Er stand schon mit Bastian Schweinsteiger, Wayne Rooney und jetzt auch mit Klaas-Jan Huntelaar auf dem Platz: Benjamin Brand. Der Name steht für eine der größten Nachwuchshoffnungen in der Fußballbundesliga. Nicht als Spieler sorgt Brand für Furore, sondern als derjenige, der stets die Partie im Griff haben muss: Der 26-Jährige aus dem unterfränkischen Gerolzhofen ist derzeit der jüngste Schiedsrichter der Fußballbundesliga. Erst vor Kurzem hat der Referee, der in den vergangenen Jahren in Bamberg gelebt hat, sein Debüt in der Eliteliga gegeben.

Und Brand berichtet genauso unaufgeregt davon wie vom Spiel in der Champions-League-Qualifikation, das er zu Beginn der Saison leitete: im legendären Old-Trafford-Stadion von Manchester United. Eine Partie, die er positiv in Erinnerung hat: "Man bekommt relativ schnell mit, ob es gut gelaufen ist, wenn die Spieler nach der Partie zu einem kommen", sagt Brand.

Und das sind sie. In Manchester haben sie ihm die Hand geschüttelt, genauso wie nach seinem ersten Bundesligaspiel auf Schalke gegen Darmstadt. Vor großen Namen hat er keine Angst. "Das sind für mich - platt gesagt - Spieler in roten oder blauen Trikots." Wer das Trikot trägt, sei ihm in dem Moment ganz egal.


Aus einer Schiedsrichterfamilie

Brand kann man das abnehmen. Er ruht in sich: "Ich habe noch nie mit einem Spieler einen Konflikt ausgetragen." Das habe er auch nicht in seiner früheren Zeit, als er zu pfeifen begonnen hat. Das war im Alter von 14 Jahren in Gerolzhofen.

"Ich habe nicht bei Null angefangen, das wurde mir in die Wiege gelegt." Der Vater hat in der Bayernliga Spiele geleitet und war in der Zweiten Liga Assistent. Sein Bruder und seine Schwester waren Anfang der 2000er Jahre ebenso als Referees aktiv. Ein Umfeld, in dem Schiedsrichterkarrieren entstehen. Mit 15 entschied sich Brand, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen und sich voll auf die Schiedsrichterei zu konzentrieren.

Bis heute pfeift Brand für den FC aus Schallfeld, einem kleinen Ort neben seiner Heimat Gerolzhofen. Das hat einen einfachen Grund: Brand wollte nach oben, dabei seinem eigentlichen Heimatverein FC Gerolzhofen nicht in die Quere kommen: "Wenn ich in derselben Liga Spiele gepfiffen hätte, hätte das nur für Probleme gesorgt." Also: Lieber beim kleineren FC, wo er sich wohl fühlt.

Schon mit 19 Jahren folgte für Brand der Sprung in die Regionalliga. In den Bewertungsbögen stand damals: Das Alter merkt man ihm nicht an. Respekt der Spieler? War kein Problem. Anfeindungen kennt er nicht. Und vereinzelte Pöbeleien von Zuschauern oder Spielern konnten ihn nicht aufhalten: "Das kann man als Schiedsrichter schnell abhaben."


Alles unter Kontrolle

Brand hat alles unter Kontrolle. Seinen Assistenten gibt er klare Anweisungen: Wenn sie eine Ansage per Funk machen, dann nur ein Wort, dreimal wiederholt. Foul, Foul, Foul. Kontrolle - das passt: In den vergangenen sechs Jahren hat er Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Controlling an der Universität Bamberg studiert. In der Zeit hat man den Bundesliga-Schiri im Stadtpark Hain oder auf dem Breitengüßbacher Sportplatz beim Training beobachten können. Fünfmal die Woche trainiert er. Ohne Leistungszentrum, ohne Trainer. "Man ist bei der Trainingsgestaltung unter der Woche auf sich allein gestellt." Sehr viel Ehrgeiz und Wille seien erforderlich, um ganz nach oben zu kommen.

Brand hatte so viel Ehrgeiz, dass er in den vergangenen zwei Spielzeiten zum besten Zweitliga-Referee gekürt wurde. Schiri-Boss Herbert Fandel ist voll des Lobes. Der Sprung ins Oberhaus war nur noch eine Frage der Zeit.
Dennoch bleibt der Schiedsrichter-Überflieger auf dem Boden. Es sei nicht selbstverständlich, ganz oben anzukommen. "Ein gravierender Fehler reicht manchmal, dass eine Saison nicht erfolgreich endet!" Deshalb will Brand nichts verändern: Auf sein erstes Bundesligaspiel hat er sich vorbereitet wie auf jedes andere Spiel auch. Er ist alleine nach Gelsenkirchen gereist. Auf der Tribüne durften weder sein Vater noch seine Freundin sitzen.
Brand hat eben alles unter Kontrolle.