Bamberg Wer Freitagmittag in der Fußgängerzone beim Einkaufen unterwegs war, merkte nur wenig von den Vorgängen, die sich einen Straßenzug entfernt abspielten. Während große Einsatzkräfte der Polizei die Straßenzüge von der Promenade bis zum Rondo absperrten und teilweise auch Menschen aus Häusern und Geschäften evakuierten, lief das Leben am Gabelmann ab wie immer.


Dennoch klangen die Nachrichten, die über alle Medien verbreiteten wurden, zeitweise sehr bedrohlich. Bombenalarm. Drohungen - möglicherweise mit islamistischem Hintergrund - sollen am Busbahnhof ausgestoßen worden sein. Ein Mann sei festgenommen worden.



Erst gegen 14 Uhr gibt es eine offizielle Bestätigung dessen, was passiert ist. Anne Höfer vom Polizeipräsidium Oberfranken berichtet von einem Mann, der am ZOB in ausländischer Sprache Menschen gedroht habe. Ein Zeuge habe dies beobachtet und die Polizei alarmiert. Kurz nach zwölf Uhr konnte der Mann, der in einen Bus eingestiegen war, von der Polizei überwältigt werden. Er leistete keinen Widerstand und wurde vorläufig festgenommen. Über Alter, Herkunft und Motiv des Mannes konnte die Polizei zu diesem Zeitpunkt nichts sagen. Es werde ermittelt.


Explosiver Inhalt in Rucksack?

Was zur anhaltenden Sperrung des üblicherweise um diese Uhrzeit hochfrequentierten Busbahnhofs führte, war ein Umstand, der ebenfalls erst gegen 14 Uhr offiziell bestätigt wurde. In dem Bus, es handelte sich um ein Fahrzeug der Linie 902 Richtung Kastanienstraße im Bamberger Osten gleich hinter der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken, befand sich zu diesem Zeitpunkt noch ein Rucksack des festgenommen Mannes, über dessen Inhalt nichts Genaues bekannt war.



Könnte dieses Gepäckstück tatsächlich mit einem explosiven Inhalt gefüllt sein? Um dies zu prüfen, traf gegen 14.30 Uhr eine technische Sondergruppe des Landeskriminalamts Bayern ein. Kurz nach 15 Uhr konnte Entwarnung gegeben werden. Auch der ZOB wurde rasch wieder frei gegeben.

Trotz der beunruhigenden Nachrichten, die zeitweise kursierten, waren in der Bamberger Innenstadt rund um den ZOB keine besonderen Vorkommnisse zu beklagen. Die zahlreichen Passanten reagierten auf die Sperrungen mit Verständnis und auffälliger Unaufgeregtheit. Auch die Verlegung der Buslinien an die Willy-Lessing-Straße klappte überraschend reibungslos. Peter Scheuenstuhl, Chef des Verkehrsbetriebs, der persönlich vor Ort im Einsatz war, waren keine Beschwerden bekannt.
Zu Beginn der Sperrung des ZOB hatte vor allem das hohe Kundenaufkommen mit vielen Schülern, die um die Mittagszeit nach Hause fahren wollten, für einen großen Menschenauflauf gesorgt. "Wir haben einige Zeit gebraucht, bis wir das koordiniert hatten", berichtete Jan Giersberg, Pressesprecher der Stadtwerke.


Umsichtige Busfahrer, besorgte Eltern

Dank der Service-Mitarbeiter, die die Kunden in die Willy-Lessing-Straße lotsten, und der umsichtigen Busfahrer, die zum Teil auf ihre Mittagspause verzichteten, habe sich die Lage schnell entspannt. Vor allem die Telefone klingelten zu dieser Zeit ununterbrochen: Vor allem viele besorgte Eltern wollten wissen, was denn da los sei und ob ihre Kinder mit dem Bus nach Hause kommen könnten

Kurz vor 15 Uhr stellte Giersberg fest, dass der öffentliche Nachverkehr zu diesem Zeitpunkt "den Umständen entsprechend" gut, ja fast reibungslos laufe. Kurz nach 15 Uhr war der Spuk dann vorbei und ZOB wieder offen.