Erzbischof Ludwig Schick war einer der wenigen, der nicht mit dem Michelsberger anstoßen wollte. Das hat aber nichts mit Befürchtungen gegenüber der ersten größeren Weinernte aus Bamberg seit 175 Jahren zu tun. Der Bamberger Oberhirte wollte nur die Fastenzeit nicht brechen, versprach aber den Silvaner zum frühest möglichen Zeitpunkt zu kosten: als Messwein an Ostern. Schick war der erste, der einen der raren Bamberger Bocksbeutel überreicht bekam. Andreas Starke (SPD) erinnerte mit dem Präsent an die Tatsache, dass das Kloster Michaelsberg 1015 vom ersten Bamberger Bischof Eberhardt gegründet worden war.

An uralte Traditionen knüpft auch die Erneuerung des Weinbaus am Klosterhang an. Trotz anfänglicher Proteste sei ein Kompromiss zum Wohle aller gefunden worden, freute sich Starke. Er sprach von einem "Silvaner der Superlative". Die Geste an Schick war verbunden mit einer ersten Weinprobe im prachtvollen Refektorium des Klosters. Dabei wurden neben einem Glas Michaelsberger auch Apfelsecco und Hochprozentiges gereicht - alles vom Südhang des Klosters.

Das Echo auf den Wein aus der Heimatstadt klang erwartungsgemäß gut bis euphorisch. Auch anspruchsvolle Weinkenner zollten dem Ergebnis der Witterung im Jahr 2011 und der Weinbaukunst von Winzer Martin Bauerschmitt großen Beifall. Artur Steinmann etwa, Präsident des Fränkischen Weinbauverbands. Er zeigte sich sehr überrascht, dass es gelungen sei, einen so guten Wein mit einer solchen Aromatik und Qualität zu erzeugen. Auch wenn der Weinbauverband der Ausweitung neuer Anbauflächen generell sehr zurückhaltend gegenübersteht, sei es gut, dass in Bamberg, als Bierstadt, jetzt zwei fränkische Kulturgetränke aufeinanderstoßen. "Die Bierbrauer müssen aber keine Angst davor haben, dass der Wein eine Konkurrenz für sie bedeutet", sagte Steinmann.

Dass Bier und Wein sich die Kundschaft streitig machen, dürfte schon der Preis des Silvaners ausschließen. Der ist mindesten so gehaltvoll wie die 13,5-prozentige Spätlese. Pro Halb-Liter-Bocksbeutel kostet die Bamberg-Spezialität 16 Euro. Darauf hat sich die Bürgerspitalstiftung als Eigentümerin des Weinbergs mit dem Winzer und der Landesgartenschau nach längeren Verhandlungen geeinigt. Der Wein soll ab Juli 2012 am Gärtnermarkt auf dem Gartenschaugelände verkauft werden. Maximale Abgabemenge: zwei Flaschen pro Person.

Wie lange wird der Gartenschauwein reichen, bei einer Menge von 2300 Flaschen, die in den freien Verkauf gelangen? Nicht sehr lange, ist nach der Weinprobe im Refektorium zu vermuten. Heiner Kemmer, der gerne einen Schoppen trinkt, bezeichnete den Bamberger Silvaner als "ehrlichen, schönen und einfachen Wein" - das perfekte Bamberg-Geschenk. "Ich bin begeistert", sagte Kemmer.

Freudig stieß auch Marion Dubler mit Freunden an, obwohl sie keine Weintrinkerin ist. Dubler hat als Landschaftsarchitektin den Garten geplant und musste miterleben, wie sich anfangs eine Bürgerinitiative dagegen formierte: "Für mich hat sich heute eine Herzensangelegenheit erfüllt", sagte sie.

Viel Lob spendeten dem erstmals genossenen Bamberger Rebsaft auch die Förderer des neuen Weinbergs, die als Weinkieser am Klosterhang selbst Hand angelegt hatten. Zu ihnen gehört Hansjörg Luther. Natürlich will auch er sich ein paar Flaschen für den Weinkeller sichern: "Eine schöne, eine gehaltvolle Spätlese."