Im Oktober des vergangenen Jahres waren beim ein oder anderen noch Zweifel vorhanden, wer denn nun letztlich hinter der Kampagne "Bamberg wehrt sich - Asylmissbrauch nein danke" steckt. Damals hatten sich die selbst ernannten "Asylmissbrauch"-Gegner zu einem kleinen Demonstrationszug zusammengeschlossen. Deren Anzahl (150) weit hinter der Anzahl der Sympathisanten im Internet (1600) zurückblieb.

Es wurde schnell klar, dass hier keine besorgten Bamberger Bürger auf der Straße waren, sondern mehr oder weniger bekannte Neonazis aus der Region. Die so enttarnten Rechtsextremen treten nun erneut auf den Plan. Bei ihrer Kundgebung an diesem Samstag heißt es jetzt nicht mehr nur "Asylmissbrauch nein danke", pauschal wird auf der Facebookseite die Aussage getroffen: "700 neue Asylanten?! Nicht mit uns!" Eine Anspielung auf die geplante Asylbewerber-Unterkunft in Bamberg.

Gegen Fremdenhass

Unter dem Motto "Bamberg wehrt sich gegen Nazis - Bamberg schützt die Flüchtlinge" stellt sich dem ein breites Bamberger Bündnis entgegen, das für diesen Samstag ab 10 Uhr zu einer Gegendemonstration auf dem Bamberger Maxplatz aufruft. Auch Landrat Johann Kalb (CSU) fordert Solidarität. Kalb selbst will am Samstag vor Ort gegen Fremdenhass und für Flüchtlinge mitdemonstrieren: "Menschen, die in Not geraten sind und bei uns Hilfe suchen, müssen eine menschenwürdige Aufnahme und Unterstützung erfahren!"

Ebenso findet Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) deutliche Worte: "Es ist eine Schande, wenn auf dem Rücken von unschuldigen Asylbewerbern Stimmungsmache betrieben wird. In Bamberg werden wir es nicht zulassen, dass rechtsextreme Wortführer mit falschen Parolen Erfolg haben werden." Er dankt den Organisatoren der Gegendemonstration für deren Engagement: "Es ist unsere humanitäre Verpflichtung, für eine angemessene Unterkunft zu sorgen und den Asylbewerben Schutz zu geben", sagt Starke. "Ich appelliere an die Bamberger Bevölkerung, sich der Gegendemonstration auf dem Maxplatz anzuschließen, um eine deutliches Zeichen zu setzen."

Werner Schnabel vom Bündnis gegen Rechtsextremismus hat angekündigt, dass ab 10 Uhr am Maxplatz Reden gehalten werden, in denen deutlich gemacht werde, dass Neonazis mit ihren Aktionen nicht durchkommen und es erst recht nicht zugelassen werde, dass sie die Flüchtlinge für ihre Hetzpropaganda missbrauchten. "Wir heißen Flüchtlinge willkommen, Nazis aber haben hier nichts verloren!", heißt es im Aufruf des Bündnisses.

Am Maxplatz wird ein größerer Andrang erwartet. Etwa 20 Personen haben sich für die rechtsextreme Kundgebung angekündigt. Auf der Gegenseite sollen es weitaus mehr werden. Beeinträchtigungen an dem Einkaufstag soll es dennoch kaum geben: Die Polizei wird verstärkt präsent sein. Die Karstadt-Tiefgarage wird zugänglich bleiben. Ebenso die Geschäfte rund um den Maxplatz. Maximal bis 14 Uhr sollen die Demonstrationen andauern.