Ob Modellbahner, Schienenfahrzeugsammler, Kinder oder neugierige Erwachsene: Im Firmenmuseum der Deutschen Bahn - unweit des Nürnberger Hauptbahnhofs - erfüllen sich Erwartungen bahnbegeisterter Besucher aller Altersstufen. Im letzten Jahr waren es immerhin mehr als 200 000 Gäste vom Vorschulalter bis zur Großelterngeneration. Außergewöhnlich erfolgreich trägt das Kibala (Kinder-Bahnland) mit Informations- und Spielmöglichkeiten für die Jüngsten zu dieser Bilanz bei. Den 20. Jahrestag der DB-Gründung nahmen vor Jahresfrist Vorstandsvorsitzender Rüdiger Grube und Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) zum Anlass, die mit dem letzten Teilbereich "Weichenstellung für die Zukunft" vollendete Dauerausstellung "Geschichte der Eisenbahn in Deutschland" ihrer Bestimmung zu übergeben.

Seit einigen Tagen bietet die von der Deutsche-Bahn-Stiftung betriebene Einrichtung einen weiteren attraktiven Anziehungspunkt: das Modellarium, bestückt mit Modellen von Lokomotiven, Wagen oder Sonderfahrzeugen, die jahrelang in klimatisierten Lagerräumen ihr Dasein fristeten. "Auf rund 450 Quadratmetern Fläche sind über 1500 Fahrzeugmodelle aus verschiedenen Epochen als spannende Reise durch Phantasie und Wirklichkeit präsentiert", erklärt Museumsdirektorin Russalka Nikolov nicht ohne Stolz.

Zwischen vier Gramm und einer Tonne

Das in 13 Themenbereiche gegliederte Spektrum der Modelle reicht von Originalgröße über die in heimischen Wohnzimmern gängigen Modellbahn-Spurweiten HO, N oder Z bis zur "Eisenbahn im Koffer", die im Vergleich zum Original auf DB-Gleisen 700-fach verkleinert ist. Entsprechend ihrem Maßstab bringen die Exponate zwischen vier Gramm und einer Tonne auf die Waage, darunter das 1:5-Modell der 23 105, der letzten an die Deutsche Bundesbahn ausgelieferten Dampflo-komotive. Gemeinsam ist allen Ausstellungsstücken die Verbindung zur echten Eisenbahn von gestern, heute und als Designstudie von morgen.

Gliedern lässt sich die Präsentation in drei Teile. Zunächst sind da die zwischen 1880 und 1985 (letzter Zugang anlässlich des 150. Eisenbahnjubiläums) überwiegend in Bahnwerkstätten und meistens im Rahmen der Lehrlingsausbildung originalgetreu geschaffenen legendären 1:10-Modelle, die inzwischen Kultstatus genießen. Die ersten Exemplare aus der Königlich Bayerischen Staatsbahnzeit (um die andere museale Einrichtungen "die Nürnberger" beneiden) gaben einst den Ausschlag zur Gründung des heutigen DB-Museums. "Das Ziel bestand darin, ein übersichtliches Bild der Entwicklung des Fahrmaterials zu schaffen", heißt es im Katalog der schon 1896 in Nürnberg organisierten Landesausstellung. Von 280 vorhandenen Exponaten fanden 63 einen Platz im Modellarium, darunter die Mitte des letzten Jahrhunderts in zehn Exemplaren beschafften und bis zur Fahrt aufs Abstellgleis nur vom Betriebswerk Bamberg aus eingesetzten weinroten Diesellokomotiven der legendären Baureihe V 80 oder die als "Mädchen für Alles" vor Personen- und Güterzügen gleichermaßen bewährten Elektroloks der Baureihe E 44. Die E 44 119 wird als nicht mehr betriebsfähiges Exemplar in der Muse-ums-Außenstelle Lichtenfels von einer BSW-Gruppe betreut.

Die zweite Säule des Modellariums bilden die bis 1989 im Auftrag des ehemaligen Bundesbahn-Werbeamtes im Maßstab 1:20 entstandenen Fahrzeugmodelle. Sie sollten potentiellen Bahnkunden bei Verkaufsverhandlungen das vielgestaltige Leistungsspektrum des Schienenverkehrs demonstrieren. Von 300 vorhandenen Stücken können Museumsbesucher allerdings lediglich 46 hinter Glas bewundern.
Und dann ist da noch die "Spur N-Sammlung" des emeritierten Würzburger Pharmazie-Professors Siegmund Ebel. 2003 vermachte er seine auf über 10 000 Exemplare angewachsene Sammlung dem DB-Museum; genau 1822 Modelle (keines davon ist zweimal vorhanden!) fanden in der Großvitrine ihren Platz mit dem Mittelpunkt eines aus Fahrzeugen nachgebildeten "N".

Loks sind drehbar gelagert

Für die Besucher bildet das Model larium aber nicht einfach eine Ausstellung schöner Eisenbahnmodelle. Die von Bereichsleiter Reiner Mertens und Sammlungsleiter Stefan Ebenfeld angeführten "Ausstellungsmacher" haben sich seit der Planungsphase ebenso mit Herstellungstechniken und Funktionsmöglichkeiten beschäftigt und dabei handgefertigte Meisterwerke des 19. Jahrhunderts ebenso wie die industrielle Modellbahnproduktion (u. a. Fleischmann und Trix in Nürnberg) unter die Lupe genommen und Dokumentarfilme ebenso wie virtuelle Modellstudien, die in der heutigen Fahrzeugkonstruktion und Designgestaltung unverzichtbar geworden sind, gesichtet. Die seit 1961 bestehende (halbstündlicher Betrieb) Modellbahnanlage wurde gestalterisch in das Modellarium einbezogen. Mehrere Lokmodelle sind zur Begutachtung von Fahrgestell und Unterseite drehbar gelagert. Als Meisterstück im wahrsten Sinn des Wortes gilt die Darstellung einer "Lokremise" mit einer in ihre Einzelteile zerlegten, grünschwarz lackierten Dampflokomotive der früheren Staatsbahn.
In der Spielecke "begreifen" die Jüngsten Einstiegsmodelle oder eine über Funk selbst ferngesteuerte ICE-Garnitur, um Gedanken nach einer eigenen Anlage (z.B. auf dem Geburtstags- oder Weihnachtswunschzettel) reifen zu lassen. Auf Knopfdruck können Besucher eine Paternostervitrine in Bewegung setzen, um ein am Display ausgewähltes der 1:10-Modelle wie von Geisterhand heranfahren zu lassen. PC-Anwendungen kommen mit Hintergrundinformationen über ausgestellte Modelle zur Anwendung.
Aber auch ganze Bahnbetriebsszenen sind maßstabgerecht nachgestellt, beispielsweise der in früheren Jahren auch in der Domstadt "allnächtliche" Hochbetrieb. Dokumentiert ist die auf taghell erleuchteten Extrabahnsteigen unter erheblichem Personaleinsatz nicht wegzudenkende Stückgutsortierung mit Verladung von Kisten, Kartons, Koffern, Ballen und Rollcontainern. Oder die eindrucksvoll vergleichende Verhältnissdokumentation eines 1920 verkehrenden 100 Meter langen Lokalbahnzugs über heutige Nahverkehrsgarnitur bis zum 800-Meter-Güterzug hinter der leistungsstarken Elektrolokomotive.




Zur Info


Das DB-Museum Nürnberg befindet sich in der Lessingstraße 6. Es ist dienstags bis freitags jeweils von 9 bis 17 Uhr, an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Montags ist geschlossen.