Die drei Schauräume im Stadtarchiv an der Unteren Sandstraße bersten förmlich vor Geschichte. Der Geschichte von Klöstern und Stiften in Bamberg, die "ein wichtiger Teil in unserer Stadt ist", erklärte Bürgermeister Christian Lange (CSU), als er mit Archivdirektor Horst Gehringer und dessen Stellvertreter Winfried Theuerer die beeindruckende Ausstellung eröffnete.

Sie ist ein Teil der Sonderausstellung "1000 Jahre Kloster Michaelsberg", die schon viele Besucher in das Diözesanmuseum, in das Historische Museum, in das Staatsarchiv und in die Staatsbibliothek führte. "Perle in der Krone" nannte Gehringer in dem Reigen hochkarätiger Exponate an jenen Standorten die Schau in seinem Haus. "Hier wird Unsichtbares sichtbar gemacht", ergänzte der Bürgermeister.

"Himmelsgarten" an der Decke

Lange hatte dabei die auf unbestimmte Zeit geschlossene St. Michaels-Kirche im Blick, die nun im Stadtarchiv erlebbar ist. Und zwar durch großformatige Fotos oder durch eine 3D-Präsentation, die einen virtuellen Kirchenbesuch ermöglicht. Selbst der "Himmelsgarten" erschließt sich demjenigen, der den Kopf in den Nacken legt und zur Archivdecke schaut. Fotografenmeister Jürgen Schraudner hat 80 Einzelaufnahmen von dem Pflanzengewölbe digital zusammengesetzt. Obendrein gibt es einen Nachbau des Otto-Grabes in Originalgröße - allerdings ohne Durchschlupf.

In den beiden anderen Ausstellungsräumen erzählen historische Fotos - angelehnt am Zweidler-Plan - über die einstigen und noch heute existierenden Klöster und Stifte in Bamberg.

Sie alle prägten die Topografie der Stadt und das Leben der Bamberger Bürger. So umgaben die Stifte eigene Immunitätsbezirke. Sie garantierten den Stiften politische Mündigkeit, Steuerfreiheit und eine eigene Rechtsprechung.

Gut lesbare Texttafeln liefern Daten und Fakten etwa über die Dominikaner, Klarissen, Kapuziner, Jesuiten, Karmeliten, Englische Fräulein - bereichert durch aktuelle Luftbildaufnahmen von den jeweiligen Straßenzügen, an denen sich die Klöster befanden beziehungsweise befinden. Die allesamt in der Säkularisation aufgelösten Stifte - Domstift St. Peter und Paul, Kollegiatsstift St. Stephan, Kollegiatsstift St. Maria und St. Gangolf - können in Wort und Bild wiederentdeckt werden. Und da locken noch die Vitrinen mit Dokumenten, die die Klosterlandschaft in Bamberg auf pfiffige Weise beleuchten.

So kündet etwa die Rechnung für das Kapuzinerkloster St. Heinrich und St. Kunigunde aus dem Jahr 1668 davon, dass die Patres "11 Mas Bir" und "41 Mas Wein" konsumierten - sozusagen als Öl für die Stimmbänder. Denn die Kapuziner waren beliebte Prediger in der Stadtpfarrkirche St. Martin.

Die "Rennsäue" der Antoniter

In gestochener Handschrift hatten die Dominikanerinnen des Heilig-Grab-Klosters die Jahresmessen für Verstorbene in einen Folianten eingetragen. Ein Exemplar von 1726 liegt aufgeschlagen in einem Schaukasten.
Doch wer die Histörchen hinter der augenfälligen Geschichte erfahren will, muss sich von Archivdirektor Gehringer durch die Ausstellung führen lassen. Auf einer Tafel ist beispielsweise nüchtern zu lesen, dass im 15. Jahrhundert die Antoniter - ein Hospital-Orden nach dem Mönchsvater Antonius (gestorben 356) - eine Niederlassung in der Langen Straße hatten. Horst Gehringer weiß da gleich von den "Antonius-Schweinen", von den "Rennsäuen" zu erzählen, von denen die Bamberger Antoniter immerhin sechs hatten: "Diese Schweine waren die städtische Müllabfuhr, sie ernährten sich von den Abfällen auf der Straße." Und wurden geschlachtet, um Arme mit dem Fleisch zu speisen.