Alles begann mit einem Aushang im Tierheim Berganza: "Wetten, dass Sie niemanden finden, der kleine Wildvögel aufzieht?" Die Tochter von Monika Füllgraf wettete dagegen und brachte die Vögelchen zu ihrer Mutter. Seitdem betreibt die 53-Jährige eine Auffangstation für Wildvögel und ist Tag und Nacht im Einsatz. In der Hauptsaison von April bis Ende September beherbergt sie im Durchschnitt fast 40 Vögel. Wenn diese bei der Tierfreundin ankommen, sind sie zumeist in keiner guten Verfassung. Die größte Gefahr stellen zwar immer noch Katzen und Glasscheiben dar, jedoch gibt es auch Ausnahmen, wie im Falle eines jungen Grünfinken, dessen Geschwister Elstern zum Opfer fielen. Spaziergänger fanden den verschreckten Vogel und brachten ihn zu Monika Füllgraf. Dort entlud sich sein enormer Stress in einer sogenannten Schockmauser, was bedeutet, dass innerhalb von Sekunden das Gefieder abgeworfen wird. Mittlerweile ist der Vogel auf dem Weg der Besserung. Zu verdanken ist das dem Engagement seiner Pflegemutter, die nicht nur eine Expertin für Aufzucht und Ernährung ist, sondern auch über ein umfangreiches medizinisches Wissen verfügt.

Viele Tierärzte verweisen auf Anfragen hin direkt auf die Bambergerin, die über alle notwendigen Medikamente verfügt und auch schon 'mal selbst einen gebrochenen Flügel schient. Jedoch gibt es auch da Grenzen und so gehören neben Füttern, Verarzten und Reinigung der Volieren auch Tierarztbesuche zum ehrenamtlichen Ganztags-Job der Bambergerin - Urlaub ist nicht in Sicht. Unwetter wie das im Juli bescheren ihr zusätzliche Arbeit und ein volles Haus: "An einem Tag wurden mir 18 Vögel gebracht, das war schon enorm."

Erfreulich ist hingegen, dass Monika Füllgraf nicht auf verlorenem Posten kämpft. "Das Bewusstsein der Menschen hat sich geändert. Mittlerweile, sagt, sie, sei es für viele selbstverständlich geworden, verwaisten oder verletzten Vögeln zu helfen. So unterschiedlich wie die Tiere, die sie aufnimmt, seien die Menschen, die sie abgeben: Jaguarfahrer, Punk, Teenager, Rentner.

Während meines Besuchs wird der nächste Patient gebracht: eine Schwalbe mit einem gezerrten Flügel. Sie bekommt ein Aufbaupräparat. Dann wird darauf geachtet, dass der Vogel zur Ruhe kommt. Anschließend wird ihm ein Medikament gegen seine Verletzung verabreicht. Heilen wird diese, aber ob die Schwalbe schon diesen Winter mit den anderen in den Süden ziehen wird, ist unklar. Die Finderin ist trotzdem erleichtert und froh, dass es die Wildvogel-Auffangstation gibt: "Wäre es eine Katze oder ein Hund gewesen, hätte ich mich darum kümmern können. Aber bei einem Vogel ist man doch ziemlich unsicher."

Von den Großeltern gelernt


Nicht so Monika Füllgraf. Seit frühester Kindheit ist sie von den gefiederten Gesellen fasziniert und hat schon bei den Großeltern gelernt, wie aus dem Nest gefallene Küken aufgezogen und Verletzungen versorgt werden können. Für die viele Arbeit und die ständige Rufbereitschaft wird sie durch Glücksmomente entschädigt: "Wenn man einen Vogel wieder auswildert und dabei zusieht, wie er gen Himmel fliegt, dann ist das schon ein erhebender Moment!"

Damit die Auswilderung möglich wird, ist es essenziell, die Tiere nicht zu zähmen. Um in der Natur überleben zu können, müssen die Jungvögel lernen, selbstständig Nahrung zu finden. Auch das gehört für die 53-Jährige zum Pflichtprogramm.