Eine unendliche Geschichte wird es jetzt nicht mehr, aber etliche Kapitel in der Geschichte der Bücherei sind schon abgehandelt, und die Voraussetzungen für ein Happy End, also das endgültige eigene Domizil, sind geschaffen. Das macht auch die Übergangszeit im Provisorium - Büro, Foyer, und Sitzungssaal des Rathauses - erträglicher. Verläuft alles plangemäß und die Zustimmung des Gemeinderates vorausgesetzt, könnten nächstes Jahr die Arbeiten für die Gestaltung des endgültigen Standort beginnen, in der Bachstraße 12.

Neben Nachbarn, Bürgern und Fachleuten haben sich auch die Büchereidamen intensiv mit der Gestaltung der neuen Bleibe befasst. Mitarbeiterin Renate Bütting durfte sogar als Sachpreisrichterin mitentscheiden - für das insgesamt 21 Ehrenamtlichen zählende Team. Denn die Entscheidung wurde im Rahmen eines Architektenwettbewerbs getroffen.

Bachstraße 12 wird die dann endgültige Adresse der Gemeindebücherei sein. Zuvor war die Einrichtung einmal in wechselnden Räumen der Volksschule untergebracht, dann schon einmal in der Bachstraße (6), dem früheren Kindergarten. Seit etwa einem Jahr ist die Bücherei "Untermieter" im Rathaus. "Kein Dauerzustand", wie auch Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) zugesteht. Lange schon werde über eine endgültige Bleibe für die Bücherei nachgedacht, im Rahmen des seit 2008 laufenden Städtebauproramms "Soziale Stadt" konnte nun auch der Architektenwettbewerb für die Neugestaltung des Anwesens Bachstraße zur Bücherei realisiert werden. Grundlage war dabei, das ortsbildprägende Gebäude - ein alter Bauernhof, dessen Scheune allerdings abgerissen worden war - zu erhalten.

Wie schon bei den vorherigen "Soziale-Stadt-Projekten" in Gundelsheim wurde auch für die neue Bücherei die Bevölkerung intensiv mit eingebunden, betont Merzbacher. Zwar oblag die endgültige Entscheidung dem siebenköpfigen Preisgericht, aber in den Entscheidungsprozess brachten sich wie gewohnt Bürger ein, was Merzbacher als Voraussetzung für den Erfolg erachtet. Er verweist dabei auf die Neugestaltung von Hauptstraße und Alter Schule die Etablierung des Bürgerparks und des Seniorenzentrum, das derzeit laufende Vorhaben in der Hauptstraße 7 (ehemaliger Schleckermarkt) sowie die Einrichtung des Quartiersmanagements.


Sechs Büros

Am Architektenwettbewerb hatten sich sechs Büros aus der gesamten Bundesrepublik beteiligt. Das Rennen hat nun der Vorschlag eines Schweinfurter Büros - "Schlicht Lamprecht Schröder Architekten Stadtplaner"
- gemacht. "Es ist praktisch in der Region geblieben", so der Bürgermeister.

Über das Städtebauprogramm gibt es für den 30 000 Euro teueren Wettbewerb einen 60-prozentigen Zuschuss. Über die Kosten für das Projekt selbst gibt es nur grobe Schätzungen, jetzt laufen Voruntersuchungen.
Zum Ergebnis des Wettbewerbs liegt ein offizielles Protokoll mit Begründung vor: "In Summe stellt der Beitrag eine sehr durchdachte und präzise Arbeit dar, die einen gelungenen Beitrag zum Thema 'Bauen im Bestand' darstellt und sensibel auf die örtlichen Gegebenheiten eingeht."

Dass das 1802 errichtete Haus so erhalten bleibt, wie man es kennt, gefällt Renate Brütting. Aufgenommen werde auch der Scheunencharakter, spannend die Haus-in-Haus-Gestaltung. Die einstige Besitzerin war die Vermieterin von Brüttings Wohnung in der Siedlung, merkt die Büchereimitarbeiterin an. "Sie würde sich über den Ansatz und die neue Nutzung sicherlich freuen", ist sie überzeugt. Aus Sicht des Bücherei-Alltags begrüßt sie die die große Grundfläche. Derzeit muss man mit etwa 110 Quadratmetern zurecht kommen, künftig 275 zur Verfügung haben, barrierefrei. Das Projekt stimme das Team euphorisch, da seien bestimmt auch erweiterte Öffnungszeiten denkbar und sicherlich lade der Bau dann auch zu längerem Verweilen ein. Das Büchereiteam freue sich riesig und bringe sich gerne in den weiteren Gestaltungsprozess ein.
Was für eine Geschichte, was für ein neues, letztes Kapitel.

Die Beiträge des Architektenwettbewerbs kann man sich übrigens zu den üblichen Öffnungszeiten im Rathaus ansehen.