Aus einem kleinen, braunen Kasten mit Röhrenradio-Flair trällert Justin Timberlake seinen aktuellen Sommerhit. Bogdahn Schwonek klappt den Deckel hoch: "Kein Röhrenradio. Aber ein älteres Modell." Gerade hat er das Gerät gemeinsam mit Bruno Dirauf repariert, jetzt schauen beide schon über den Rand ihrer Brillen auf einen alten Plattenspieler. Die Rentner sind an diesem Dienstagmorgen allein im "Männerschuppen" auf dem ehemaligen Schaeffler-Gelände. Sie genießen die Ruhe. "Donnerstagabend ist die Hölle los", sagt Schwonek. Dann können Bürger defekte Alltagsgegenstände bringen.


Für Männer gibt's noch nichts

Die Männer versuchen, die Sachen wieder herzurichten. Kostenlos und ehrenamtlich, nur die Ersatzteile müssen bezahlt werden. Vor einem halben Jahr wurde der "Männerschuppen" nach dreijähriger Vorarbeit eröffnet. "Wir haben etwa ein Dutzend sehr aktive Handwerker und nochmal so viele, die immer wieder mal kommen", erklärt Bernd Bauer-Banzhaf. Als Vorsitzender des Diakonievereins Bamberg hat er das Projekt ins Leben gerufen, nachdem er einen Zeitungsartikel über australische Männerschuppen gelesen hatte. "Dort gibt's fast in jedem Ort irgendeine Garage, einen Schuppen, wo sich die alten Herren treffen." Hierzulande gebe es so viele Seniorenprojekte für Frauen, sagt Bauer-Banzhaf - aber nichts speziell für Männer. Und bei den ehrenamtlichen Projekten fehlten ebenfalls Angebote für Männer.


"Das säg' ich auf!"

"Man kann ja auch zur Tafel gehen und da mitarbeiten", sagt Bogdahn Schwonek. "Aber das ist mehr was für ...", er zögert: "Naja, für die, die sich mit Lebensmitteln auskennen." Er hält Bruno Dirauf die defekte Wasserpumpe eines Geschirrspülers unter die Nase. Das interessiert ihn. Das Bauteil musste ausgetauscht werden, reparieren lässt sich so was nicht. "Aber ich habe einen Verdacht, was kaputt war. Das säg' ich auf! Ich will wissen, ob ich recht gehabt habe."


Nachhaltige Nachbarschaftshilfe

Dirauf ist 63, Schwonkek 62 Jahre alt - junge Rentner, die sich freuen, anderen helfen zu können.Wer sich ehrenamtlich betätigen möchte, sollte sich zuerst fragen, welches Thema ihn beschäftigt: Jugend, Gesellschaft oder Kultur? Beim Männerschuppen geht es um Seniorenarbeit, Nachbarschaftshilfe und auch um die Umwelt. "Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema", sagt Bauer-Banzhaf. "Es werden so viele Ressourcen verschwendet, weil alles gleich weggeworfen wird."


Anlaufstellen für's Ehrenamt

Weil sie im Job Elektromechanik gelernt haben, basteln Dirauf und Schwonek oft an elektrischen Geräten, sie machen aber auch gern bei der Fahrradreperatur mit und lernen von den Schuppen-Kollegen beim Schreinern oder Computertüfteln Neues. Lernen, soziale Kontakte, Erfahrung - man sollte sich bewusst sein, was man von einem Ehrenamt selbst erwartet. Und wie viel Zeit zur Verfügung steht. Will ich mich für eine einmalige Sache engagieren? Oder dauerhaft? Je genauer die Vorstellung ist, umso leichter wird es, ein passendes Einsatzgebiet zu finden. Gute Anlaufstellen sind kirchliche Organisationen wie Diakonie und Caritas, aber auch die Gemeinden und lokalen Freiwilligenagenturen. Es gibt für jeden Typ eine passende Möglichkeit, sich einzubringen, sagen die beiden Tüftler. Dann arbeiten sie konzentriert weiter. Schweigend. Aus dem Uralt-Radio dröhnt ein Hip-Hop-Song.


Weitere Informationen zum Projekt gibt's unter

www.maennerschuppen.de.

Lesen Sie am Donnerstag, 29. September, was Ehrenamtliche des Technischen Hilfswerkes im Ausland machen, und wie das mit ihrem Berufsalltag in Deutschland zusammengeht.