale Publikum ist. Eine junge Deutsche schrieb zum Beispiel: "Obwohl ich Ausstellungen sonst total doof finde, find' ich diese total interessant, vor allem die Klamotten finde ich super!" Mit "Klamotten" meinte die Schreiberin wohl die Kaisermäntel und Papstornat...