Es gehörte am Sonntag nicht viel Fantasie dazu, sich ein Inselarchipel unter strahlend blauem Himmel, umspült von einem tropischen Meer, vorzustellen. Und Schildkröten, die ihre Eier in den heißen Sand an den Stränden ablegen. Derweil schwimmen Krokodile und Haie zwischen den Riffen auf Beutezug. Seychellen oder Malediven?

Nein, es ist das Meer der oberen Jura-Zeit, das vor 150 Millionen Jahren unser Land bedeckte.

Matthias Mäuser öffnete am 39. Internationalen Museumstag ein großartiges Fenster in diese bizarre, vergessene Welt vor unserer Haustür. Der Leiter des Naturkunde-Museums in der Fleischstraße ging mit zahlreichen Besuchern auf Zeitreise und erzählte bei seiner Führung durch die Ausstellung "Frankenland am Jurastrand" über unerwartete Fossilienfunde aus einem Steinbruch bei Wattendorf.

Die präsentierten Fisch- oder Krebsreste faszinierten besonders die jüngsten Besucher: Mit Begeisterung machten sie sich daran, ihr eigenes Fossil in Gips zu gießen, das sie dann auch mit nach Hause nehmen durften.
Nahezu alle Kunst- und Kulturtempel Bambergs boten gestern ein eigenes Programm für Kinder. Gut betreut und beschäftigt von Museumspädagogen oder Studenten, entließen die Kleinen ihre Eltern in die Schauräume.

Die sechsjährige Christina zum Beispiel ließ sich im Diözesanmuseum nicht von der brausenden Domorgel ablenken, die durch die Innenpforte drang. Unbeirrt verpasste sie dem Heiligen Leopold von Babenberg auf dem Bastelbogen mit Schmucksteinen und Stoffresten ein possierliches Outfit. "Machen wir jetzt auch den heiligen Heinrich zusammen?" bat das Mädchen die Museumspädagogin Katharina Loika, die von dem kaiserlichen Erbauer des Domes erzählt hatte.

Ein Stockwerk höher scharte Museumsmitarbeiterin Sabine Hölscher etwa 30 Neugierige um sich, die Erbauliches über "wandernde Kunst" hören wollten. Nämlich über das prunkvolle Domkreuz, das nur an Fronleichnam auf Tour geht und ansonsten den Rest des Jahres bewegungslos bleibt. "18 starke Männer werden gebraucht, die das Domkreuz bei der Prozession schultern", erklärte Sabine Hölscher der staunenden Schar.

Etwa 600 Kilo soll das gute Stück wiegen, das weniger einen materiellen denn ideellen Wert durch seine sieben Jahrhunderte lange liturgische Verwendung habe. Am kommenden Dienstag werde es wieder vom Podest geholt und ins Erdgeschoss gebracht - "eine Zentimeterarbeit!" -, damit es für den Feiertag am Donnerstag mit Blumen geschmückt werden könne.

Über "Gehobene Schätze" wusste auch Werner Taegert einem stattlichen Zuhörerkreis zu berichten. Der Direktor der Staatsbibliothek führte durch die gleichnamige Sonderausstellung von illuminierten Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts. Im nur schummrig beleuchteten Raum zog der goldene Bamberger Psalter in der Vitrine die Blicke magisch auf sich, während Taegert eine illustrierte Rechtshandschrift als "Abschrift von der Abschrift von der Abschrift" vorstellte.

Ein steter Besucherstrom floss über den Domberg von Museum zu Sammlung, begleitet von babylonischer Sprachenvielfalt: Touristen aus aller Welt nutzten den Museumstag, um kostenlos Stunden der besonderen Art genießen zu können.

Das Historische Museum in der Alten Hofhaltung und das Diözesanmuseum waren für die internationalen Gäste präpariert: Es gab Führungen auf Arabisch und Englisch.


Premiere für Marionettentheater

Wer das ganz Ausgefallene suchte, wurde im Staubschen Haus in der Unteren Sandstraße fündig: Erstmals machte das Bamberger Marionettentheater an einem Museumstag mit: "Als lebendiges Theatermuseum", wie Leiterin Maria Sebald sagte.

Die Museumstags-Premiere der 260 Marionetten auf der historischen Theaterbühne des 19. Jahrhunderts verlief tadellos. Faszinierte Besucher ließen sich von der einzigartigen Atmosphäre in den barocken Räumen mit nostalgischen Ausstellungsstücken verzaubern.

"Wir sind kein Kindertheater, machen aber auch Theater für Kinder", warb Sebald für die Inszenierungen, die in ursprünglicher, klassischer Form gezeigt werden. Als Kostprobe zog sie an den Fäden des "Fliegenden Holländers", Bambergs Antwort auf Bayreuth, nicht nur zur Festspielzeit . . .