Theoretisch ist sogar eine 24-Stunden-Kita drin. Denn "im Kinderhaus ist alles so anders, ", wie Leiterin Monika Sebald schwärmt. Mit anders meint sie Konzept, Räumlichkeiten und Ansprüche. Damit ragt Hallstadt unter den landkreisweit 100 Einrichtungen heraus und könnte zum Trendsetter werden.

Seit zwei Jahren bringt sich die Gundelsheimerin bei der Konzeptionierung des Hallstadter AWO-Kinderhauses mit ein. Das ist seit September in Betrieb. Die drittgrößte Kommune im Landkreis setzt darauf, dank des "Kinderhauses" mit weiteren Standortvorteilen zu punkten und kooperiert mit Unternehmen.

Zunächst einmal freilich dürfte der Hallstadter optisch eine Veränderung wahrgenommen haben: Aus dem fast verfallenen, 1845 errichteten Gärtneranwesen an der Hauptstraße ist eine sauber renovierte Immobilie geworden, die um zwei hochmoderne Bauten erweitert wurde. Lange Jahre fristete das so genannte Schmitt-Haus an der viel befahrenen Ortsdurchfahrt ein tristes Dasein: schmutzige Fassade, marode Substanz. Zunächst hatte die Stadt das Anwesen in den 90ern gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Georgenhof erworben, um daraus ein Seniorenzentrum zu entwickeln.

Das wurde dann allerdings auf einem anderem Grundstück ebenfalls im Herzen Hallstadts realisiert. Es dauerte, bis ein Neuansatz im Rahmen des Städtebauprogramms gefunden war.
In eineinhalb Jahren Bauzeit und nach Zuerwerb eines angrenzenden Gebäudes ist auf dem knapp 1000 Quadratmetern Grundstück die etwas andere Kindertagesstätte auf mehreren Etagen entstanden. Sie verbindet den sanierten, denkmalgeschützten Altbau mit zwei modernen Baukörpern. Rund 600 Quadratmeter umfasst die Nutzfläche der Gebäude.

Der Neuansatz der Stadtentwicklung hat auch eine neue Ära bei den Kindertagesstätten eingeläutet. Zusätzlich zu den bestehenden drei Kindertagesstätten in Hallstadt und Dörfleins, soll die jüngste Einrichtung in Sachen Flexibilität noch eins draufsetzen. "Mit Öffnungszeiten, den Eltern so weit wie möglich entgegen kommen", sagt Monika Sebald und meint damit die an Arbeitszeiten gebundenen Berufstätigen. Ganz konkret ist das Kinderhaus derzeit von 6.45 bis 18.30 Uhr geöffnet. Falls nachgefragt, wäre derzeit der frühestmögliche Beginn sogar 5.30 Uhr und die späteste Abholzeit 20.30 Uhr möglich.

Die Zeiten bis zum regulären Beginn beziehungsweise Ende sollen mit Tagesmüttern bewältigt werden, erklärt Sebald Hallstadts neuen Weg. Sollte sich der Bedarf ergeben und die Stadt Hallstadt es wollen, könnte man durchaus auch einmal zur 24-Stunden-Einrichtung mutieren. Wobei Monika Sebald fest überzeugt, auch dann höchste pädagogische Ansprüche umsetzten zu können. Ein Kriterium, das diese Einrichtung vom Gros unterscheidet. Wie auch die Kooperation mit vier Unternehmen, denen ein festes Kontingent zugesichert ist - zehn Plätze.

Derzeit sind in der für 55 Kinder (in zwei Krippen- und einer Kindergartengruppe) ausgelegten Einrichtung insgesamt zehn Kräfte (Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen, Praktikantin) tätig.

Das Kinderhaus grenzt sich in einem weiteren Aspekt von anderen Kitas ab: durch die Einrichtung. Viele Spiegel gehören dazu, Wohn-Accessoire und Pädagogik-Tool: "Die Kinder nehmen sich anders wahr." Von ihrem Arbeitgeber, dem Kinderhaus-Betriebsträger AWO, hatte Monika Sebald freie Hand bei der Einrichtung. Für gewöhnlich gibt es Modellreihen einer begrenzten Zahl von Kita-Einrichtungsanbietern. Im Kinderhaus erinnert der Besprechungsraum mit seinen hellblauen Möbeln an ein gemütliches Wohnzimmer. In ihrem Büro arbeitet Monika Sebald an einer zum Schreibtisch umfunktionierten Hobelbank.

Und die Kinder verbringen ihren Kita-Tag in einer Einrichtung, die exakt auf ihre ganz spezielle, die Pikler-Pädagogik abgestellt ist. Pikler heißt unter anderem, Spielsachen selbst kreiieren, den Kindern viel Zeit zu lassen und Individualität fördern. So lautet Sebalds vereinfachte Erklärung. Nichts von der Stange also. Dafür jede Menge liebevolle Details, wie Blümchen auf jedem Tisch. "Wo man lange ist, muss man sich wohlfühlen", sagt die 56-Jährige auch mit Blick auf Mega-Öffnungszeiten. "Da wurde noch keine Vase umgestoßen." Der winzige Spielzeugherd auf der Vitrine ist ebenso unversehrt, wie die zahlreichen heimeligen Deko-Artikel. Die Kinder nehmen das Besondere durchaus als solches wahr. Nicht jede Kita verfügt im Übrigen über eine Dachterrasse, der Ruhe-Oase.

"Im Kinderhaus ist alles so anders", wiederholt die Leiterin. "Das Kinderhaus macht meinen Traumberuf perfekt." Wohl auch weil sie hier aus dem reichen Fundus ihrer vielfältigen Zusatzqualifikationen schöpfen und ihn wie schon in der Bischberger Kita Am Vogelberg - eine Konsultationseinrichtung - teilen kann.
Im Landkreis Bamberg gibt es 100 Kindertageseinrichtungen( Kinderkrippen, Kindergärten, Kinderhorte, Häuser für Kinder, Waldkindergärten) mit insgesamt 7370 Betreuungsplätzen. Frühestens beginnen die übrigens um 7 Uhr.


Eine Übersicht über die Kindertagesstätten im Landkreis und deren jeweilige "Spezialitäten" gibt es nachstehend (Quelle: Landratsamt Bamberg)