Von Anna Gartiser

Die Universität Bamberg öffnete am Dienstagabend ihre Tore zur zweiten "Election Night". Wie vier Jahre zuvor, sind auch diesmal alle Plätze bereits um kurz nach 20 Uhr belegt. Tatsächlich ist der Andrang so groß, dass nicht alle Menschen reingelassen werden. Die Stimmung ist super, alle sind aufgeregt. Denn diese US-Wahl ist sehr bedeutend. Auch für uns in Deutschland.

Die Idee für diese, von der Professur für Amerikanistik organisierte, Veranstaltung hatte Christine Gerhardt, Professorin für Amerikanistik: "Ich glaube, dass man an der Universität in einem Fach wie Amerikanistik die Verantwortung trägt, auch unsere Studenten in ein solch wichtiges Ereignis mit einzubinden." Im Englischen gebe es dafür einen sehr passenden Begriff: "Transfer", erklärt Gerhardt. Außerdem leitete sie das deutsch-amerikanische Institut in Freiburg, in welchem solche Veranstaltungen lange Tradition haben.


Anspruchsvoller Auftakt

Der Abend verspricht ein umfangreiches Programm: Die Wahlnacht startet mit einer Podiumsdiskussion in Englisch. Der deutsch-amerikanische Schriftsteller Paul-Henri Campbell aus Massachusetts, Thomas Saalfeld, Professor für Vergleichende Politikwissenschaft an der Uni Bamberg sowie Corina Schulze, Professorin für Politikwissenschaften an der "University of South Alabama", diskutieren über die Wahl, die Präsidentschaftskandidaten und die amerikanische Politik allgemein. Unter anderem erklärt Schulze, wer den Republikaner Donald Trump überhaupt wählt. "Das sind Leute, die zum Beispiel über die Wirtschaft oder den Terrorismus verärgert sind. Leute, die Angst davor haben, dass diese Dinge sich weiterhin verschlechtern", sagt sie. Sie selbst sei für Demokratin Hillary Clinton, habe aber nicht gewählt. "Ich wohne in South Alabama. Die Mehrheit der hier lebenden Menschen sind Republikaner, somit ist meine Stimme bedeutungslos." Die Studenten im Hörsaal 105 auf dem Innenstadtcampus hören aufmerksam zu und stellen anschließend Fragen.


Die Stimmung wird ausgelassen

Nach einer kurzen Pause mit "Potluck Buffet", also einem Buffet, bei dem jeder selber etwas zum Teilen mitbringt, gibt es einen Vortrag zur Wahlkampfkommunikation. Die Stimmung der Studenten wird ausgelassener. Bis zur ersten Verkündung der Ergebnisse in den einzelnen Staaten dauert es noch zwei Stunden. Die Zeit wird mit einem "Election Quiz" und Live-Musik der Band "Dawn on Mars" überbrückt. Die Anwesenden finden sich in Gruppen zusammen und beantworten witzige Fragen, wie: "Wie lang sind die Hände und Finger von Donald Trump?", als auch interessante, wie " Welcher Präsident war der Einzige, der je mit einer 100%igen Mehrheit gewählt wurde?".

So langsam aber sicher schlägt die Uhr eine Stunde nach Mitternacht. Die ersten Wahllokale in den USA schließen und die Studenten spekulieren über erste Hochrechnungen an der Ostküste. Die ersten Ergebnisse der Oststaaten werden verkündet und über einen amerikanischen Fernsehsender live übertragen. Die Sympathien des Publikums gelten eindeutig der vielleicht zukünftigen ersten weiblichen Präsidentin Hillary Clinton, auch wenn diese ebenfalls nicht gerade der perfekte Kandidat für das Amt sei. Man müsse wohl das "kleinere Übel" wählen, und das sei die ehemalige Außenministerin, so die Mehrheit der Studenten hier im Hörsaal 105.

"Ich bin ganz klar für Clinton, auch wenn sie nicht meine erste Wahl gewesen wäre. Man sollte gar nicht erst über Trump als Präsidenten nachdenken, nach seinen sexistischen und rassistischen Aussagen. Es kann doch nicht sein, dass ein ,Geschäftsmann' solche Kommentare von sich gibt. Er darf nicht gewinnen", erklärt der 20-jährige Student für Politikwissenschaft Janis Schulz. Auch sein Kommilitone Christoph Barth (20) hat ein mulmiges Gefühl in Bezug auf die Wahl: "Wie wird das Ergebnis ankommen? Ich bin gespannt, wie sich die Stimmung in den USA verändert. Es geht doch darum, den Schaden in Grenzen zu halten, deshalb bin ich für Clinton."


Dann das Erwachen

Ab drei Uhr morgens, viele kämpfen schon deutlich mit der Müdigkeit, zeichnet sich langsam ab, dass Trump in einem Ausmaß Stimmen gewonnen hat, wie es niemand hier wartet hätte. Es wird immer stiller im Raum. Viele Gäste entscheiden sich nach Hause zu gehen. Gegen fünf Uhr morgens, Ende der Veranstaltung, sind noch etwa 30 Studierende da, die fassungslos beobachteten, was sich zu diesem Zeitpunkt schon abzeichnet: Trumps Sieg. Mitveranstalterin Judith Rauscher, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Amerikanistik der Uni Bamberg ist entsetzt: "Mir persönlich fehlen angesichts dieses Wahlausgangs die Worte. Ich bin schockiert und traurig und kann nur hoffen, dass sich die schlimmsten Befürchtungen für eine Trump-Präsidentschaft am Ende doch nicht bewahrheiten."