Tamina drückt ihr acht Monate altes Baby Posia an sich. "Es ist gut hier", sagt die 25-jährige Äthiopierin in gebrochenem Deutsch. "Es ist sicher hier", fügt sie hinzu. Sie musste aus ihrer nordafrikanischen Heimat fliehen. "Politische Gründe" kommt es Tamina dann fließend von den Lippen. Seit dem Frühjahr 2011 lebt sie in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber An der Breitenau 9a: Wie alle anderen 50 Schicksalsgefährten in einem Ein-Zimmer-Appartement mit Küchenzeile und Nasszelle.

Tamina drängt darauf, dass Besucher die Schuhe ausziehen. Sauber ist's bei ihr. Auch ihre Zimmernachbarin Precious (39) hält ihre Umgebung reinlich. Schon 2003 kam die Nigerianerin als Asylsuchende nach Bamberg. Ihr derzeitiger Aufenthaltsstatus: Precious wird geduldet, darf aber nicht arbeiten. "Das ist das Schwerste", seufzt die Afrikanerin, die gerade noch in ihrer englischsprachigen Bibel gelesen hat. Inzwischen macht sie einen Nähkurs und übt an ihrer kleinen Singer-Nähmaschine: "Ist mir sonst zu langweilig", meint sie.

Hausverwalter Karlheinz Bystry spricht von einem "seelischen Aushungern", denen die meisten seiner Schützlinge durch die langwierigen Asylverfahren ausgesetzt sind. Mindestens drei Jahre müssten sie "in der Warteschleife bleiben", bei bloßer Duldung dauere es noch länger: "Unser längster Kandidat aus dem Kosovo wartet schon 16 Jahre".

Bystry hat aufmerksame Zuhörer: Christian Lange, Vize-Stadtratsfraktionschef der CSU, Stefan Kuhn, Vorsitzender des evangelischen Arbeitskreises der CSU, und Robert Schmidt, Vorsitzender des Arbeitskreises Integration der CSU. Ihr Besuch in der Gemeinschaftsunterkunft dient zum einen der Information: "Wir wollen uns ein Bild davon machen, wie Asylbewerber in Bamberg leben", erklärt Stefan Kuhn. Zum anderen setzen die CSUler ein politisches Signal: "Die CSU führt das C im Namen, daraus ergibt sich ein Menschenbild und Einsatz für den Nächsten", betont Christian Lange. Dazu gehöre, im Stadtrat für einen Bauantrag zu stimmen, den der private Besitzer der Immobilie an der Breitenau 9a einreichen wird: Der Privatier will auf dem Grundstück einen Neubau errichten, der Platz für weitere 60 Asylbewerber schaffen soll. "Nutzbar wäre dieser Neubau voraussichtlich ab 2014", lässt die Pressesprecherin der Regierung von Oberfranken, Corinna Boerner, auf Anfrage des Fränkischen Tag wissen.

Die Bezirksregierung ist zuständig für die Unterbringung von Asylbewerbern und in ganz Oberfranken auf der Suche nach weiteren geeigneten Objekten, die als Gemeinschaftsunterkünfte angemietet werden können. So auch in Bamberg. Immerhin hatte die Stadt Bamberg im Herbst 2011 den Beschluss gefasst, 150 Asylbewerber dezentral aufzunehmen. Christian Lange, der auch CSU-Kreisvorsitzender ist, begrüßt dieses Vorhaben nachdrücklich: "Unsere Aufgabe ist es, in Bamberg die Dinge bestmöglich zu regeln, auf Landes- und Bundesebene können wir das nicht." Stefan Kuhn ergänzt: "Wir haben eine humanitäre Pflicht gegenüber Flüchtlingen."

Jana Heine, die als Vertreterin des offenen Arbeitskreises "Freund statt fremd" in der Besuchsrunde dabei ist, zeigt sich positiv überrascht über die Äußerungen der CSU-Politiker: "Bayern ist doch ein besonderes Pflaster für die Umsetzung des Asylbewerberleistungsgesetzes", weist Jana Heine auf Essenspakete und Residenzpflicht in Gemeinschaftsunterkünften hin.

Stefan Kuhn findet lobende Worte für die studentische Initiative "Freund statt fremd": "Ein wunderbares Netzwerk, das ausgebaut werden sollte." Es könne dazu beitragen, Asylbewerbern klar zu machen, dass "sie als unsere Gäste willkommen sind, solange sie noch keinen Status haben".

Im Gemeindehaus der Auferstehungskirche geben Studenten Deutschkurse für die Bewohner der Breitenau. Das ist aber nicht die einzige Unterstützung für die Flüchtlinge aus Ländern wie Iran, Irak, Afghanistan, Aserbaidschan, Sudan oder Angola: Carolin Schneider, Leiterin der Bamberger Caritas-Beratungsstelle für Asylbewerber und Flüchtlinge, kommt regelmäßig ins Haus. Sie berichtet den CSU-Leuten von ihrer Arbeit, von Hilfen bei Behördengängen, beim Übersetzen von Briefen und Dokumenten, Arztbesuchen. "Seelischen Beistand für die Menschen hier" bescheinigt ihr Karlheinz Bystri. Schließlich sei das größte Problem die fehlende Arbeitserlaubnis: "Totschlagen der Zeit", nennt Carolin Schneider die quälende Situation. Zwar herrsche für die Kinder der Familien Schulpflicht. Doch nach dem Ende der Schulzeit hätten sie keinerlei Chance auf eine Ausbildung.

Dennoch gebe es in dieser Gemeinschaftsunterkunft kein besonderes Potenzial an Aggressivität oder sonstige Auffälligkeiten. "Dank der Unterbringung in Appartements", wo sich niemand über verdreckte Gemeinschaftsküchen und -toiletten ärgern müsse, so Schneider. Bamberg sei nicht mit Roßdach zu vergleichen: "einen Unterschied wie Tag und Nacht", sieht Carolin Schneider. Ihr Chef, Caritas-Geschäftsführer Peter Ehmann, hält dieses Bamberger Übergangswohnheim sogar für "vorbildlich, an denen sich andere Regionen orientieren müssten". "Man muss als Bamberger nicht rot werden bei diesem Haus", sagt Ehmann. Er plädiert aber für eine "innenpolitische Bleiberechtslösung, die das Hauptproblem Duldung aus der Welt schafft". Die CSU-Männer nicken zustimmend, wissend, dass sie als Kommunalpolitiker nicht das meiste dazu beitragen können.

Immerhin haben sie sich Gedanken darüber gemacht, wie sie den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft eine "soziale Teilhabe" ermöglichen können. Stefan Kuhn: "Wir möchten ein Zeichen setzen, dass Asylbewerber dorthin gehen können, wo Bamberger hingehen". Nämlich ins Bambados. Damit "Asylsuchende künftig Bambergern über den Weg schwimmen", überreichte er einen symbolischen Scheck über 100 Euro, dem Betrag einer originalen Geldwertkarte des Bambados, sowie einen Gutschein der angrenzenden Gaststätte "Volkspark".

Asyl in Oberfranken


Nach der Durchführungsverordnung Asyl werden die von Bayern aufzunehmenden Asylbewerber nach einem bestimmten Schlüssel auf die Regierungsbezirke verteilt. Für Oberfranken ist eine Aufnahmequote von 8,9 Prozent festgelegt. Derzeit leben in Oberfranken 1 004 Personen in 16 Gemeinschaftsunterkünften, die sich wie folgt verteilen:

Stadt Bamberg 50 Bewohner, Stadt Bayreuth 230, Stadt Coburg 96, Stadt Hof 200. Weitere verteilen sich auf die Landkreise. Darüber hinaus gibt es eine dezentrale Unterbringung durch das Landratsamt Bayreuth (17 Personen in Eckersdorf) und 23 Personen durch das Landratsamt Bamberg in Roßdach.