Steht das Konzept für die "Wolfsschlucht" und damit ihre Sanierung auf der Kippe? Wird die alte Jugendherberge nach 2019 noch als erlebnispädagogisches Kompetenzzentrum für einheimische Jugendliche und junge Flüchtlinge gebraucht, zu dem das Haus 2017/2018 umgebaut werden soll?

Fragen, die sich stellen, wenn man weiß, dass Bamberg keine unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UM) mehr zugewiesen werden.


Quote wird übererfüllt

Hauptgrund ist, dass die Stadt ihre Quote von 54 UM (nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel) weit mehr als erfüllt: Gegenwärtig würden 104 Jugendliche betreut, also fast doppelt so viele, sagt Stefanie Schirken-Gerster von der Rathaus-Pressestelle. Nach ihren Angaben ist die Jüngste 16, der Älteste wird heuer 20. In der Regel werden UM bis zum 21. Lebensjahr in einer Einrichtung der Jugendhilfe betreut.

Um viele kümmern sich Fachleute des Don-Bosco-Jugendwerks. Dieses will bekanntlich gemeinsam mit der Stadt bei der Integration junger Flüchtlinge in der Wolfsschlucht neue Wege gehen: Dort sollen zwei sozialpädagogische Wohngruppen mit je zwölf Plätzen geschaffen werden. Eine ist für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gedacht, eine für einheimische Jugendliche, die zu Hause nicht die nötige Unterstützung haben.

Dass keine weiteren unbegleiteten Minderjährigen mehr nach Bamberg kommen sollen, ist für das Don-Bosco-Jugendwerk nicht unbedingt eine gute Nachricht. Gesamtleiter Emil Hartmann treibt die Sorge um, ob das Konzept für die Wolfsschlucht in zwei Jahren noch mit Leben erfüllt werden kann. Er hofft und erwartet nun von der Stadt, dass sie alles daran setzt, dass das erlebnispädagogische Kompetenzzentrum verwirklicht wird.

Im Rathaus teilt man Hartmanns Bedenken nicht. Man sieht weder diese besondere Jugendhilfeeinrichtung in der alten Jugendherberge gefährdet, noch die zugesagte Förderung bei der Instandsetzung mit 3,8 Millionen Euro aus Bundesmitteln, sagt Schirken-Gerster.

Gleichwohl denkt man in der Stadtverwaltung schon darüber nach, wie frei werdende Kapazitäten zur Betreuung jugendlicher Flüchtlinge weiter genutzt werden könnten.


Seit 2013 Kapazitäten ausgebaut

Immerhin hat allein das Don-Bosco-Jugendwerk seit 2013 auf Bitten der Stadt seine personellen und räumlichen Möglichkeiten ausgebaut, um bei der Versorgung und Eingliederung unbegleiteter Minderjähriger zu helfen.

Laut Hartmann wurden 15 Fachkräfte zusätzlich eingestellt und Mietverträge für zwei Wohngruppen mit 22 Plätzen abgeschlossen. Es gehe ihm aber nicht nur um die Planstellen und die Mietverpflichtungen, betont der Jugendwerks-Chef. Sondern es gehe vor allem um die jungen Menschen.

Die UM seien auch potenzielle "Ausbildungsstellenbesetzer", die vor allem im Handwerk den Nachwuchsmangel lindern könnten. Außerdem seien "keine kriminelle Handlungen in diesem Betreuungssetting zu beklagen - jedenfalls scheint da die Sicherheit größer zu sein". Hartmann berichtet in dieser Situation von "sehr konstruktiven Gesprächen" , die er mit dem Sozialreferenten und dem Leiter des Jugendamts führe.

Im Rathaus und beim Jugendwerk gibt es inzwischen recht konkrete Nutzungsideen für frei werdende Kapazitäten bei der Betreuung jugendlicher Flüchtlinge. Eine lautet, sie Jugendämtern anderer oberfränkischer Städte und Gemeinden anzubieten. Nicht alle erfüllen ihre Quote und können in ihrem Zuständigkeitsgebiet anscheinend keine weiteren Kapazitäten schaffen.

In München und Berlin heißt man diesen Vorschlag gut. "Soweit nun trotz Rückbau und Umwidmung noch freie Platzkapazitäten in einzelnen Jugendamtsbezirken vorhanden sind (...), spricht seitens der Regierung von Oberfranken nichts dagegen, wenn diese (...) den umliegenden oberfränkischen Jugendämtern angeboten werden", lässt Regierungssprecher Oliver Hempfling auf Nachfrage wissen. Voraussetzung sei, dass die beteiligten Jugendämter sich eng austauschen und kooperieren.

Laut Schirken-Gerster ist Bamberg - auch im Hinblick darauf, dass hier die Aufnahme-Einrichtung Oberfranken (AEO) betrieben wird - zwar von der weiteren Zuweisung ausgenommen. Das bedeute aber nicht, dass kein einziger junger Flüchtling mehr ankommt. Immer wieder würden UM aufgegriffen, sei es am Bahnhof oder in der AEO an der Birkenallee.

Seit November 2016 sollen es 27 gewesen sein. Sechs von ihnen durften in Bamberg bleiben. "Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein volljähriger Verwandter hier ist, oder, wenn humanitäre Gründe wie Krankheit oder Schwangerschaft dagegen sprechen", erläutert die Stadtsprecherin.


"Wertvolle Patenschaften"

Auch wenn nicht mehr viele junge Flüchtlinge nach Bamberg und Bayern kommen: Jeder Einzelne brauche Hilfe, das Erlebte zu verkraften, sagt Hartmann - Hilfen, wie sie die Integrationspatenschaften darstellen, die das Don-Bosco-Jugendwerk aufgebaut hat. Zur Zeit bemühen sich rund 50 Familien und Einzelpersonen in der Region um junge Flüchtlingen und geben ihnen eine neue soziale und emotionale Heimat. Das ist aber nur ein Standbein.

Die beiden anderen sind eine professionelle Betreuung der Jugendlichen, die ihnen helfen soll, ihre Flucht aufzuarbeiten und ihnen einen sicheren Ort bietet, sowie ein möglichst schneller Spracherwerb in speziellen Berufsschulklassen. "Wertvoll, unvergleichlich und sehr erfolgreich" nennt Hartmann die Integrationspatenschaften.

Geht es nach ihm, müssten sie beibehalten werden, solange es unbegleitete Flüchtlinge gibt. Er spricht von Integrationsquoten, die bei 100 Prozent liegen: Fast jeder Schützling habe es in eine weiterführende Schule oder auf einen Ausbildungsplatz geschafft.

Um die gute Sache zu erhalten und möglichst zu verbreiten, wirbt das Jugendwerk gerade in Nachbar-Landkreisen dafür, die in Bamberg entwickelten Integrationspatenschaften zu übernehmen.