Angeblich aus Geldnot sind die sieben Polen zu Autoknackern und Bandendieben geworden, sie sich seit gestern in Bamberg verantworten müssen. Bis heute Mittag dauerte ihre Anhörung zur umfangreichen Anklageschrift. 43 erfolgreiche und versuchte Diebstähle von Personenwagen der Marken Audi und Volkswagen sind darin aufgelistet.

Reihum gab jeder der Sieben eine gewisse Tatbeteiligung zu. Vier sind demnach nur ein oder zwei Mal dabei gewesen, um die gestohlenen Autos nach Polen zu kutschieren. Ein gelernter aber arbeitsloser Kfz-Mechaniker outete sich als versierter Autoknacker für die bevorzugten Marken und gab zu, dass er vier Fahrzeuge aufgebrochen und kurz geschlossen hat. Das sei aber nicht schwierig, das könne jeder nach einem zehnminütigen Training.
Die beiden Männer, die die Ermittler für die Haupttäter halten, gaben zwar nicht alle ihnen zur Last gelegten nächtlichen Diebstahlstouren zu, aber doch etliche.

Dass ihre Serie im Juni 2011 in Forchheim begann, hing damit zusammen, dass dort die Freundin des Mannes wohnt, der zum aktivsten Mitglied der Bande werden sollte, der 34-jährige M.. Angeblich war er aber auch nur ein Getriebener: Er soll von einem Landsmann dazu angestiftet worden sein, bei dem er Schulden hatte, die er nicht zurückzahlen konnte. Deshalb habe er sich bereit erklärt, sie als Kurierfahrer "abzuarbeiten".
Später brach er irgendwann mit dem angeblichen Drahtzieher und organisierte selbst eine Bande. Fünf der Mitangeklagten gehörten dazu.

Der sechste ist der 32-jährige K. Er will die anderen Angeklagten gar nicht kennen und sie ihn umgekehrt auch nicht. Er gab eine nächtliche Diebstahls-Tour zu, die ihn in den Raum Forchheim führte. Da will er aber ebenfalls nur Kurierfahrer gewesen sein. Chef soll derselbe Pole gewesen sein, der M. angeheuert hatte. Darüber hinaus streitet er jede andere Beteiligung an den angeklagten Taten ab.

Was alle Angeklagten verbindet ist ihre angebliche Mittellosigkeit. Ein einziger von ihnen hat eine feste Anstellung, bezeichnenderweise bei einem deutschen Arbeitgeber. Alle anderen lebten zur Tatzeit von Gelegenheitsjobs und noch im Elternhaus. Nur wegen der Aussicht auf Geld wollen sie mitgemacht haben.

Nach ihren Schilderungen bekam ein Kurierfahrer für die "Überführung" eines gestohlenen Autos umgerechnet um die 250 Euro. Das sei fast soviel wie der durchschnittliche Monatslohn eines Arbeiters in Polen.
Die Männer, die die Autos bei den nächtlichen Fahrten durch deutsche Landen ausguckten, aufbrachen und kurzschlossen, teilten sich den Rest des Verkaufserlöses. Er soll bei einem Fahrzeug, das in der Bundesrepublik noch einen Marktwert von 15 000 Euro hatte, gerade 1500 Euro betragen haben. Dass es keine Papiere dazu gab, habe den Wert deutlich gemindert, erfuhren die Prozessbeteiligten.

Die Verhandlung wird nächste Woche fortgesetzt. Die Zweite Strafkammer hat fast 50 Zeugen - die Geschädigten sowie Polizeibeamte - geladen und vorsorglich zahlreiche Verhandlungstage bis Mitte September angesetzt.

Mehr lesen Sie im Fränkischen Tag.