So schön und so schön ruhig er auch ist, der Lesesaal der Staatsbibliothek: Dem Ansturm anlässlich der Ausstellungseröffnung konnte er nicht gewachsen sein, und so hatte Hausherr Werner Taegert in den Kaisersaal geladen. Übrigens unter den Augen von Heinrich II. himself, der, auf die Saalwand gebannt, die Gästeschar am Eingangsportal willkommen hieß.

Mit Heinrichs Buchstiftungen für seinen Dom kann sich Bamberg der einzigen am Ort ihres Ursprungs erhaltenen kaiserlichen Handschriftensammlung des Hochmittelalters rühmen. Dieser Bücherfundus bleibe Bibliotheksdirektor Taegert zufolge ein "Schatz für die Ewigkeit, der dem Kaiser das von ihm ersehnte Andenken sichern sollte - und auch in Zukunft sichern wird". Tausend mittelalterliche Handschriften werden am Domplatz gehütet, darunter 165 aus der Zeit vor 1025, die durch Heinrich gestiftet worden sind.

Zum Domweihejubiläum hat man die "Kaiser-Heinrich-Bibliothek" zeitgemäß erschlossen. Weltweit sind nun die Schätze im Netz kostenfrei einsehbar. In der Ausstellung selbst werden Handschriften von Weltrang aufgeboten, Codices, die in Zentren klösterlicher Buchherstellung wie Reims und Würzburg geschaffen wurden. Mit "hartnäckiger Sammelleidenschaft und gefürchteter Rigorosität" habe sie Heinrich an die Regnitz geholt, wie Bernd Schneidmüller im launig-luziden Festvortrag ausführte, der die "Kaiserlichen Stiftungen als Kampf gegen das Vergessen" würdigte.

Abt Gerhard von Seeon hat vor einem Jahrtausend in einem Preisgedicht auf Heinrich und seine Stiftung die "vielfältigen Ehren der lobenswerten Stadt" besungen, hat den Errichter, Förderer, Urheber des Bistums gefeiert.
Auch Erzbischof Ludwig Schick ehrte die Ausstellungseröffnung durch seine Anwesenheit. Der Glaube, die Religion, die Kirche bringe Schönes und Wertvolles in Bauten, in Liturgie, in Musik und Kunst hervor, die das "Leben und unsere ganze Welt" reicher machten. "Ohne diese Kunstwerke des Glaubens wären wir viel ärmer", sagte Schick mit Blick auf die noch bis in den August hinein zugängliche Ausstellung. Interessierte können immer dienstags um 17 Uhr bei freiem Eintritt in den Genuss einer kostenfreien Führung kommen.

Was? Schatz für die Ewigkeit -
Buchstiftungen Kaiser Heinrichs II. für seinen Dom

Wo? Staatsbibliothek Bamberg in der Neuen Residenz am Domplatz

Wann? Bis 11. August 2012, geöffnet Mo-Fr 9-17 Uhr, Sa 9-12 Uhr, Sonn- und feiertags geschlossen. Eintritt frei