Es hat inzwischen schon Tradition, dass der 1. Bamberger Automobilclub (BAC) zuletzt alle zwei Jahre diese historische Veranstaltung wieder aufleben lässt. Im Jahre 1989 und damals zum 80. Bestehen des Clubs, hatten einige Enthusiasten das Event aus der glorreichen Vorkriegszeit wieder neu gestartet, welches sich bis heute einen festen Platz unter den fünf besten historischen Motorsportveranstaltungen in Bayern erobert hat.

Nicht zuletzt auch durch die außergewöhnliche Auswahl der inzwischen seltenen Fahrzeuge auf zwei und mehr Rädern, die es in dieser Form und Konzentration anderswo selten zu sehen gibt. Und die Resonanz der bisher über 28 000 Zuschauer mit zuletzt steigender Tendenz zeugt für das immerwährende Interesse am historischen automobilen Kulturgut.

Darum bedankt sich Hans Schrüfer im Namen des BAC und aller Motorsport- Enthusiasten ausdrücklich bei den Einwohnern des eher beschaulichen Ortes Würgau, "die diese Veranstaltung mit Toleranz und beispielhafter Unterstützung zu einem Erlebnis werden lassen, mit einer Ausstrahlung weit über die Grenzen Bayerns hinaus", wie Schrüfer sagt. Schirmherr ist der Landtagsabgeordnete Heinrich Rudrof (CSU).

Wenn am 6. September (Sonntag) um 12 Uhr die Strecke freigegeben wird für den ersten Trainingslauf, fühlt man sich plötzlich zurückversetzt in die Pionierzeit des Automobilsports. Auch deswegen wurde für dieses Revival der Untertitel "Historic Sound of Würgau" gewählt. Die Wiederauflage ist keine Rennveranstaltung im eigentlichen Sinn. Es handelt sich vielmehr um eine "zügig gefahrene Gleichmäßigkeitsprüfung, bei der die geringste Zeitdifferenz zwischen den beiden Wertungsläufen den Sieger bestimmt", erklärt Schrüfer. In erster Linie gehe es darum, die Zuschauer die Schönheit und den Erhalt dieser wertvollen Fahrzeuge in Aktion erleben zu lassen. Der Disziplin der Fahrer sowie der Vernunft der Zuschauer ist es zu danken, dass es bisher keinen erwähnenswerten Zwischenfall gegeben hat, welcher diese außergewöhnliche Veranstaltung möglicherweise hätte in Frage stellen können. Beim Sichern der Strecke unterstützt die Würgauer Feuerwehr den BAC.

Fünf Engländer am Start

Ein Höhepunkt des diesjährigen Klassikers ist der gleichzeitige 50. Geburtstag der legendären und weltbekannten britischen Sport- und Rennwagenschmiede Chevron. Mit fünf verschiedenen Boliden werden Starter aus England und auch aus Bayern erwartet, wobei der mehrfache Teilnehmer und Publikumsliebling Keith Harris aus Worcestershire mit seinem Formel-Fahrzeug fast schon Heimrecht genießt.

Ein guter Freund und langjähriger Teilnehmer hat Organisator Hans Schrüfer die Adresse eines Fahrers aus Berlin vermittelt, der mit einen AFM-Rennwagen, Baujahr 1950, teilnehmen möchte. AFM war "DAS" Nachkriegsfahrzeug. Der Name AFM kommt von dem Rennfahrer Alex von Falkenhausen München, der Motor von BMW. Ein weiteres erwähnenswertes Fahrzeug ist der Cooper Formel III von 1950, mit dem der englische Rennfahrer Stirling Moss seine Rennfahrerkarriere begann. Später fuhr er auf Mercedes.

In mehrere Klassen aufgeteilt

Grundsätzlich wird das Teilnehmerfeld wieder in verschiedene Klassen eingeteilt. Angefangen mit den historischen Motorrädern von der Norton Manx bis hin zur Vincent Black Shadow, die heute einen Wert von 60 000 Euro präsentiert. Gefolgt von den Vorkriegsfahrzeugen - alles Sport- und Rennwagen - mit so legendären Namen, wie Riley, Delahaye und einem ganz seltene Lagonda Rapier von 1937.

Abenteuerlich wird es, wenn die Motorradgespanne an den Start gehen mit ihren todesmutigen Schmiermaxen im Beiwagen. Dass dabei drei der Starter eine "Schmiermäxin" an Bord haben, beweist allein schon, dass Mut nicht immer nur Männersache ist. Vermutlich noch etwas schneller geht es danach zu, wenn die typischen Bergziegen von Abarth, Steyr Puch und NSU TT sich mit bekannten einheimischen Fahrern auf die Strecke stürzen. Die Jungs lassen es ordentlich krachen. Natürlich immer möglichst gleichmäßig.

In der vorletzten Kategorie wird es klassisch im Sinne der Nachkriegszeit. Es starten legendäre Preziosen, wie Mercedes Benz 300 SLS, gepaart mit Porsche 356 und den hinreißenden Engländern aus der Blütezeit des dortigen Automobilbaus. Weil diese Repräsentanten einer unvergessenen Ära teilweise nicht einfach einer Begrenzung der Starterzahl zum Opfer fallen sollen, wird einfach in zwei Gruppen gestartet. Dadurch kommt der Ford GT 40 ebenso zum Einsatz, wie Porsche 911, Maserati, Lotus, Alfa Romeo usw.

Zum Abschluss des Renntages wird es richtig laut, wenn die Formel-Fahrzeuge starten. Neben den Chevron-Boliden sorgt auch die Szene der Formel V und Formel III ordentlich für Furore. Der Lola T von 1978 ist ebenso eine Augenweide, wie der Mosler MT 900. Letzterer ist eine absolute Rarität mit seinem Sieben-Liter V8-Motor. Er bringt mit Carbonaufbau und 650 PS nur 700 kg auf die Straße. Ist eigentlich noch kein Klassiker - aber das Auto muss man einfach erlebt haben. Und wo sonst, wenn nicht am Würgauer Berg?