Es sind Worte wie "Offenheit", "Transparenz" und "gefühlte Sicherheitslage", die an diesem Tag im Stadtrat auffällig häufig fallen. Und es gibt viel Lob für die Bamberger Polizeiarbeit. Für den Umgang der Sicherheitsbehörden mit einer Lage, die es so noch nicht gegeben hat. Und für die Einordnung einer Entwicklung, die nichts beschönigt, aber auch nichts dramatisiert.

Das hält Thomas Schreiber auch diesmal so. Der Polizeichef spricht vor den Bürgervertretern von einem frappierenden Anstieg der Kriminalität 2016, die sich nicht nur mit der gestiegenen Einwohnerzahl erklären lässt. Oder damit, dass in Bamberg wegen seiner vielfältigen Zentrumsfunktionen mehr los ist" als im "geruhsamen Bayreuth" oder in Hof.


Rohheitsdelikte haben stark zugenommen

Vor allem die Rohheitsdelikte, also Raub und Körperverletzung haben 2016 stark zugenommen. Etwa ein Viertel der Straftaten weist die Polizei zudem so genannten Zuwanderern, also Menschen ohne dauerhaften Aufenthaltsstatus, zu. Der Zusammenhang mit der Tatsache, dass im September 2015 die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) ihren Betrieb aufgenommen hat, ist offenkundig.

Doch natürlich gibt es auch positive Nachrichten: Wohnungseinbrüche oder auch Betrugsfälle spielen anders als im Bayerntrend in Bamberg kaum eine Rolle. Die Aufklärungsquote der Bamberger Polizei ist von 63 auf 65,5 Prozent noch einmal gestiegen. Und entgegen allen Spekulationen ist auch der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) kein unsicheres Pflaster und keine "Quelle der Kriminalität", wie Schreiber sagt.

Die Statistik lässt auch Rückschluss über das Verhältnis der Bamberger zu "ihrer Polizei" zu , das offenbar von Vertrauen geprägt ist. 16 000 Mal wurden die Beamten im vergangenen Jahr in Bamberg zu Einsätzen gerufen, allein 1500 Mal wegen Ruhestörungen - trotzdem kam es nur zu 25 Beschwerden, eine Zahl, die laut Schreiber als Beleg für die "qualitativ hochwertige Polizeiarbeit" gelten kann.

Zumindest im Stadtrat wird diese Einschätzung einhellig geteilt. Helmut Müller sprach von einer fantastischen Aufklärungsquote. Der CSU-Fraktionschef bedankte sich ausdrücklich für den "offenen Umgang" der Polizei auch mit den problematischen Seiten der Kriminalstatistik. Selbst wenn es unbequeme Wahrheiten sind - "die Bürger können einfach besser schlafen, wenn sie wissen, dass die Polizei nichts unter den Teppich kehrt", glaubt Müller.

Dem Anstieg zum Trotz gibt es keinen Grund zur Dramatisierung, findet Klaus Stieringer. Aus seiner Sicht ist es vor allem die gefühlte Sicherheitslage, die in Bamberg nach unten zeigt. Der SPD-Fraktionschef warnte davor, sich von kursierenden Falschmeldungen auf Facebook und Co. verunsichern zu lassen. "Bamberg ist sicher", sagte Stieringer und verband seine Rede mit dem Appell, sich nicht "von ein paar Verrückten" verängstigen zu lassen. "Die allermeisten Flüchtlinge sind gesetzestreu."


Tscherner ist enttäuscht

Auch die Bamberger Allianz (BA) hat mit der "Offenheit" der Polizei kein Problem. "Es hat sich bestätigt, dass es besser ist, die Karten auf den Tisch zulegen und Klartext zu sprechen", sagte Dieter Weinsheimer. Der BA-Chef bezeichnete Bamberg als "insgesamt sehr sichere Stadt".

Norbert Tscherner lobte, legte aber auch den Finger in eine Wunde. Der BBB-Chef nannte es eine große Enttäuschung, dass eineinhalb Jahre nach dem Versprechen der Staatsregierung die 20 Polizeistellen noch immer nicht besetzt sind - ein Fakt, der auf Nachfrage bestätigen wurde. Wie Polizeichef Schreiber sagte, gibt es seit 1. April zwar einen "Personalanspruch", aber keine neuen Kollegen in Bamberg. "Wir hoffen, dass wir bei den künftigen Personalzuweisungen berücksichtigt werden."

Trotz der Anerkennung fehlten auch kritische Anmerkungen nicht: "Erschüttert" über die gestiegene Zahl der Rohheitsdelikte zeigte sich Heinz Kuntke (SPD). So hat sich bei den Zuwanderern die Zahl der Strafverdächtigen wegen gefährlicher Körperverletzung im letzten Jahr von 10 auf 50 glatt verfünffacht. Dass ein solcher Anstieg in Bamberg-Ost Sorgen auslöst, wundert Kuntke nicht. Der Stadtrat, der auch Vorsitzender des Bürgervereins Ost ist, ermunterte die Polizei, auch in Zukunft nichts zu beschönigen, sondern die Probleme zu benennen. "Nur dann können wir sie lösen. Sicherheit kostet Geld. Und Integration kostet Geld."