Die Zukunft Breitengüßbachs ist sicher. Gesichert. Umgeben mit einem kilometerlangen Zaun - etliches an Entwicklungspotenzial dürfte wohl das ehemalige Munitionsdepot, kurz Muna-Gelände beinhalten. Doch Sigrid Reinfelder winkt ab. Derzeit kein Thema. Warum? Bis 2023 darf hier nichts Weiteres als das Bisherige geschehen, also vor allem keine Wert schöpfenden Geschäfte. So die Vereinbarungen mit dem Bund, von dem die Gemeinde das Areal 2008 erworben hat.

Das war wohl die günstige Gelegenheit für Breitengüßbach: 2004 endete nach 60 Jahren die Geschichte des einstigen Munitionsdepots. Die Gemeinde gründete mit der Bamberger GeWo ein Gemeinschaftsunternehmen, die Entwicklungsgesellschaft Breitengüßbach (EGB), um aus über 130 Hektar etwas Zukunftsträchtiges zu entwickeln. "Man holte damals mit der Gewo Profis an Bord", erklärt Bürgermeisterin Reinfelder. Entwickelt wurde auf knapp sechs Hektar das schmucke Neubaugebiet "Am Klingen", dessen 55 Eigenheime speziell junge Familien bewohnen. Zukunftssicherung also, lobt Reinfelder die auch demografisch weitsichtigen vormaligen Entscheidungsträger.

In dem Bereich des neuen Wohngebietes finden sich noch Reste des Zaunes. Hier wurden auch diverse Bestands-Gebäude saniert und umgenutzt. So ist die frühere Muna-Feuerwehr und die Schreinerei zusammen mit einem Verwaltungsgebäude zur neuen Heimat des gemeindlichen Bauhofes geworden. Gleich hinter dem Wohngebiet liegt das noch eingezäunte Hauptareal mit beschranktem Haupteingang. Durch die Tür kommen Fußgänger so gut wie immer aufs Gelände. Die drei weiteren Einlässe Richtung Kemmern, Zückshut und Richtung Gundelsheim werden abends abgeschlossen. Auf diesem Gelände sind die über 80 Bunker sowie Hallen zumeist vermietet. Errichtet wurde obendrein eine Biomasseheizanlage, die öffentliche und private Gebäude mit Wärme versorgt, so Reinfelder zufrieden.

Am Muna-Areal schätzt sie insbesondere die Naherholungsqualitäten, weil sich hier durch die jahrzehntelange Abschottung eine umfangreiche biologische Vielfalt entwickeln konnte, die Grundlage des Umweltzentrums.
Dazu bieten kilometerlange befestigte Wege Joggern,Walkern, Spaziergängern, Radfahrern und in manchem Winter selbst Langläufern hervorragende Möglichkeiten, schwärmt die Bürgermeisterin. Dank der Audi Stiftung Umwelt und der Initiative Artenschutz in Franken dient die Fläche inzwischen der Umweltbildung. Einmal die Woche gebe es hier einen Waldkindergarten, Schüler nutzen regelmäßig das Klassenzimmer Natur und für andere Gruppen sind nach Absprache Führungen möglich.


Grünpflege

Um die "Grünpflege" kümmere sich ein Ehrenamtlicher (früherer Förster), die Jagd habe die Gemeinde verpachtet. Zweimal jährlich finde hier eine Treibjagd statt. An diesen beiden Tagen wird das Areal für die Öffentlichkeit gesperrt.

Weil die Fläche mit 125 Hektar doch recht groß ist und angesichts der Mieter, findet die Bürgermeisterin den Zaun gar nicht schlecht. Es habe immer wieder Fälle von Vandalismus gegeben. Nicht vorzustellen, was hier los wäre, wenn man auch noch mit dem Auto reinfahren könne, beschreibt sie ein Szenario, das ihr so gar nicht gefallen mag.

Zufrieden zeigt sie sich mit der Arbeit der EGB, in der die Gemeinde 49 Prozent und die GeWo den Rest hält. Als deren Geschäftsführer fungiert von Anfang an Georg Neuberger. Auch er erklärt den Zaun ebenso wie die Bürgermeisterin mit Vandalismus-Prävention.

Auf jeden Fall wird derzeit am eingezäunten Areal nicht gerüttelt. Es birgt für die Zukunft ebenso wie nicht eingezäunte angrenzende Flächen Entwicklungspotenzial für Breitengüßbach. Angesichts des hohen Stellenwertes, den es in der Bevölkerung einnimmt, ist Sigrid Reinfelder überzeugt, dass die Bürger bei der Entwicklung eines künftigen Konzeptes mitwirken werden. Eine interessante Aufgabe. Aber erst in einigen Jahren, denn im Moment steht noch die Bahn im Fokus.



Der von manchen kritisierte Zaun - speziell mit Blick auf die Wildtiere und die Jagd - stellt für die Bürgermeisterin aber auch ein geschichtliches Relikt dar, das an die Vergangenheit Breitengüßbachs erinnere. Auf ihrem privaten Grundstück hat sie das erhaltene Zaunteil übrigens stehen (und einwachsen) lassen.