Es steht Blau auf Weiß auf 40 mal 90 Zentimetern: Das Bamberger Tierheim "Berganza" arbeitet nach den Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes. Es ist damit zertifiziert.

Als erstes und bislang einziges in Oberfranken, worauf Liebhard Löffler, Erster Vorsitzender des Tierschutzvereines Bamberg und Umgebung, schon einigermaßen stolz ist.

Dass er das getrost auch sein darf, gibt Andreas Brucker bei der offiziellen Übergabe der Tafel zum Zertifikat zu verstehen. Brucker ist der stellvertretende Geschäftsstellenleiter des Deutschen Tierschutzbundes Landesverband Bayern sowie Regionalbeauftragter für die Tierheime in Oberfranken. Das sind immerhin 14 an der Zahl. Bamberg steht größenmäßig an der Spitze, seit dieser Woche und mit dem Siegel zugleich wohl auch, was die Qualität betrifft.

Dem Deutschen Tierschutzbund, der bundesweit 800 000 Mitglieder (natürliche und Vereine) zählt, sind 500 Tierheime angeschlossen. "Ziel ist es, dass einmal alle Tierheime zertifiziert sind", erklärt Brucker. Seit drei Jahren gibt es das Siegel und bislang haben es bundesweit 71 erhalten, davon acht in Bayern. Das belege, dass die Anforderungen doch relativ hoch gesteckt sind, was aber vollkommen in Ordnung sei.

Das Siegel hat auch Außenwirkung, was erwünscht ist. So hat sich Bamberg relativ bald nach Einführung darum beworben, es aber erst in diesem Jahr bekommen. Brucker ist für Vorkontrollen zuständig.

Rund 80 Seiten füllen die Vorgaben des Tierschutzbundes für angeschlossene Tierheime. Erst, wenn es in keinem der verschiedenen Bereiche "gravierende Mängel" gibt, gibt es das Zertifikat.

So einen Mangel stellte das Fehlen einer zeitgemäßen Katzen-Quarantäne dar. Dieses Problem hätten jedoch die meisten Tierheime, so Brucker. Bamberg habe erst die Finanzen gesichert, dann intensive Erkundungen getätigt und dann gebaut, schildert Löffler die Anstrengungen des Vereins. So verfügt man nun über einen Quarantäne-Anbau, der überdies einen Behandlungsraum besitzt.

Damit sei Bamberg nicht nur in Oberfranken führend, sondern befinde sich auch deutschlandweit unter den "Spitzen"-Tierheimen. Das habe der Tierarzt des Tierschutzbundes bestätigt, der das Heim einen ganzen Tag lang für das Siegel unter die Lupe genommen hat, so Löffler.

"Abgefragt" werden für das Zertifikat verschiedenste Kriterien etwa zur Haltung von unterschiedlichen Tierarten in den Kategorien Vögel und Kleintiere, Katzen und Hunde. Es geht aber auch um Organisation, Fortbildung von Leitung und Personal, Hygiene, Dokumentation, oder auch darum, ob Tierschutzpauschalen (eingehoben von Kommunen) eingeführt sind, nennt Brucker nur einige Posten aus dem umfangreichen Anforderungskatalog.

"Viele Tierschutzvereine stehen finanziell mit dem Rücken an der Wand", weiß Brucker aus der Praxis. "Der Betrieb eines mittleren Tierheimes kostet jährlich im Schnitt 300 000 Euro." Sichergestellt werden müsse, dass der Verein rechtlich verankerte Möglichkeiten für die Einzierung nutze.

1800 Mitglieder

Wie wichtig das ist, zeigt Löffler, Vorsitzender eines rund 1800 Mitglieder starken Vereines: je 15 Prozent der Kosten würden durch Mitgliedsbeiträge und die so genannte Fundtierpauschale der Kommunen gedeckt, zehn Prozent machten die Vermittlungsgebühren aus. Den Rest müsse der Verein über Spenden und Erbschaften decken. So habe Bamberg zudem mit seiner Finanzpolitik gepunktet.

Besonders überzeugend sei auch der Kleintierbereich beurteilt worden. "Bamberg ist da beispielhaft", sagt Brucker und meint die Haltung von Meerschweinchen und Kaninchen, die in Gruppen leben und auch Freigehege haben.

Nicht nur der Neubau hat Bamberg mit zur Plakette verholfen, mit der Beschäftigung einer eigenen Tierheim-Ärztin sei "Berganza" Vorbild. Nun muss Tierheim-Leiterin Elke Pohl nur noch einen passenden Platz für das Zertifikat finden, damit es auch gesehen wird. "Man muss den Leuten zeigen, hier ist ein Tierheim, das besonders gut arbeitet", findet Brucker, der das nach seinen vielen Besuchen nur bestätigen kann.