April 1945. Der Kriegsirrsinn bewegt sich auf ein absehbareres Ende zu. Noch immer wird gekämpft. Auch auf dem flachen Land. Im kleinen Ampferbach zum Beispiel. Plötzlich scheint das unscheinbare Örtchen kriegsbedeutend zu sein: Wichtig aufgrund seiner vermeintlich noch strategisch-geografisch bedeutsamen Lage - genau zwischen Burgebrach, Lisberg, Schönbrunn und an der Einfallstrecke nach Gerolzhofen. "Die Sturmglocken läuteten den Angriff und Einmarsch der amerikanischen Truppen ein", schreibt Hermann Dorn in seiner Dokumentation zu jenem verhängnisvollen 13. April vor 70 Jahren.



Da war der heute 90-Jährige freilich als Soldat und viele hundert Kilometer weit weg im Einsatz. Zwei Jahre später kehrt der mit 17-Jahren eingezogene Sondereinheiten-Soldat in seine Heimat zurück und wundert sich über mit Holz gedeckte Dächer und fehlende Gebäude - die Folge des 13. Aprils 1945.

Hermann Dorn ist einer, der alles genau wissen will. Also fragt er nach, spricht mit Zeitzeugen, macht sich Notizen. Viele Jahre später kann die sein Schwiegersohn Georg Bogensperger, lange Jahre Berichterstatter für den FT, Bürgermeister und nun Burgebrachs Altbürgermeister, für Zeitungsartikel zum Jahrestag des 13. April verwenden.

Bereits Tage vor diesem prägnanten Apriltag 1945, so fand Dorn heraus, hatte der Volkssturm an den Ortseingängen Panzersperren aufgestellt, Schützenlöcher gegraben, um sich so auf einen feindlichen Angriff einzustellen. Im Ort, so Dorns Aufzeichnungen weiter, hatten sich seinerzeit auch viele Kriegsgefangene befunden, zudem Angehörige der Waffen-SS und der Wehrmacht. Nachdem Ampferbach bereits in der Nacht beschossen worden war, rollte die zweite Angriffswelle um 12.30 Uhr, was die Sturmglocken ankündigten. Deutsche Soldaten leisteten den Amerikanern Widerstand. Die Zivil-Bevölkerung suchte Schutz in den Felsenkellern, die tief in den Boden gegraben waren.

Wohnhäuser brannten
Als Folge des Fliegerangriffs brannten drei Wohnhäuser samt Nebengebäuden völlig nieder. Zudem gingen neun Scheunen und Ställe in Flammen auf. Durch einen Granateneinschlag wurde die Brauerei teilweise zerstört. Tief in Dorns Gedächtnis hat sich auch die Überlieferung eingegraben, wonach aus einem brennenden Stall zwar fünf Pferde getrieben werden konnten. Doch denen wurde dann die Schnur zum Verhängnis, die bei der Panzersperre zum Auslöser führte und vier Rösser zerfetzte.

Beim Einschlag einer Granate an einem Kellereingang wurden drei Menschen durch Splitter getroffen, zwei Soldaten beim Kampf im Ort getötet. Auch eine Frau aus Dietendorf kam ums Leben: Sie wurde von einem deutschen Panzer überfahren.

"Noch Schlimmeres" konnte in Ampferbach dadurch vermieden werden, so hat Hermann Dorn weiter herausgefunden, weil der Dietendorfer Johann Pflaum den Amerikanern mit einer weißen Flagge entgegenlief. Als die Amerikaner schließlich um 16.30 in Ampferbach einmarschierten, befanden sich die meisten Bewohner noch in den Bierkellern oder in Dietendorf. Die dann beginnenden Löscharbeiten fanden unter erschwerten Bedingungen statt: Unter anderem rollten immer wieder Panzer über die Feuerwehrschläuche. Nach einem Funkspruch der Amerikaner wurden die Kampfhandlungen dann endgültig eingestellt. "Für die Einwohner von Ampferbach war damit der Zweite Weltkrieg zu Ende", schreibt Dorn.

Es gibt kaum mehr jemanden, der diesen 13. April vor 70 Jahren in Ampferbach erlebt hat. Deswegen hält Dorn es für umso wichtiger, dass alles schriftlich fixiert ist und so der Nachwelt erhalten bleibt.

In Spezialeinheiten
Während des Krieges war der Landwirtssohn in verschiedenen Spezialeinheiten und in bald ganz Europa im Einsatz. Unter anderem als Funker und Wetterbeobachter. Wohl wegen letzterem hat er noch jahrelang jeden Tag akribisch das Wetter in seinem Heimatort aufgeschrieben. Überdies trug er alle möglichen Dokumente über lokale Geschehnisse und solche, die seine Familie betrafen zusammen. Die hat der rüstige Rentner in insgesamt 25 Kalenderbüchern verewigt. Nur eine 100-Mark-Note aus dem Jahr 1910 flattert noch lose zwischen den Seiten. "Die ist noch vor dem Ersten Weltkrieg gedruckt worden." Stichwort Krieg: Im Gedenken an Kameraden hat Herman Dorn unter anderem den örtlichen Kriegerverein wiedergegründet und die Errichtung des Kriegerehrenmals mit vorangetrieben. In Italien ist Dorns einziger Bruder (er hatte noch sechs Schwestern) gefallen und begraben. Auch dazu hat der umtriebige Chronist Dokumente in seine Tagebücher geklebt.