Zuletzt stand der fränkische Standort der Brose-Gruppe in der öffentlichen Wahrnehmung ein wenig im Schatten des Bamberger Neubaus. Dabei liegt das Werk Hallstadt nicht einmal zwei Kilometer vom neuen, erst kürzlich bezogenen Verwaltungsgebäude in Bamberg entfernt. Brose Baskets Bamberg, Engagement für die Bamberger Symphoniker, Sponsor des Weltkulturerbelaufs in Bamberg: Verliert der Standort Hallstadt bei Brose zugunsten Bambergs an Bedeutung?


Von 100 auf 1400 beziehungsweise 2000

Michael Swoboda, Werkleiter in Hallstadt, reagiert mit Verwunderung auf diese Frage. Sie stellt sich ihm nicht. Schließlich geht es bei Brose nicht um Begrifflichkeiten, sondern um Produkte und Innovationen. Im Mai 1990 hatte der Coburger Autozulieferer sich in Hallstadt angesiedelt. "Rund 100 Mitarbeiter haben damals mit der Produktion von Fensterhebern für den Audi 100 C4 begonnen", erzählt er. Wenn Swoboda über den Standort im Jahr 2016 spricht, dann unterscheidet er nicht zwischen Hallstadt und Bamberg. Brose beschäftige hier 2000 Menschen, davon 600 im neuen Verwaltungsgebäude in Bamberg. Mehr als 300 Millionen Euro habe die Brose-Gruppe in den vergangenen 26 Jahren im Raum Bamberg investiert.
Der Standort sei sukzessive gewachsen. Und er wachse weiter. Nicht nur zuletzt in Bamberg. Seit Januar sind die Bauarbeiter in Hallstadt zu Gange. "Es entsteht eine zusätzliche 5500 Quadratmeter große Halle zur Fertigung von Fensterhebern und Türsystemen", berichtet Swoboda. Ziel sei es, im letzten Quartal dieses Jahres mit der Produktion zu beginnen.


Türsysteme weltweit

Sechs Millionen Fensterheber im Jahr, sechs Millionen Heckklappenantriebe, eine Million Türsysteme - nur ein Teil der 26 Millionen Erzeugnisse made in Hallstadt.
Was viele außerhalb der Brose-Gruppe nicht wissen: Der Standort ist weit mehr als ein bloßes Produktionswerk des Autozulieferers. Von Hallstadt aus steuert Brose die weltweiten Aktivitäten des Geschäftsbereichs Türsysteme, der über 39 Produktionsstätten und 13 Entwicklungsstandorte verfügt.
In Hallstadt sitzen Brose-Mitarbeiter, die von hier aus die weltweite Entwicklung, Produktion, Qualität und den Vertrieb von ganzen Systemen für Fahrzeugtüren und Heckklappen steuern. Und nebenbei auch noch das Ersatzteilgeschäft mit mehr als 2500 verschiedenen Produkten.


Hälfte des Gruppenumsatzes mit Türsystemen

Ihr Chef ist Kurt Sauernheimer, als Geschäftsführer für Türsysteme Mitglied des Brose-Managements unter Vorsitzendem Jürgen Otto. "Mit Türsystemen erzielten wir 2015 einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro. Das entspricht der Hälfte des Gruppenumsatzes", hebt er die Bedeutung der Sparte hervor.
Längst bietet Brose komplette Systeme an - egal ob an den Seitentüren oder an der Heckklappe. Letztere lässt sich seit einiger Zeit mittels Fußkick automatisch öffnen. Eine Autotür per App mit einem Wischer auf dem Smartphone öffnen? Bei Brose inzwischen Wirklichkeit geworden. Da macht sich bemerkbar, dass der Standort unter anderem Kompetenzzentrum der Brose-Gruppe für Elektronikentwicklung und -fertigung ist. Die elektronischen Steuerungen finden sich auch andernorts im Auto - zum Beispiel in Kühlerlüftermodulen oder Heiz- und Klimagebläsen.


Organoblech als neues Material

Wenn es um Innovationen geht, so beeindruckt bei Brose in Hallstadt derzeit eine Pilotanlage, die vollautomatisch Türsysteme aus glasfasermattenverstärktem Kunststoff, so genanntem Organoblech, fertigt. Um sie zum Laufen zu bringen, hat Brose laut Sauernheimer fünf Millionen Euro investiert. "Wir sind die ersten, die damit in den Markt gehen", sagt Sauernheimer. 2018 sei die Serienfertigung vorgesehen.
Das neue Material ist leicht und dabei dennoch steif und fest. Im Vergleich zu momentanen Türsystemträgern wiegt es 1,2 Kilogramm weniger. Verglichen mit konventionellen Türen aus Stahl beträgt der Unterschied sogar fünf Kilogramm.