Er soll im Juni 2015 Michael G. in Bamberg gewaltsam getötet haben. Nun droht dem 35-Jährigen eine lebenslange Freiheitsstrafe. Wie Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch gegenüber dieser Zeitung bestätigt, seien die Ermittlungen in dem Fall abgeschlossen: Die Staatsanwaltschaft Bamberg hat inzwischen Anklage wegen Mordes und versuchter Nötigung gegen den Beschuldigten erhoben.

Der Bamberger steht in dringendem Verdacht, Michael G. am 26. Juni 2015 in einer Laden-Passage in der Langen Straße erstochen zu haben. Dort war das Opfer, das in dem Gebäude wohnte, am frühen Morgen mit mehreren Messerstichen in Bauch- und Brustbereich schwer verletzt worden. Michael G. soll sich blutend zur Haustür eines Nachbarn geschleppt haben, dieser reanimierte den entkräfteten 35-Jährigen und versorgte seine Wunden. Doch zwei Tage später starb Michael G. im Klinikum an seinen Verletzungen.


Lange Ermittlungen

Der Beschuldigte sitzt seit Juni 2015 in Untersuchungshaft. Er war unmittelbar nach der Tat von Fahndern festgenommen worden. Ermittler fanden bei dem Mann auch ein Messer, das sicher gestellt wurde. Wie die Staatsanwaltschaft damals bekannt gab, habe sich der 35-Jährige nach der Festnahme umfangreich zu den Tatvorwürfen geäußert. Diese Aussagen wollten die Ermittler mit Aussagen von Zeugen abgleichen. Auch eine Obduktion sollte Klarheit über den genauen Tathergang bringen. Die Ermittlungen hatten sich über Monate hingezogen. Unter anderem auch, weil psychologische Gutachten erstellt wurden.


Zunächst ging es um Totschlag

Der oben genannte Nachbar hatte im Juli 2015 gegenüber inFranken.de seine Beobachtungen geschildert, dass der Beschuldigte bereits zwei Tage vor dem Angriff Michael G. mit einem Messer und einem Baseballschläger bedroht habe. Unter anderem sollen die Worte "Ich bringe dich um" gefallen sein. Möglicherweise war es auch in der Nacht des tödlichen Angriffs zu einem Streit zwischen dem Opfer und dem mutmaßlichem Täter gekommen.

Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermittelten nach der Tat zunächst noch wegen des Verdachts auf Totschlag. Ob die nun erhobene Mord-Anklage unter anderem auf der Grundlage des Nachbarn beruht, will Rosenbusch nicht kommentieren: "Mehr dazu gibt es in der Hauptverhandlung."

Nach Auskunft des Landgerichts Bamberg ist das Hauptverfahren derzeit noch nicht eröffnet, die Frist zur Zulassung der Anklage läuft noch, so der aktuelle Stand. Zu erwarten ist aber, dass die öffentliche Verhandlung in zwei bis drei Monaten stattfinden wird.


Bereits vorher auffällig

Der Beschuldigte war schon früher auffällig: Im Dezember wurde er vom Amtsgericht Bamberg unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt. Die beiden Vorfälle hatten sich bereits vor der tödlichen Attacke im September 2014 bzw. Januar 2015 ereignet.

Der 35-Jährige soll unter anderem auf der Kerwa in Reckendorf einen heute 20-Jährigen geschlagen und einen Zeugen mit einem Messer bedroht, in einem zweiten Fall in Bamberg versucht haben, einen ihm bekannten Mann mit einem Baseballschläger zu attackieren. Als dieser ihm jedoch mit der Faust ins Gesicht schlug, soll er auch hier ein Messer gezogen haben. Allerdings blieb unklar, ob in beiden Fällen tatsächlich ein Messer im Spiel war. Zeugen konnten das nicht belegen. Jedoch wurde der 35-Jährige in der Verhandlung von Zeugen als "ungewöhnlich aggressiv" beschrieben.

Dieses Verfahren befindet sich laut Staatsanwaltschaft derzeit in Berufung. Der Bamberger Verteidiger Thomas Drehsen hatte in der Verhandlung angekündigt, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Der Anwalt war am Freitag allerdings nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.


Große Trauer

Die Tat in der Laden-Passage hatte große Trauer ausgelöst: Am Tatort legten damals Freunde und Bekannte des Opfers, ein beliebter Hobby-Fußballer, Blumen und Kerzen nieder. Ein Foto des Getöteten am Tatort war überschrieben mit "Warum?" - das versucht jetzt das Gericht herauszufinden.