Ist ganz praktisch, so ein Landrat - wenn man das Gefühl hat, allein zu sein. Allein mit der Befürchtung, als einziger nicht den hundertprozentigen Durchblick zu haben.

"Die Landwirtschaft im Landkreis Bamberg im Widerstreit zwischen Wirtschaft und Umwelt" lautete das Thema des Referats beim Scheßlitzer Bauerntag. Rainer Prischenk von der Regierung von Oberfranken (Gruppe Landwirtschaft und Forsten, Hochwasserschutz) hat es gehalten. Mit Sachverstand, der aus der Praxis kommt, und mit viel Schwung.

Das Komplizierte daran war das, womit sich die Landwirte schon auseinandersetzen und in Zukunft noch intensiver beschäftigen müssen: die neuen Düngeverordnungen und Gewässerschutzrichtlinien. Und so waren auch im (Fach-)Publikum mehr als nur einmal fragende Gesichter auszumachen.

Obwohl es ein Thema ist, das den Bauern auf den Nägeln brennt, entspann sich im Anschluss keine Diskussion. Und nicht nur Landrat Johann Kalb (CSU) bekannte in seinem Grußwort - trotz Vorwissens als ehemaliger Bürgermeister und Vorsitzender eines Wasserzweckverbands - dass "das nicht so einfach zu verstehen" war.


Kein gutes Jahr

Die Bauern im Landkreis Bamberg haben kein gutes Jahr hinter sich. Das lag vor allem an der großen Trockenheit im Sommer. "Wir haben gemerkt, Wasser ist ein kostbares Gut", sagte BBV-Kreisobmann Heinrich Faatz, der den Abend moderierte.

Darin, dass die Landwirte mit der neuen Düngeverordnung noch keine richtigen Erfahrungen haben, war er sich mit dem Referenten Rainer Prischenk einig. Auch, dass über neuer Technik, die vielleicht angeschafft werden muss, Fragezeichen stehen. Die normalen Güllefässer werden möglicherweise nicht mehr einsetzbar sein.

Doch Maschinen und Gerätschaften sind ein kleineres Problem, verglichen mit dem, was auf die Landwirtschaft einengend wirkt und die Bauern die Frage stellen lässt: "Wie soll ich denn noch meinen Betrieb entwickeln?" Der Referent von der Bezirksregierung nannte unter anderem Immissionsschutz, Naturschutz (unter anderem Natura 2000, FFH-Veränderungsverbot, Bayerische Kompensationsverordnung), Wasserrahmenrichtlinie, Hochwasserschutz, Düngeverordnung, wiederkehrende Überprüfung von Biogasanlagen, eingeschränkte Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, Antibiotika-Datenbank und die Initiative Tierwohl.

Schwerpunkt seines Power-Point-Vortrags war der Gewässerschutz. Die Wasserrahmenrichtlinie für den Bewirtschaftungszeitraum 2016 bis 2021 gebe als Ziel bei den Fließgewässern und Seen einen guten chemischen und ökologischen Zustand und beim Grundwasser einen guten chemischen und mengenmäßigen Zustand vor. Es bestehe ein Verschlechterungsverbot.

Wie groß die Diskrepanz zwischen der Zustandsbewertung, beispielsweise beim Nitrat, und der entsprechenden Risikoanalyse ist, machte er auch deutlich.


Gülleverteilung optimieren

Für eine grundwasserverträgliche Landwirtschaft nannte er als Ansatzpunkt unter anderem das Schließen von Abnahmeverträgen. Es gelte, die Verteilung von Gülle und Gärresten aus Biogasanlagen zu optimieren. Es müssten auch durch den Strukturwandel leer stehende Güllegruben genutzt werden.

Große Bedeutung für das Halten von Nährstoffen im Boden habe der Anbau von Zwischenfrüchten. Hier sei man im Landkreis Bamberg auf einem guten Weg, sagte an anderer Stelle BBV-Kreisobmann Heinrich Faatz.

Rainer Prischenk nannte weiter eine bodennahe Gülleausbringung (standortabhängig), zweite Güllegaben, zum Beispiel mit Fahrgassen im Mais. Große Chancen biete der Einsatz moderner Maschinen. "Moderne und umweltfreundliche Landtechnik wird große Technik sein", so der Referent. Dies sei jedoch der Allgemeinheit nicht einfach zu vermitteln - ein Aspekt, den auch Landes- und Kreisbäuerin Anneliese Göller in ihrem Schlusswort aufgriff.

Abschließend stellte der Redner die Inhalte des Wasserpakts 2016 von Landwirtschafts- und Umweltministerium in Bayern vor. Er gab zu bedenken, dass es bei manchen Prozessen im Boden Jahrzehnte dauere, bis sich ein Effekt zeige. "Anpacken müssen wir es aber jetzt."


Die "Kleinen" nicht fallen lassen

Heinrich Faatz und Anneliese Göller wiesen nachdrücklich darauf hin und auch BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif bekräftigte, dass im Spannungsfeld von Wasserrecht, Umweltrecht und Produktion im Blick behalten werden müsse, dass auch die kleineren Betriebe noch mitkämen. Man müsse im Gespräch bleiben und Kompromisse anstreben.

"Einen praxisgerechten Lösungsansatz finden, was die Düngeverordnung angeht", dafür sprach sich MdL Heinrich Rudrof (CSU) aus.

Bürgermeister Roland Kauper (CSU) sprach unter anderem die umfangreichen Hochwasserschutzmaßnahmen im Stadtgebiet an, die noch zu tätigen und die teilweise auf "guten Böden" geplant sind. Hier seien Konflikte mit der Landwirtschaft zu erwarten.

Andreas Knorr, Leiter des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, gab den Landwirten Informationen zu Förderprogrammen.

Eines war neu beim Scheßlitzer Bauerntag: die Startzeit. Sonst immer am frühen Nachmittag beginnend, wurde diesmal 19 Uhr als Veranstaltungsbeginn gewählt. In der TSV-Halle waren zwar nicht alle Plätze besetzt, die Besucherzahl gebe aber wieder Anlass zur Hoffnung, merkte BBV-Kreisobmann Heinrich Faatz an. Auch hier hatte es Johann Kalb pointiert zusammengefasst: "Da waren fast mehr Politiker als Landwirte im Saal, zuletzt."


Frauenunion kellnert für Kinder

Eine bewährte Aktion läuft weiter: Die Frauenunion Scheßlitz, die für die Bewirtung der Besucher sorgte, lässt alle Trinkgelder Projekten für Kinder zukommen. In diesem Jahr wird der Kindergarten in Giech unterstützt.
Und auch zwei Auftritte der Jagdhornbläsergruppe der Kreisgruppe Bamberg des Jäger- und Jagdschutzverbands gehörten wie immer zum Programm.

Landes- und Kreisbäuerin Anneliese Göller trat vor ihrem offiziellen Schlusswort als "Huber-Bäuera vom Jura" auf, die ihren "Austrag" allzu reichlich bemisst.