Bamberg ist außerhalb seiner Stadtgrenzen die Stadt mit dem Welterbe, mit dem Papstgrab, dem Kaisergrab, den Brauereien, dem Wohnhaus von E.T.A. Hoffmann. Bamberg war und ist aber auch schon immer Gärtnerstadt, und immer heißt in diesem Fall seit dem Mittelalter. In seiner Glanzzeit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es über 500 Häcker und Gärtnerbetriebe im fränkischen Rom, heute sind es natürlich sehr viele weniger, aber 13 davon beweisen, dass Bamberg immer noch ein traditionsreicher Ort für Gartenkultur sowie kultivierten Obst- und Gemüseanbau ist. Und dass man auch hier mit der Zeit geht.

Gegen farbliche Tristesse

Beim Tag der offenen Gärtnereien konnten die Besucher Streifzüge unternehmen. In der Siechenstraße befasst sich das Ehepaar Franz und Heike Böhmer mit Qualitätsfloristik und Grabpflege. Und beides wird sofort sichtbar beim Betreten des Hofes. Zuerst fällt das ziemlich bunte Mustergrab auf. "Viele Leute denken so: Für den Winter braucht man winterharte Bepflanzung und weiter nix. Aber es gibt so viele schöne Pflanzen, die nicht so gängig sind. Staudenformen oder Westerngras zum Beispiel oder auch gebleichte Zweige." Heike Böhmer hat sich zur Aufgabe gemacht, die farbliche Tristesse von den Gräbern zu vertreiben. Ihre Beispielge stecke werden von unaufdringlichem Rosa, lieblichem Rot und kräftigem Violett dominiert.

Von der Siechenstraße ist es nicht weit bis ins Herz der Gärtnerstadt - eingerahmt von Mittel- und Heiliggrabstraße finden sich gleich vier relevante traditionsreiche Gärtnerinstitutionen. Eine davon kann auf eine 400-jährige Geschichte zurückblicken und wird nun in der elften Generation geführt. Sebastian Niedermaier ist der aktuelle Spross dieser alten Gärtnerdynastie und hat den Betrieb gleich mal ins 21. Jahrhundert befördert. Vor drei Jahren stellte er die Heckenproduktion seines Vaters auf reinen Bioland-Gemüseanbau um. Der geplante Ausbau der ICE-Trasse mache die Anbaufläche allerdings zu klein. Er bleibt optimistisch: "Wir verkaufen ausschließlich unser selbst angebautes Gemüse aus dem familieneigenen Saatgut; das wird sich durchsetzen." Die Niedermaiers können aber nicht nur Gemüse anbauen, sondern auch einen interessanten Likör aus Süßholz herstellen. Gemischt mit Wasser und Sekt ergibt das den "Süßholz-Spritz", dazu noch ein Bio-"Radiesla-Brot" - Bamberg kann so gut schmecken.

Dekoriertes Betriebsgelände

Vom Zentrum der Gärtnerstadt geht es etwas südöstlich in die Nürnberger Straße. Dort findet man - von außen kaum vorstellbar - die riesige Kräutergärtnerei von Gertrud Leumer. Auch sie befindet sich in einem Generationenbaum und hat ihrem Garten gleich mal einen traditionellen Namen verpasst: Mussärol, die alte Bezeichnung für Majoran. Auf dem ausladenden Gelände, übrigens durch schicke alte Gartenmöbel zu einer ruhigen Verweiloase dekoriert, findet man alle möglichen Kräuter: für die Küche (Orangenthymian, Boretsch, Griechischen Oregano), die Gesundheit (Echter Alant, Gemeiner Andorn), den Tee (marokkanische Minze, Weinraute) und die Nase (Eberraute, Römischer Wermut).

Unzählige Arten

Wieder in Richtung Norden geht es zur Gärtnerei Dechant in der Nähe der Feki. Dieser Betrieb gehört zu Bambergs modernsten Gärtnereien und hat sich vornehmlich der Blumenzucht verschrieben. Unübersehbar sind die 5000 Quadratmeter Primeln, die hier für das kommende Frühjahr gezüchtet werden. Doch nicht nur Primeln, auch die unzähligen Alpenveilchenarten zeigt Hermine Dechant stolz ihren Besuchern: "Früher gab es nur rote oder weiße, das ist dann doch ein wenig langweilig. Wir haben hier zweifarbige Veilchen, dann können wir die Blütenstruktur variieren und gezackte oder mit Rüschen züchten." Der Streifzug ist zu Ende, die Nase vollgesogen mit Blumen- und Kräuterduft, der Bauch überfüllt mit Zwiebelkuchen und der Kopf voller Eindrücke. Und man freut sich auf den nächsten Tag der offenen Gärtnereien.