Wegen der Fortführung des Planfeststellungsverfahrens für den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke Nürnberg-Ebensfeld kommt Bewegung auch in die Straßenverkehrsplanung der Marktgemeinde. Bürgermeister Andreas Schlund (CSU) und der Gemeinderat bemühen sich seit Jahren um die Verbesserung der Verkehrsströme im südöstlichen Gewerbegebiet, von der Autobahnanschlussstelle bis zur Staatsstraße 2244 (alte B 4) südlich des Hotels Göller. Jetzt könnte der Knoten platzen. Den Anlass gab die "DB Projekt GmbH", als sie vor wenigen Wochen den Markt Hirschaid an ihre Restforderung aus der Planungsvereinbarung vom 31. März 1994 in Höhe von 59 659 Euro erinnerte.

Tatsächlich wurde seinerzeit auf Wunsch der Marktgemeinde ein Eisenbahnüberführungsbauwerk geplant, um südlich des Hotels Göller eine Ostumfahrung des Gewerbegebietes Richtung Autobahn errichten zu können. Dafür wäre bei Bahnkilometer 49,965 ein Straßentunnel mit einer Höhe von 4,50 Meter und einer lichten Weite von 10,50 Meter erforderlich. Das Planungsprojekt wurde jedoch eingefroren, als der Ausbau der ICE-Strecke von der rot-grünen Bundesregierung Schröder/Fischer auf Eis gelegt worden ist. Die Pläne sind somit bis heute nicht vollständig; es fehlen die Tragwerksplanungen des Überführungsbauwerks, die landschaftspflegerische Begleitplanung und die schalltechnischen Berechnungen.

Erst wenn alle Planungsunterlagen dem Markt Hirschaid vorliegen und wenn nach Abschluss des Planfeststellungsfahrens für den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke Baurecht für die Straßenunterführung besteht, ist Hirschaid bereit, die Restforderung zu begleichen. Darauf legte sich der Marktgemeinderat am Dienstagabend per einstimmigem Beschluss fest. Dessen ungeachtet wünscht Kurt Barthelmes (WG Regnitz au), dass der Deutschen Bahn signalisiert wird, dass Hirschaid aus Sorge vor der lärmintensiven Zunahme des Güterverkehrs den vierspurigen Gleisausbau prinzipiell nicht wünscht. Georg Kestler vom "Fortschrittlichen Bürgerblock" erinnerte den Bürgermeister an einen Vorschlag aus der Bürgerversammlung, Schlund solle zusammen mit den Bürgermeistern der vom Streckenhausbau mit betroffenen Nachbargemeinden für eine Neutrassierung abseits der bebauten Bereiche eintreten.

Andreas Schlund äußerte dafür Verständnis wegen der befürchteten Lärmbelastung aus dem zunehmenden Gütertransport auf der Schiene und wegen der Störung des Dorfbilds durch die bis zu sechs Meter hohen Lärmschutzwände. Ob die Bahn aber jetzt noch für eine Neutrassierung durch unbewohnte Bereiche wie etwa im Verlauf der ICE-Neubaustrecke zwischen Ebensfeld und Erfurt zu gewinnen ist, hält Schlund für eher zweifelhaft.

Sollte das Bahnprojekt auf der weitgehend schon in Bundeseigentum befindlichen Trasse verwirklicht werden, käme das Tunnelvorhaben südlich des Hotels Göller für die Ostumgehung des Marktes Hirschaid wie gerufen. Eine zukunftsweisende Entlastungsspange im Südosten von Hirschaid wäre dann endlich möglich. Sie könnte von der Staatsstraße abzweigen, am Neubert-See und östlich am Möbelhaus vorbei zur Autobahnauffahrt geführt werden. Dadurch würde sich der Verkehr in Hirschaid auf der Maximilianstraße, im Verkehrskreisel des Gewerbegebietes und auf der Nürnberger Straße deutlich verringern.

Flugs wurde die seit Jahren untersuchte "Variante 6A" hervorgeholt, für die von allen beteiligten Behörden Verständnis aufgebracht wird. Diese Variante sieht den Neubau eines Verkehrskreisels neben der Autobahnmeisterei vor, um die Verkehrsströme Richtung Neubert und ins südliche Gewerbegebiet sowie in Richtung West besser zu kanalisieren.

"Kein Handlungsbedarf"


Auch die Autobahndirektion erkennt darin Vorzüge für die Gewerbeerschließung und Ortsentlastung, stellte aber gegenüber dem Bürgermeister klar, dass dieses Projekt keine Aufgabe des Baulastträgers der Autobahn sei. Die Autobahndirektion selbst sieht die Verkehrssituation an der Anschlussstelle Hirschaid als unkritisch an. Es bestehe kein Handlungsbedarf. Bei zunehmendem Verkehrsaufkommen stellt die Behörde eine Lichtsignalanlage für den westlichen Knoten in Aussicht.

Bis zur Gemeinderatssitzung im März soll die Gemeindeverwaltung bei der Bezirksregierung die Kostenträgerschaft einer Ortsumgehungsstraße prüfen, die Fördermöglichkeiten sondieren, die Beteiligung Dritter und die rechtliche Verfahrensweise klären. Anhand dieser Informationen werden dann die nächsten Schritte definiert.