Nicht weniger als die mittelalterliche Siedlungsgeschichte Bambergs legen die Archäologen seit Wochen mitten in der Stadt frei. Sie arbeiten auf geschichtsträchtigem Terrain: Der Name für das 50-Millionen-Euro-Projekt, das die Sparkasse bis Sommer 2018 zwischen Lange Straße und Promenade schaffen will, kommt schließlich nicht von ungefähr: "Quartier an der Stadtmauer".

Trotzdem ist es wohl mehr als erwartet, was die Bodendenkmalpfleger bisher an und im Umfeld der beiden Bamberger Stadtmauern aus dem 13. und 15./16. Jahrhundert geborgen und dokumentiert haben. Die Fundstücke - irdene Gefäße, Münzen, Metallgegenstände, Tierschädel, knöchernes Spielzeug und mehr - füllten jetzt schon mehr als 40 Kisten und man sei noch nicht fertig, berichtet Alexander Heckendorff.

Er ist Grabungsleiter der Ingolstadter Firma "Pro Arch - Prospektion und Archäologie GmbH", die im Auftrag der Bauherrin das Gelände untersucht. Gemeinsam mit dem Bamberger Stadtarchäologen Stefan Pfaffenberger informierte Heckendorff am Dienstag in der Sparkasse am Schönleinsplatz über bisherige Funde und Erkenntnisse.


Stadtarchäologe: Sehr spannend

Die Besonderheit dieser Grabungen sei, dass mehrere Parzellen nebeneinander im Zusammenhang untersucht werden könnten. Das ist laut Pfaffenberger selten und "sehr spannend".

Die meisten Funde stammen aus aufgefüllten Gräben, von denen es im Untersuchungsgebiet - es liegt auf Schwemmland der Regnitz - ursprünglich jede ganze Menge gab. Die Menschen hätten früher alles, was sie nicht mehr brauchen konnten, jenseits der Stadtmauern entsorgt. Auf diese Weise schlugen sie zwei Fliegen mit einer Klappe, erläuterte Heckendorff: Sie wurden ihren Müll los und drängten die Wasserläufe zurück. Über die Jahrhunderte entstanden so neue Flächen, die man als Garten nutzen und später bebauen konnte: "Alles in Handarbeit, ohne Bagger", so der Archäologe anerkennend.

Als echte Fundgrube erwies sich der Zwickel der beiden Stadtmauern: In einer Abfallgrube lag ein kompletter Hausrat aus dem späten 15. Jahrhundert, darunter 14 nahezu unversehrte irdene Gefäße. Sie waren durch einen Kachelofen geschützt, der die Grube abdeckte. Pfaffenberger erwartet sich aus der weiteren Auswertung der gesicherten Fundstücke spannende Einblicke in die Alltagskultur der Bamberger, die dort im späten Mittelalter gelebt haben.

Auch gehandelt wurde an dieser Stelle damals schon. Die Archäologen suchten und fanden Fundamentreste eines kleinen Bauwerks am urkundlich überlieferten "Hafenmarkt", wo Töpfer ihre Ware feilbieten konnten. Um 1700 sei der Marktplatz umgestaltet worden, weiß Pfaffenberger. Jüngst frei gelegte Fundamente belegen ein stattliches Gebäude von gut 20 Meter Länge und mehr als zehn Meter Breite, das bis Ende des 19. Jahrhunderts dort stand, wo sich heute die Keßlerstraße 38 befindet. In dem Haus hätten die Markthändler ihre Stände lagern können.

Obwohl die Archäologen noch ein paar Wochen tätig sein werden, steht für Pfaffenberger heute schon fest: "Die Ausgrabungen leisten einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Werdens und Wachsens der Stadt Bamberg über einen Zeitraum von mehr als 800 Jahren."


Aushub für Tiefgarage im April?

Beim Pressegespräch gab Sparkassenchef Stefan Kirchner im Beisein von Landrat Johann Kalb (CSU), dem amtierenden Verwaltungsratsvorsitzenden, und OB Andreas Starke (SPD) auch einen kurzen Ausblick, wie es auf der Großbaustelle weitergehen soll. An der Langen Straße mache der Rückbau des Sparkassengebäudes Fortschritte.

Zum Schutz der historischen Nachbarhäuser werde zwischen den Giebeln eine Versteifung auf ganzer Breite installiert. Voraussichtlich im April solle mit dem Aushub für die künftige Tiefgarage begonnen werden.

Parallel stünden erste Arbeiten in den Gebäuden an, die erhalten und saniert werden. Laut Kirchner wurde - nach Rücksprache mit der Israelitischen Kultusgemeinde - die Mikwe in einem der Häuser an der Hellerstraße bereits extra gesichert.

Obwohl die Asbestsanierung in der abbruchreifen Sparkasse fünf Wochen länger gedauert habe, als veranschlagt, befindet sich das 50-Millionen-Euro-Projekt angeblich im Kosten- und im Zeitplan. Dieser sieht vor, dass das neue Viertel mit einem Hotel, einem Lebensmittelmarkt, etwa 50 Wohnungen und mehreren Geschäftseinheiten im Sommer 2018 bezugsfertig wird.