Eine offene Rechnung: Ende vergangenen Jahres hat Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) eine Erklärung unterzeichnet, wonach die bayerische Staatsregierung "alles in ihrer Macht stehende" tun will, damit in Bamberg ein digitales Gründerzentrum eingerichtet wird. Allerdings: Manchmal ist auch die Macht des Freistaats begrenzt. Deshalb ist wenige Wochen vor der Abgabe der Bamberger Bewerbung eine wichtige Frage immer noch ungeklärt. Wo eigentlich soll das mit zehn Millionen Euro geförderte digitale Gründerzentrum errichtet werden?

Doch es gibt gute Nachrichten. Sie könnten die in eine Sackgasse geratenen Konversionspläne beflügeln. Im Rathaus war schon vor Tagen von "vorsichtigen Signalen" die Rede. Anzeichen, dass sich die Bundespolizei bewegt. Nun ist es offiziell. Thorsten Grützner von der Zentrale der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn teilt auf unsere Frage mit, dass die Bundespolizei auf die Nutzung des Gebäudes des ehemaligen US-Hauptquartiers in der Lagardekaserne verzichten kann. Grund: Die IT-Infrastruktur für die Polizei lässt sich, wie
von der Stadt erhofft, auch östlich des Berliner Rings darstellen.

Für Bambergs OB Andreas Starke (SPD), der von sich sagt, bei der Lagardekaserne um jeden Quadratmeter und jedes Gebäude zu kämpfen", ist das "eine sehr gute Nachricht": Dadurch erscheint es möglich, dass die Stadt ihre Pläne für die Entwicklung des gründerzeitlichen Kasernenteils doch noch voranbringt - ohne ausgerechnet auf dessen Herz verzichten zu müssen, das in diesem Fall auch eine Sperrwirkung entfalten würde.

Starke nennt Überlegungen, dass das ehemalige Hauptquartier Mittelpunkt eines Stadtteils für IT-Unternehmen und Firmen aus der Gesundheitswirtschaft sein soll. Außerdem sollen die drei großen Freiflächen für die Schaffung zusätzlichen Wohnraums genutzt werden. "Damit sind zwei Drittel der Lagardekaserne für die Stadt erreichbar. Das ist immer noch das Doppelte der Erba-Insel."

Freilich: Der Bund verzichtet zwar auf das Herzstück der Lagardekaserne. Er nennt aber keinen Zeitpunkt, wann die Stadt tatsächlich Eigentümerin werden könnte. Noch Anfang 2016 glaubte sie ja, die gesamte Kaserne kaufen zu können.

Auf unsere Frage antwortet Thorsten Grützner wenig präzise: Nach dem Abschluss der Planungen für die Ausbauphasen 2 und 3 könne über den Erwerb dieser Flächen verhandelt werden. Wann diese Planungen abgeschlossen seien werden, sei derzeit noch nicht absehbar.

Dazu muss man wissen, dass der Ausbau der Bundespolizei in drei Etappen erfolgt: Nach dem Aufbau ab Herbst 2016 mit 700 Polizeianwärtern wird 2019 die Hochphase mit 2200 Anwärtern erreicht. Phase 3 ist der Regelbetrieb mit rund 1000 Polizeischülern ab 2020.

Hinter diesen Zahlen stecken gewaltige Veränderungen: So muss die Bundespolizei bis September 24 (!) Unterkunfts-, fünf bis sechs Verwaltungs-, zwei Schulungs, mehrere Versorgungsgebäude und eine Sportstätte in Schuss bringen. Zusätzlich geht es darum, den Schießplatz zu aktivieren.

Die politische Einordnung fällt unterschiedlich aus: Während die Stadtspitze von einem Erfolg spricht, beschreibt Dieter Weinsheimer (FW) die Verbesserungen als eher marginal. Sein Gesamturteil fällt wenig euphorisch aus. Noch vor kurzem habe man ganz andere Wunschvorstellungen gehabt. Geblieben sind, sagt Weinsheimer, die Opfer, die Bamberg gebracht habe. Damit meint er vor allem die Einrichtung des Balkanzentrums.

Auch die Grünen hoffen, dass die Bundespolizei noch mehr Gelände an Bamberg abtritt und fordern dies auch in einer Onlinepetition. Freilich: Grund für Vorwürfe ans Rathaus sieht Peter Gack nicht: "Die Stadt wurde überrollt."