Kuba, Liuns und Ronja haben es nicht geschafft. Sie sind drei der nunmehr sechs gestorbenen Welpen. Ursprünglich waren 20 im Bamberger Tierheim im Dezember aufgenommen worden. 20 von 216, die bei illegalen Transporten beschlagnahmt und an Bayerns Tierheime verteilt wurden. Mit seiner "Verlustrate" liegt Bamberg noch gut. Insgesamt haben 59 Hundebabys nicht überlebt. "Die Welpen sollen nicht umsonst gestorben sein", empört sich Liebhard Löffler.

Der Vorsitzende des Bamberger Tierschutzvereins spricht Klartext. Im Schnitt 750 Euro hätte jeder der Welpen aus den beiden am 10. Dezember gestoppten Transporten aus Ungarn und der Slowakei den skrupellosen Händlern gebracht, rechnet er vor. Wie Löfflers Recherchen ergaben, werden die Hundebabys den "Vermehrern" in den Herkunftsländern für rund 25 Euro abgekauft. Bei einer Gewinnspanne von im Schnitt über 700 Euro nehmen die Händler billigend in Kauf, dass ein Großteil der viel zu jung von ihren Müttern getrennten Tiere das Ganze nicht überlebt.

Die Mütter selbst: Reine Zuchtmaschinen, die unter unsäglichen Haltungsbedingungen skrupellos ausgebeutet werden. Das heißt, sie sind oft so schwach, dass ihre Milch den Jungen kein ausreichendes Immunsystem verschafft, führt Löffler dazu aus. Zudem sind die Welpen bei der Trennung noch nicht alt genug für Impfungen, so dass sie anfällig für Krankheiten und durch den mehrfachen Stress zudem gestresst und dadurch geschwächt sind. "Ganz miserable Bedingungen für einen Start ins Hundeleben", empört sich Löffler.


Seriöse Züchter

Wenn seriöse Züchter hierzulande etwa für einen Weimaraner Welpen 1500 bis 2000 Euro verlangen, dann sei der auch geimpft, entwurmt, sozialisiert, gesund; Voraussetzungen für einen guten Start ins Hundeleben, womöglich langes. Bei den illegal einführten Tieren seien die Chancen um ein Vielfaches geringer, sagt der Tierschutzvereinsvorsitzende.

Dabei haben im Bamberger Tierheim Hauptamtliche und Ehrenamtliche zusammen mit der Tierärztin Ursula Hanss alles Erdenkliche getan, um die Welpen durchzubringen. Und sie tun es noch immer.

Ein großer Teil von denjenigen, die Transport und diverse Krankheiten wie Durchfall überstanden haben, durfte die Quarantänestation des Tierheims wieder verlassen. Doch auch diese Hunde müssen separat von den anderen Tierheimhunden gehalten werden und unterliegen weiterhin strengen Quarantäne-Bestimmungen; zudem sollen sie erst einmal nicht vermittelt werden. Denn, sie sind auch Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Das müsste so nicht sein, "Der Gesetzgeber nimmt Tierleid bewusst in Kauf", kommentiert Löffler die aktuelle Gesetzeslage.

Zumindest der slowenische Eigentümer will die beschlagnahmten Tiere wiederhaben, erklärt Löffler dazu, der in engem Austausch mit dem Deutschen und dem Bayerischen Tierschutzbund, speziell dem oberfränkischen Regionalbeauftragten Andreas Brucker steht. Der koordiniert die Aktion in ganz Bayern. 17 Tierheime haben Welpen aufgenommen, darunter Bamberg, Lichtenfels und Wunsiedel in Oberfranken.

Erst letzte Woche war Brucker in Bamberg, zu einer Lagebesprechung. Denn Bayern wurde von dieser Welpenflut überrascht. "Wir sind uns aber sicher, dass diese nicht die letzte bleiben wird", so der Vereinsvorsitzende. Es handele sich lediglich um die Spitze des Eisbergs, "was hier abgefischt wird", zeigt er sich überzeugt. Weil die involvierten Tierheime im Dezember improvisieren mussten, konnte zwangsläufig nicht alles sofort rund laufen. Gemeinsam sollen nun Einsatzpläne für künftige Fälle entwickelt werden, für Bayern generell wie es jedes einzelne Tierheim dann auch für sich speziell tun wird.


Containerlösung

Was sich für Bamberg schon jetzt herauskristallisiert hat ist, dass man für solche Fälle weitere Platzkapazitäten braucht. Ein Mittel der Wahl, so hat der Termin des Regionalbeauftragten gezeigt, wäre eine Lösung mittels Containern. Auf Dauer wird man nicht darum herumkommen. Aber auch die Politik ist gefordert.


"DIE POLITIK IST JETZT GEFRAGT"

Mit 49 toten Welpen "liegen wir noch unter der Quote", stellt Andreas Brucker bitter fest. Der Regionalbeauftragte der Deuschen Tierschutzbundes für Oberfranken und Geschäftsleiter des Landesverbandes managt die beiden Fälle der der am 10. Dezember 2015 im Berchtesgadener Land beschlagnahmten 218 Welpen im Auftrag des Tierschutzbundes. Innerhalb von weniger Stunden musste er die Tiere unterbringen; in ganz Bayern. Auch das Bamberger Tierheim hat sich beteiligt. Die eben kanalisierte Welpenflut wird kein Einzelfall bleiben, ist er sich sicher. Um Abhilfe zu schaffen, ist die Politik gefragt.

Am wirksamsten wäre es, wenn Auflagen in den Herkunftsländern umgesetzt würden. Dass also Heimtierausweise nicht blanko verteilt werden, Tierärzte und Amtsveterinäre nicht beim Betrug behilflich wären. Im konkreten Fall waren die Papoere der 218 Welpen augenscheinlich gefälscht. Denn offiziell waren die meisten bereits 20 und nicht wie im Schnitt und tatsächlich erst ab drei Wochen alt.

Im Alter von acht Wochen dürfen Welpen nur im Inland transportiert, mit zwölf Wochen gegen Tollwut geimpft werden, weiß der Experte. Und ein Export darf nur mit wirksamer Tollwutimpfung erfolgen. Bis die wirksam ist, haben die Tiere ein Alter von 15 Wochen erreicht. Somit müssen die die Dokumente der Tiere gefälscht gewesen sein. Weswegen Anzeigen wegen Betrugs laufen. Weil die Tiere eben nicht geimpft waren, hatten sie verschiedene anzeigepflichtige Krankheiten, die als Seuchen gelten. Deswegen laufen parallel Anzeigen wegen Verstoßes gegen die Tierseuchenverordnung. Zudem, so mutmaßt Brucker, waren die Welpen so

Der slowenische Eigentümer habe über einen Anwalt in Wien erklären lassen, dass er seine Tiere wieder haben möchte. Vermutlich, weil die Abnehmer in Spanien bereits finanziell in Vorleistung gegangen sind, schätzt der Regionalbeautragte. Weil sie nun eben nicht mehr so jung wie geordert sind, wird sich der Verkaufspreis inzwischen reduziert haben. Brucker schätzt den Wert auf etwa 100 000 Euro. Dem stehen aber täglich wachsende Forderungen der bayerischen Tierheime entgegen. Bis zum Stand letzter Woche hatten die sich für alle Welpen auf bislang auf gut 182 000 Euro summiert. "Bei erhöhtem Aufwand wird ein Tagessatz von 22 Euro je Tier verlangt."

Die noch lebenden Welpen sind mittlerweile entwurmt, und durchgeimpft. Eine Vermittlung gehe aber dennoch nicht, denn die Tierheime sind nicht Eigentümer, sondern lediglich Verwahrer. Eine vertrakte Angelegenheit. Die Profitgier der ausländischen Händler und der Geiz der ausländischen Besteller werde auf dem Rücken unschuldier Tiere ausgetragen.

Anzeigen des Landkreises Berchtesgadener Land und des Tierschutzbundes laufen. Derweil werden die Tiere in 17 bayerischen Tierheimen weiter gepflegt und gepäppelt.

Falls weitere Transporte geschnappt werden, wovon die Tierschützer ausgehen, haben weitere bayerische Tierheime sowie auch die aus anderen Bundesländern Bereitschaft signalisiert, zu helfen. Denn ein Großteil der Quarantänestationen bei den 17 Tierheimen mit Dezember-Transport-Welpen sind für die Aufnahme größerer Mengen nun nicht nicht mehr in der Lage.

Brucker appelliert dringend an die Politik, auf internationale Kooperation zu drängen. "Im Drogenbereich ist das ja auch möglich."