Die VR-Bank in Leesten hat am Freitag bereits wieder regulär geöffnet. Es wirkt fast, als sei nichts geschehen in dem Strullendorfer Ortsteil. Nichts deutet auf die schlimme Tat hin, die ein Maskierter einen Tag zuvor begangen hatte. Ein bis dahin Unbekannter hatte mit einem Messer bewaffnet Geld von einem Angestellten gefordert. Mit mehreren tausend Euro war der Täter geflüchtet. Ein Großaufgebot der Polizei war ihm auf den Fersen - zunächst erfolglos.

Bis zum Freitag. Am Nachmittag nahmen Spezialkräfte einen 51 Jahre alten Mann im südöstlichen Landkreis fest. Er ist dringend tatverdächtig, die Raiffeisenbank überfallen zu haben. Den Ermittlern hat dabei wohl neben der Täterbeschreibung und der intensiven Suchaktion auch ein ungewöhnlicher Umstand verholfen: "Er hat davor den Kontoauszugsdrucker bedient", sagt Alexander Czech, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken.


Markante Übereinstimmungen

Die Polizei will nicht ins Detail gehen, doch offenbar hat der mutmaßliche Täter unmittelbar vor der Tat einen Kontoauszug ausgedruckt. Raubdelikt-Spezialisten der Kripo Bamberg haben bei der Auswertung der Aufzeichnungen und dem Abgleich mit dem von der Tatausführung vorliegenden Bildmaterial "markante Übereinstimmungen" festgestellt.

Beamte des Spezialeinsatzkommandos passten den 51-Jährigen dann in seiner Wohnung ab und nahmen in fest. Die Kripo sowie ein Bamberger Staatsanwalt konnten laut Auskunft der Ermittler in der Wohnung die Tatwaffe, ein längeres Messer, und die Beute von mehreren tausend Euro sicherstellen. Außerdem sei dort auch die beim Überfall getragene Oberbekleidung des Täters gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft Bamberg wird nun Haftantrag wegen schwerer räuberischer Erpressung gegen den Beschuldigten stellen. Der Mann soll am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden.
Bei der VR-Bank Bamberg atmet man auf. Vorstand Ulrich Stock hatte noch zuvor gegenüber unserer Zeitung gesagt: "Wir hoffen nicht, dass eine solche Tat Erfolg hat, das wäre das Allerschlimmste." Die Filiale in Leesten hatte noch am Donnerstag, als die Tat geschah, geschlossen. Seit Freitag aber wieder regulär geöffnet. Allerdings mit ausgetauschtem Personal. Der junge Mitarbeiter, der von dem Täter mit dem Messer bedroht worden war, arbeitete am Freitag nicht. Er wird zwar psychologisch betreut, ihm gehe es aber besser: "Er ist relativ gefestigt und hat es ganz gut weggesteckt", sagt Stock. Deshalb werde der Mitarbeiter bereits am Montag wieder in der Filiale arbeiten.

In der Theorie werden die Bankangestellten auf solche Situationen zwar vorbereitet, doch sei es doch etwas anderes, wenn eine solche Tat dann wirklich geschehe, so Stock. Der Vorstand findet: "Der Mitarbeiter hat seine Sache gut gemacht." Er habe sich richtig verhalten.


Spuren bleiben lange

Regina Wohlpart, Bürgermeisterin von Viereth-Trunstadt, fühlt mit dem Bankangestellten. Vor ihrer Zeit als Bürgermeisterin war sie bei der Sparkasse in Viereth angestellt. Auch sie erlebte damals einen Banküberfall mit. "Ich habe das lange vor Augen gehabt, bin nachts schweißgebadet aufgewacht", sagt Wohlpart rückblickend. Damals, vor 24 Jahren, hatte ein Mann abends gegen halb sechs mit einer Waffe und Handgranate bewaffnet Geld von der Angestellten gefordert. Zu dem Zeitpunkt war auch ein Kunde in der Sparkasse. Der Täter entkam zunächst mit mehreren tausend Mark, doch konnte ihn die Polizei später festnehmen. Zeugen hatten ein Autokennzeichen notiert. Der Fall konnte aufgeklärt werden.

Doch blieben die Spuren, so Wohlpart. Sie unterhalte sich noch heute manchmal mit dem Kunden, der damals mit ihr in der Bank war. Inzwischen sei sie darüber hinweg. Sie betont aber: "Ohne psychologische Betreuung ging es nicht!"