"Ab sofort kann im Vorwahlbereich 0951 mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde (MBit/s) im Netz gesurft werden", damit wirbt die Deutsche Telekom in Hallstadt, Gundelsheim, Stegaurach, Memmelsdorf und in der Stadt Bamberg. Ein erfreuliches Ereignis, das die Telekom am Mittwoch bei einem Pressetermin in Hallstadt bekannt machte - schließlich warten die Bürger in den Gemeinden ungeduldig auf das schnelle Internet. "Das Warten hat sich gelohnt", findet Marion Thüngen, Vertriebsbeauftragte der Telekom. Das schnelle Internet sei jetzt "buchbar".

Das Bonner Unternehmen will Erster im Wettlauf mit der Konkurrenz sein. Auf eigene Kosten hat der Konzern deshalb das Kabelnetz in den genannten Kommunen ausgebaut. "Wenn eine solche Infrastruktur, wie von der Telekom, auf eigene Kosten zur Verfügung gestellt wird, dann ist das für eine Kommune ein Geschenk", sagt Hall stadts Bürgermeister Thomas Söder.

Eine Frage der Entfernung

Die Telekom setzt auf Glasfaserleitungen bis zu den Kabelverzweigerkästen (HTTC), das restliche Stück Kupferdraht zu den Wohnungen soll mit "Vectoring", einer Verstärker-Technik, verbessert werden. So könnten Geschwindigkeiten im 100-Megabit-Bereich erzielt werden, heißt es bei der Telekom. "Könnten" - denn die Technik hat auch ihre Tücken: Je weiter ein Haushalt von einem Verzweigerkasten weg ist, umso langsamer wird in der Regel die Surfgeschwindigkeit.

Der Kupferdraht führt zu einem Geschwindigkeitsverlust - das hat Memmelsdorfs Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos) bemerkt. Schneider wohnt im Ortsteil Lichteneiche. Dort hat es die Telekom mit dem Konkurrenten Kabel Deutschland zu tun. Der Wettbewerber verlegt die Glasfasern bis ins Haus. Dadurch ist tatsächlich eine Surfgeschwindigkeit von 100 Mbit/s möglich. Die Telekom biete dagegen nur 50 Mbit/s an, hat Schneider bei sich zu Hause festgestellt.

Auch sein Gundelsheimer Bürgermeisterkollege Jonas Merzbacher (SPD) fürchtet, dass Teile der Gemeinde durch das unterschiedliche Tempo abgehängt werden könnten: Die von den Verteilerkästen weiter entfernt liegenden Haushalte könnten schließlich gerade mal 25 Mbit/s erreichen.

Laut Marion Thüngen von der Telekom gebe es jedoch Möglichkeiten, die Geschwindigkeit zu erhöhen - beispielsweise über eine Kombination aus Kabel- und Mobilfunktechnik.

Doch auch bei der Infrastruktur ist das Tempo unterschiedlich: Bisher wurde in Memmelsdorf nur der Ortsteil Lichteneiche von der Telekom ausgebaut. Dies hat zu Unverständnis bei Bürgermeister Gerd Schneider geführt, schließlich habe die Telekom angekündigt, auch die Ortsteile Memmelsdorf und Drosendorf aus eigener Tasche zu erschließen - dies soll allerdings erst 2016/2017 geschehen. Doch gebe es gerade im Kern von Memmelsdorf viele Gewerbetreibende: "Memmelsdorf muss deshalb dringend ausbauen!", sagt Schneider.

Eine Frage der Strategie

Aus Strategie-Gründen habe die Telekom die Ortsteile Memmelsdorf und Drosendorf bisher nicht erschlossen, erklärt Marion Thüngen. Der Vorwahlbereich 0951 hat also Lücken: Denn auch in Stegaurach müssen vier Ortsteile noch ohne schnelles Internet auskommen. Bis die Gebiete ausgebaut werden, wird es wohl dauern, schließlich will die Telekom hier nicht selbst bezahlen. Es wird das Förderverfahren des Freistaats in Anspruch genommen. Bürgermeister Thilo Wagner (FW-FL) weiß deshalb noch nicht, wann die betroffenen Ortsteile Kreuzschuh, Höfen, Seehöflein und Mühlendorf mit schnellem Internet versorgt sein werden.

Und Bischberg, das auch im Vorwahlbereich 0951 liegt? Dort zeigte die Telekom kein Interesse, die Infrastruktur eigenwirtschaftlich auszubauen.