Nach rund 94 Minuten konnte das deutsch-amerikanische Ehepaar Melanie und Brett Tate im "Franken Stübla" endlich aufatmen: denn einen Ehekrieg wird es nun wegen des Fußballs nicht geben. Schließlich sind sowohl die deutsche Nationalmannschaft als auch die USA ins Achtelfinale eingezogen. Allerdings wird Brett Tate die Nacht auf der Couch verbringen müssen. "Wir haben vorher beschlossen, wer verliert muss das Schlafzimmer verlassen und ins Wohnzimmer auswandern", scherzte eine gute gelaunte Melanie Tate.

Zusammen mit amerikanischen und deutschen Freunden haben sie gemeinsam wenige Meter von der Public-Viewing-Meile entfernt das Duell ihrer beiden Mannschaften verfolgt. Am Ende war dort sowohl bei den Amerikanern als auch den Deutschen die Stimmung ausgelassen. Wenngleich während des Spieles, als die Jungs von Jogi Löw in Führung gingen, die der Amerikaner schon etwas gedrückter war. "Normalerweise sind meine amerikanischen Jungs doch ein wenig aufbrausend, nach dem Tor jedoch waren sie zumindest kurzzeitig etwas ruhiger", sagte Melanie.

Auch die Emotionen nach dem Spiel waren bei den Amerikanern unterschiedlich. So nahm beispielsweise Michael Graham die Niederlage äußerst gelassen auf: "Es war doch nur ein Spiel und Deutschland war an dem Abend einfach etwas besser." Douglas De Majo hingegen war ein wenig enttäuscht. "Ich finde, wir haben zu schnell aufgegeben. Und Müller stand eben zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Aber zumindest hat uns Ghana das Leben gerettet und wir stehen im Achtelfinale", bilanzierte er. Doch allzu lange währte die Trauer nicht: schnell konnten alle wieder herzlich lachen und genüsslich in den Abend feiern.

Polizeibilanz positiv

Auch am Maxplatz herrschte zeitgleich beste Stimmung. Friedlich lief alles ab, wie Michael Aumüller, Einsatzleiter der Polizei Bamberg-Stadt, bestätigte. Bei den bisherigen Public-Viewing-Veranstaltungen seien weder Wildpinkler noch Streithammel aufgefallen. "Es hat sich eingespielt mit den Erfahrungen der letzten Public-Viewing-Veranstaltungen", sagte der Polizist. Auch der Einsatzleiter des Bayerischen Roten Kreuzes, Johannes Arneth, sprach von einer bisher sehr ruhigen WM am Maxplatz. Mit bis zu 13 Einsatzkräften sind die Sanitäter für alle Fälle vor Ort. Bisher habe es aber nur kleinere Vorfälle wie einen Hitzschlag gegeben - trotz der vielen Besucher: Am Donnerstag waren wieder 3500 Fans auf den zentralen Platz gekommen. Und die feierten.

Autokorso wird größer

Der Sieg der deutschen Mannschaft übertrug sich auch auf Bamberg. Während nach den beiden ersten Begegnungen mit deutscher Beteiligung die Stimmung zu Spielschluss in der Innenstadt eher verhalten war - lediglich nach dem Auftaktsieg gegen Portugal gab es einen kleinen Autokorso -, blitzte nun am Donnerstagabend in Bamberg doch ein wenig WM-Stimmung auf. So feierte man in der Fußgängerzone in kleinen Grüppchen ausgelassen und in der Langen Straße sammelten sich rund 150 Fans, "besetzten" zum Teil die Straße und sangen "Humba, Humba Täterä". Doch als die Polizei kurz vor 21 Uhr die Zufahrt sperrte, löste sich die friedlich feiernde Menge relativ schnell wieder auf.