Der Frühling beginnt und damit auch die Hochzeitssaison. Wegen des milden Wetters heiraten viele Menschen vor allem im Mai und Juni.


Fränkische Hochzeitsbräuche

Bei kaum einem Fest gibt es so viele verschiedene Traditionen und Bräuche, wie bei einer Hochzeit. Einige kommen aus dem Ausland oder sind von Hollywood zu uns nach Deutschland geschwappt, andere sind tief in der deutschen oder eben der fränkischen Tradition verankert. Wir haben hier ein paar gesammelt.


Hochzeitsbrauch der Brautentführung

In Bayern und besonders in Franken verbreitet ist die Brautentführung. Die Braut wird während der Hochzeitsfeier "gekidnappt" und von den Trauzeugen oder Freunden an einen anderen Ort, meist verschiedene Wirtschaften, gebracht. Die Aufgabe des Bräutigams ist es, seine frisch vermählte Braut wieder ausfindig zu machen. Ihm ist dabei geraten, seine Braut möglichst schnell wiederzufinden: Die Getränke-Rechnung der Entführer geht nämlich auf seine Kosten.
Zur Herkunft dieses Brauchs gibt es keine eindeutigen Informationen. Oft wird die Brautsuche einfach als Liebesbeweis verstanden, seine Braut möglichst schnell wiederzufinden beziehungsweise als Erinnerung an den Bräutigam, auch nach der Heirat gut auf sie aufzupassen.


Kuchenaustragen

In kleineren fränkischen Dörfern ist es noch üblich, an der Hochzeit Kuchen zu verteilen. Alle, die nicht zur Hochzeit eingeladen worden sind, dem Brautpaar aber trotzdem Geschenke überreichen wie zum Beispiel Nachbarn oder andere Leute aus dem Dorf, bekommen als Dank selbstgebackene Kuchen und Torten. Übrigens: Dieser Brauch gilt auch für Kommunionen.


Baumstammsägen

Dieser alte Brauch kam nach dem zweiten Weltkrieg wieder auf: Nach der Trauung wurde dem Brautpaar ein Baumstamm wortwörtlich in den Weg gelegt, den sie dann gemeinsam zersägen mussten. Je besser die Eheleute mit vereinten Kräften sägten, desto harmonischer sollte auch die Ehe verlaufen.


Brautschuhe

Auch heute noch hält sich der traditionelle Brauch, bei dem die Braut ihre Schuhe mit Pfennigen (heute Centstücken) bezahlt. Er stammt aus einer Zeit, in dem die Braut die Hochzeitsschuhe vom eigenen Lohn zusammensparen musste und zu diesem Zweck meist schon lange vor der Hochzeit damit anfing. Damit sollte die Braut beweisen, dass sie eine sparsame Hausfrau sein wird.
Mit den Brautschuhen geht es dann auf der Hochzeitsfeier auch noch weiter: Kinder krabbeln unter den Tisch zum Fuß der Braut und ziehen ihren linken Schuh aus. Mit dem Schuh in der Hand sammeln sie dann Geld von den Gästen für das Brautpaar ein.
Das wurde früher übrigens auch noch anders gehandhabt: Der Schuh wurde zwar auch "geklaut", dann aber von einem Hochzeitsgast versteigert. Der Erlös war für die Köchin bestimmt.


Vor der Hochzeit: Polterabend

Früher fand der Polterabend immer am Abend vor der kirchlichen Trauung statt. Er war dazu da, die letzten Vorbereitungen für die Hochzeit zu erledigen, wozu häufig die Nachbarschaft eingeladen wurde - für die Mithilfe gab es dann meist Essen und alkoholische Getränke. Dieser offene Charakter wurde beibehalten: Meist gibt es zum Polterabend keine spezielle Einladung und somit können Freunde und Familien uneingeladen zum Essen und Trinken kommen.
Da Scherben ja bekanntlich Glück bringen, werfen die Gäste altes Porzellan und Glas vor die Füße der Brautleute. Vom lauten Geräusch, das durch das Herunterfallen von Gegenständen erzeugt wird, dem Poltern, kommt auch der Begriff "Polterabend". Traditionell muss das Brautpaar die Scherben dann alleine wieder wegräumen. Heute nur noch wenig verbreitet wurden früher übrigens auch Glückwünsche in Form von Volksliedern gesungen.


Fränkisches Festessen

Mit eines der wichtigsten Dinge am Hochzeitsfest: Das Essen. Beim typisch fränkischen Festschmaus darf natürlich auf keinen Fall die Leberklößchensuppe auf der Speisekarte fehlen. Auch Rindfleisch mit Kree, einer Meerrettichsoße, und als Beilage Klöße oder auch Bandnudeln ist als Hauptspeise beliebt. Beim Dessert ist meist die klassische Weincreme mit dabei.


Diese internationalen Bräuche werden auch in Franken gefeiert

Etwas Altes, etwas Neues, etwas Gebrauchtes und etwas Blaues - dieser Brauch kommt aus dem alten England, ist aber auch in Deutschland weit verbreitet. Etwas Altes soll die Vergangenheit der Braut symbolisieren, aus der sie stammt. Das Neue steht für das neue Leben, das mit der Hochzeit begonnen wird. Mit dem geborgten Stück "borgt" man sich das Glück eines Familienmitglieds, dass sich dann auf das frisch vermählte Paar übertragen soll. Das Blaue fügt der Tradition noch eine historische Komponente hinzu, da die Farbe für Reinheit und Treue steht.

Ebenfalls weit verbreitet und auch auf fränkischen Hochzeiten zu erleben: Das Werfen des Brautstraußes. Alle unverheirateten Frauen stellen sich dazu hinter der Braut auf. Diese wirft aus einem geringen Abstand ihren Strauß hinter sich - wer ihn fängt, wird, so heißt es, als nächstes heiraten.