Es ist eine Art Wiedervereinigung, die Breitengüßbach am Dienstag gefeiert hat. Nach fast einem Jahr sind Ost und West wieder zentral mit einer Brücke verbunden. Weit mehr als 100 Bürger waren zur Freigabe der neuen Brücke in der Zückshuter Straße erschienen und erkundeten nach den Grußworten von Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder (UBB) und Landrat Johann Kalb (CSU), den Ausführungen der Projektleiter von DB Netz, Christoph Anhalt, und der Baufirma Leonhard Weiss, Hubert Greubel, sowie der kirchlichen Segnung durch die Pfarrer Valentin Tempel und Susanne Wittmann-Schlechtweg das neue Bauwerk. Um 14.45 Uhr überquerte dann das erste Auto auf diesem Weg die Bahnlinie.

Die Vorgängerbrücke war Anfang des Jahres, kurz nach der Vollsperrung des Bahnverkehrs abgerissen worden. "Es war nicht immer geräuscharm und wir haben auch das ein oder andere Mal Staub aufgewirbelt. Und bei Regen wurde daraus Schmutz und Dreck", räumte Projektleiter Greubel ein und dankte allen Betroffenen für "Verständnis, Geduld und großes Interesse".

Die rund 30 Jahre alte Konstruktion musste dem viergleisigen Ausbau der Bahntrasse weichen. Die neue Brücke ist nun entsprechend größer. Sie ist 1,40 Meter höher, und - weil die Zufahrtsrampen insgesamt nicht verlängert werden konnten - entsprechend steiler. Acht Prozent beträgt die Steigung auf der Westseite, 7,5 Prozent auf der etwas flacheren Ostseite.

Weil Radfahrer dabei schon mal ins Pendeln kommen können, wie Bürgermeisterin Reinfelder anmerkte, seien die 2,5 Meter breiten Geh- und Radwege auf beiden Seiten der Brücke besonders wichtig.
Bei rund 3000 Fahrzeugen am Tag, darunter zehn Prozent Schwerlastverkehr, war es hier in der Vergangenheit öfters zu gefährlichen Begegnungen gekommen, wie verschiedene Breitengüßbacher im Laufe des Jahres dem FT schilderten.

Hauptsächlich wegen dieser Verbreiterung muss auch der Landkreis für insgesamt rund 4,2 Millionen Euro teure Bauwerk in die Tasche greifen. Zwar ist die Zückshuter Straße Teil der Kreisstraße BA 16, doch weil der Neubau auf das Verlangen der Bahn zurückgeht, muss die DB Netz - und damit der Bund - gemäß der gesetzlich geregelten Kreuzungsvereinbarung gut 90 Prozent der Kosten übernehmen. Auf den verbliebenen Anteil von rund 400 000 Euro für den rechnet der Landkreis mit einem Zuschuss in Höhe von 75 Prozent der förderfähigen kosten. Mit dann noch etwa 125 000 Euro Eigenanteil ist die neue Brücke für den Kreis sozusagen ein Schnäppchen.

Noch einen weiteren Vorteil erkannte die Bürgermeisterin: "Der Aufstieg lohnt sich. Hier können wir noch von einem Punkt in der Gemeinde einen Blick auf die Gleise werfen. Sonst sieht man ja fast nichts mehr von der Bahn", sagte Reinfelder angesichts der hohen Lärmschutzwände, die den Ort nun durchziehen, aber auch der mehr als 150 Jahre alten Verbindung Breitengüßbachs mit der Bahn. (Am 25. Februar 1846 wurde der Streckenabschnitt Bamberg - Lichtenfels der damaligen Ludwig-Süd-Nord-Bahn in Betrieb genommen.

Ein weiterer Effekt der nun wiedereröffneten Hauptverbindung der beiden Ortshälften links und rechts der Bahn soll nun erst beobachtet werden. Mit der Sperrung der Zückshuter Straße war auch der Durchgangsverkehr auf der Bundesstraße merklich zurückgegangen, wie jüngst ein Verkehrsgutachten ergab. Andererseits waren bisher ruhige Wohnstraßen durch die Umleitung über die Behelfsbrücke im Süden stark vom Verkehr betroffen.
Das nun eigentlich überflüssige Provisorium soll bis Mitte nächsten Jahres stehen bleiben. So lange sollte ursprünglich der Neubau der Zückshuter Brücke dauern. Bis dahin will man beobachten, so Reinfelder, wie sich die Verkehrsströme verteilen. Dies soll Grundlage für ein weiteres Gutachten sein.