Mitte November verließ der Antrag das Bamberger Rathaus, am Donnerstag ging dort die gute Nachricht ein: Bamberg bekommt aus einem neuen Investitionsprogramm des Bundes 3,6 Millionen Euro.

Mit dem Geld soll aus der ehemaligen Jugendherberge "Wolfsschlucht" eine in ihrer Art neuartige Jugendhilfeeinrichtung werden: ein erlebnispädagogisches Kompetenzzentrum. Betrieben wird es aller Voraussicht nach vom Don-Bosco-Jugendwerk Bamberg.

Das Konzept sieht vor, dort Jugendliche - einheimische wie Flüchtlinge - fit für ein eigenständiges Leben zu machen. Starke äußerte sich gestern erfreut über die Förderzusage aus Berlin. Er geht davon aus, dass die sanierte "Wolfsschlucht" eine Angebotslücke für ganz Oberfranken schließen wird.

Verwirklicht werden muss das Vorhaben bis spätestens 2018. Das ist eine der Voraussetzungen für die Förderung aus dem Topf, der den Namen "Konjunkturpaket für die energetische Sanierung für Sport- und Kulturstätten" trägt.

Überbringer der aus städtischer Sicht guten Nachricht war am Donnerstag der Bamberg-Forchheimer Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz (SPD). Er und Florian Pronold, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bau und Umwelt sowie Vorsitzender der bayerischen SPD, hätten sich sehr für das Vorhaben eingesetzt, ließ Schwarz wissen.

Die Mittelzusage sei angesichts der Herausforderungen durch die hohe Zahl an Flüchtlingen und "der beeindruckenden Verantwortung, die die Stadt Bamberg bei der Integration der Flüchtlinge bereitwillig übernimmt" ein "tolles Zeichen" der Anerkennung für die geleistete Arbeit.

Dass der Bamberger Antrag in Berlin bewilligt wurde, sei auch der Fürsprache der bayerischen Staatsregierung zu verdanken, sagt Andreas Starke. Bamberg fahre jetzt "die Ernte" für die Bereitschaft ein, die Aufnahme- und Rückführungs-Einrichtung (Are) auf dem Konversionsgelände zu schaffen.

Der Freistaat Bayern hatte der Kommune im Gegenzug seine Unterstützung bei der Verwirklichung mehrerer Vorhaben zugesichert. Eines davon war die Bamberger Bewerbung um das erlebnispädagogische Kompetenzzentrum in der ehemaligen Jugendherberge. Bayern habe Wort gehalten und dieses Projekt bevorzugt nach Berlin empfohlen.


In den Startlöchern

Wie die Jugendhilfeeinrichtung in der alten "JuHe" genau arbeiten wird, steht noch nicht fest. Man stehe "in den Startlöchern für die Projektierung", so Starke gestern. Wenn es nach der Stadt geht, soll das Don-Bosco-Jugendwerk der Träger werden. Gesamtleiter Emil Hartmann hat im November sein Interesse bekundet. Konkreter wollte er die Sache mit der Stadt erst besprechen, wenn klar ist, dass es auch realisiert werden kann. Das ist nun der Fall.

Die "Wolfsschlucht" befindet sich - für jedermann sichtbar - , in einem bemitleidenswerten Zustand: Das seit mehreren Jahren ungenutzte Haus verfällt zusehends, Putz löst sich inzwischen großflächig von der Fassade. Die Mittelzusage aus Berlin scheint gerade zur rechten Zeit zu kommen, um die Sanierung in Angriff nehmen zu können.

Zwei Zielgruppen haben die Stadt Bamberg und das Don-Bosco-Jugendwerk als der voraussichtliche Betreiber im Blick: unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und "motivierte" Jugendliche aus der Region im Alter von 15 bis 18 Jahren. Letztere sind in den Augen von Hartmann auch eine Art Flüchtlinge, indem sie von zu Hause weg gehen müssen, um schwierigen Verhältnissen zu entkommen und um bessere Startbedingungen für ein selbstbestimmtes Leben zu erhalten.

Wenn dieses Kompetenzzentrum kommt, dann ist das nicht zuletzt dem Bürgerblock-Stadtrat Norbert Tscherner zu verdanken. Er hatte im Jahr 2013 in der Bevölkerung 7500 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt, das den Erhalt der "Wolfsschlucht" als ein der Jugend gewidmetes Haus vorsah. Die Stadt gab nach und sicherte zu, das Haus am Leinritt bei Bug dauerhaft als Jugendeinrichtung zu betreiben.